Geldanlage
Kater nach der Börsenparty

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Sind Rohstoffe und die Aktien der Rohstoffkonzerne in dieser Situation eine Alternative? Der Preisauftrieb vieler Rohstoffe wurde in den vergangenen Jahren vor allem getragen vom Wirtschaftsboom im Reich der Mitte. Bei einer spürbaren Abkühlung der chinesischen Wirtschaft würde die Nachfrage nach vielen Rohstoffen nachlassen, befürchteten die Anleger nach dem Kursrutsch in Shanghai. Die Aktien wichtiger Förderer wie BHP Billiton oder Rio Tinto gehörten zu den größten Tagesverlierern am Dienstag. Viele Analysten warnen vor dem Platzen einer Rohstoffblase.

An den Rohstoffmärkten selbst, also nicht an der Aktienbörse, ist wenig zu spüren von Verkaufspanik. Der CRB-Rohstoffindex stieg kürzlich auf ein neues Allzeithoch. Der Index enthält 17 gleichgewichtete Rohstoffe von Energie über Agrar und Edelmetalle bis zu den Basismetallen. Zwar beförderte der bisherige Preisauftrieb die Erschließung neuer Vorkommen. Doch mit Blick auf historisch tiefe Lagerbestände zum Beispiel bei Nickel, Silber oder Weizen kann von einer Angebotsschwemme noch keine Rede sein. Zumal Unruhen, Streiks, Umweltauflagen und ein zunehmender Rohstoffnationalismus in wichtigen Förderländern geplante Projekte verzögern oder gar ganz verhindern. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs hält den scharfen Einbruch von Rohstoffaktien allein wegen eines Rücksetzers von meist überbewerteten chinesischen Festlandsaktien für übertrieben.

Auch für Zinsanleger haben die Turbulenzen an den Börsen Konsequenzen. Die Risikozuschläge zur Absicherung von europäischen Unternehmensanleihen schnellten um fast 18 Prozent in die Höhe. "Investoren haben hier kräftig eines auf die Mütze bekommen", sagt Bill Gross, international renommierter Anleihe-Experte und Manager von Pimco, dem größten Rentenfonds weltweit. Gross hatte erst in der Vorwoche den Barbestand seines 100 Milliarden Dollar schweren Total Return Fund von 26 auf 43 Prozent erhöht.

Die Kurse zehnjährige Bundesanleihen legten zu, die Rendite sank binnen drei Tagen um 16 Stellen auf 3,94 Prozent. US-Staatsanleihen profitierten noch deutlicher von der plötzlichen Suche der Investoren nach Schutz. Die Hoffnung: US-Notenbankchef Ben Bernanke werde die Leitzinsen senken und so neue kursrettende Liquidität in den Markt pumpen. Nachdem große US-Hypothekenbanken wie Fannie Mae wegen zunehmender Zahlungsausfälle bei Baudarlehen ihre Konditionen deutlich verschärft haben, sei die kurzfristige Anleihen-Rally als "eine starke Reaktion auf die Kreditverknappung" zu interpretieren, meint Experte Gross.

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