Geldanlage
Ist Europa am Ende?

Die Griechenlandkrise zeigt: Der Blick auf die klassischen Kennziffern reicht bei der Geldanlage heute nicht mehr aus. Investoren müssen die geopolitischen Entscheidungen im Blick behalten. Das ist nicht immer einfach.
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Der Euro zerbricht. Die Eurozone fällt auseinander. Solche düsteren Visionen verbreiteten Schwarzseher in den heißen Griechenlandwochen. So weit kam es zwar nicht. Doch die Börsen wurden durchgeschüttelt. Für Vermögensverwalter sind die Folgen klar. „Wir brauchen heute Analysten, die sich mit solchen politischen Ereignissen beschäftigen“, sagt etwa Frank Hagenstein, Chef-Anlagestratege der Deka-Gruppe des Sparkassensektors (siehe Interview am Ende des Artikels).

Weit ausstrahlende Ereignisse wie die aufbrechenden Konflikte in der Europäischen Union sind eigentlich das Tummelfeld geopolitischer Strategen. Diese Spezialisten erkennen zwar wachsende Risse im Währungsverbund und politischen Gefüge Europas. Dennoch wollen die Fachleute aus Investorensicht die Anlageregion nicht abschreiben.

In die Riege der Optimisten reiht sich Brian Singer ein. Der Manager bei der Anlagegesellschaft William Blair in Chicago stellt Depots auch nach geopolitischen Gesichtspunkten zusammen. Er erklärt zu den Eurozonen-Tumulten: „Wenn der größte Sturm vorbei ist, kann man dort Aktien kaufen. Viele negative Nachrichten stecken jetzt schon in den Kursen drin.“

Ausgelöst hat die Debatte ein politischer Umbruch. Nach jahrzehntelangem Ausbau der Europäischen Union und des Währungsverbundes verschlechterte sich die politische Großwetterlage seit der Finanzkrise. Das Schuldenproblem rückte ins Bewusstsein, kulminierte in der Debatte um Griechenland, einem de facto insolventen Staat. Der „Grexit“, ein möglicher Austritt der Hellenen aus der Währungsunion, wurde in den vergangenen Monaten zum Schlagwort. Die Wortschöpfung dominierte die täglichen Nachrichten im laufenden Monat und spiegelte so das eskalierende politische Drama wider.

Philippa Malmgren in London sieht im Euro keinen passenden Klebstoff für die Mitgliedsländer. Die Gründerin von DRPM Group, einer Beratungsfirma für politische und wirtschaftliche Risiken, erkennt im Währungsverbund sogar einen echten Spaltpilz: „Der Euro ist zu spröde und unelastisch, um die Europäische Union enger zusammenzubinden, im Gegenteil, der Euro treibt die Union auseinander.“

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