Geldanlage
Kater nach der Börsenparty

  • 0

Nervös machen die Anleger weltweit jetzt vor allem die heißen, kaum durchschaubaren Spekulativgeschäfte der Hedge-Fonds, die mit einer Schieflage die ganzen Finanzmärkte in die Tiefe reißen könnten. Besonders beliebt bei Hedge-Fonds und besonders gefährlich auch für alle anderen sind die sogenannten Carry Trades. Die funktionieren so: Ein Investor leiht sich in Japan Geld. Dafür zahlt er in Yen weniger als zwei Prozent Zinsen. Das Kapital legt er weltweit dort an, wo er sich höhere Renditen verspricht - also auch in deutschen Aktien.

Wie viel billig geliehenes Geld über die Weltfinanzmärkte vagabundiert, weiß niemand genau, nicht einmal die Notenbanken. Schätzungen reichen von 30 bis 330 Milliarden Dollar, die wiederum über Finanzderivate um ein Vielfaches nach oben gehebelt sein könnten. Drohen Finanzkrisen, Zinserhöhungen in Japan und ein steigender Yen, der die Kredite - in Euro gerechnet - verteuert, werden die Carry Trader nervös. Sie ziehen dann ihr Geld von der Börse ab, um ihre Yen-Kredite zu tilgen. Weil dann wieder Euro in Yen getauscht werden, zieht die japanische Währung weiter an und setzt die anderen Carry Trader noch stärker unter Druck; das kann eine extrem gefährliche Spirale in Bewegung setzen.

Die Gefahr: Wenn im großen Stil die Yen-Schulden zurück nach Japan fließen sollten, erwartet der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) Rodrigo de Rato ein "Abflauen der Weltwirtschaft" und "globale Ungleichgewichte". "Sollte der Yen weiter zulegen, zum Beispiel mit einer zehnprozentigen Erhöhung innerhalb weniger Tage, könnte dies zu einem weiteren Ausverkauf einer Palette von Risikoanlagen führen", bestätigt Tony Dolphin, Leiter Wirtschaft und Strategie bei Henderson Global Investors. Ohnehin sei es "unwahrscheinlich, dass technische Korrekturen bereits mit einem Tag vorüber sind. In der Regel gibt es mindestens zwei schärfere Einbrüche", warnt der Münchner Vermögensverwalter Jens Ehrhardt.

Gérard Piasko, Chefstratege der Bank Julius Bär: Wer den Aktienanteil an seinem Vermögen erhöhen wolle, sollte "in mehreren Schritten kaufen, nicht alles auf einmal." "Der zuletzt steigende Yen hat eindeutig gezeigt, dass in den vergangenen Tagen Yen Carry Trades aufgelöst wurden", sagt Elgeti. "Viele Investoren sind zu fast jedem Preis aus dem Risiko gegangen und haben sich mit der Brechstange abgesichert". Das war überall zu spüren. In Deutschland nicht nur im Dax, der Index der mittelgroßen Aktien MDax schmierte bis zu 8,2 Prozent ab, der SDax mit den noch kleineren Werten stürzte um elf Prozent, Technologiewerte im TecDax brachen um 11,1 Prozent ein. Und in den USA verzeichnete der Dow-Jones-Index mit einem Minus von 546 Punkten seinen größten Tagesverlust seit dem 11. September 2001. An der New Yorker Börse insgesamt wurden binnen Stunden 600 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung ausgekehrt. Einzelne Titel am deutschen Markt wie der Windkraftanlagenhersteller Nordex verloren 25 Prozent an Kurswert.

Kommentare zu " Geldanlage: Kater nach der Börsenparty"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%