Geldanlage
Ohne Risiko, ohne Freude

Aktien im Abseits: Trotz Kurssteigerungen schrecken deutsche Anleger vor risikoreichen Wertpapieren zurück. Ihr ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich auch in der Geldanlage wider. Neben dem Sparbuch suchen Anleger die Sicherheit vor allem am Geldmarkt.

FRANKFURT. Es klingt wie eine Durchhalteparole: „Aktien sind Zukunft“, wirbt die Fondsgesellschaft Cominvest. Eine Studie der Commerzbank-Tochter habe ergeben, dass die Chancen für Aktien in Deutschland günstiger seien als angenommen. Der Mut zum Risiko der hiesigen Investoren, die sonst eher als risikoscheu gelten, sei ausgeprägter als gedacht. „Die Aktie kann in Deutschland den Stellenwert erlangen, der ihr beim Vermögensaufbau insbesondere mit Blick auf die Altersvorsorge zukommen sollte“, gibt sich Cominvest-Geschäftsführer Sebastian Klein optimistisch.

Bis dahin ist es allerdings ein gewaltiger Weg. Denn en vogue sind Aktien in Deutschland ganz eindeutig nicht. Obwohl die Baisse nach dem Platzen der New-Economy-Blase inzwischen fast fünf Jahre zurückliegt und der deutsche Börsen-Leitindex Dax sich seither mehr als verdreifacht hat, haben die deutschen Privatanleger ihre Skepsis gegenüber Dividendentiteln nicht abgelegt. Nach Daten des Deutschen Aktieninstituts (DAI) besaßen Ende des ersten Halbjahres 10,5 Millionen Deutsche Aktien oder Anteile an Aktienfonds. Das entspricht gerade einmal 16 Prozent der Bevölkerung und ist noch einmal weniger als Ende 2006, als 10,7 Millionen Deutsche Geld in Aktien oder Fonds liegen hatten.

Ein schwarzes Jahr war 2007 insbesondere für die Anbieter von Aktienfonds. Mehr als eine halbe Million Kunden verloren sie allein im ersten Halbjahr. Und die Mittelabflüsse am Fondsmarkt bewegten sich bis tief ins zweite Halbjahr hinein Monat für Monat im Milliardenbereich. Insgesamt haben deutsche Anleger im laufenden Jahr bisher knapp 14 Mrd. Euro aus Aktienfonds abgezogen.

Als Grund für die Flucht aus als riskant eingestuften Wertpapieren nennen Experten vor allem die Risikoaversion der deutschen Anleger: „Sie haben ein stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis, das sich in der Geldanlage widerspiegelt“, sagt Franz-Josef Leven vom DAI. Das bestätigte in der vergangenen Woche auch eine Umfrage des Marktforschers GFK, wonach rund 80 Prozent der Befragten Sicherheit über Rendite stellen.

Neben dem Sparbuch, das trotz des Zinsnachteils immer noch gut die Hälfte der Deutschen als Anlageform bevorzugen, suchen Anleger die Sicherheit vor allem am Geldmarkt. So landeten im laufenden Jahr erneut gewaltige Summen auf Tages- und Festgeldkonten. Auch Geldmarktfonds gerieten im ersten Halbjahr zu Verkaufsschlagern, ehe die Liquiditätskrise an den internationalen Kapitalmärkten und die Schließung einiger Fonds das Vertrauen der Anleger zerstörten.

Zusätzlich gestützt wurden Geldmarktanlagen durch steigende Leitzinsen, die es den Banken ermöglichten, attraktive Konditionen für Einlagen zu bieten. Zum Teil überboten sich die Institute auf der Jagd nach Kundengeldern in den vergangenen Monaten mit immer neuen Lockvogelangeboten. Bis zu 4,5 Prozent Zinsen bekommen Anleger bei einigen Anbietern auf ihr Tagesgeldkonto. Das ist mehr, als zehnjährige Bundesanleihen zurzeit als Rendite abwerfen.

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