Geldanlage: Online-Handel immer beliebter

Geldanlage
Online-Handel immer beliebter

Anleger, die günstig Aktien handeln wollen oder lukrative Zinsen auf Festgeld suchen, werden bei Direktbanken gut bedient. Wer die besten Konditionen hat.
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Im vergangenen Dezember war das Maß voll. Matthias Kager schäumt noch immer, wenn er an das letzte Beratungsgespräch bei seiner Frankfurter Hausbank denkt. Die Zinsen stiegen doch längst wieder, wieso man ihm noch immer nur 1,9 Prozent auf sein Festgeld zahle, hatte er seinen Berater gefragt. Der erkannte Handlungsbedarf - und offerierte Kager einen Geldmarktfonds, der 3,1 Prozent bringe. Noch höhere Zinsen woanders seien Lockvogelangebote, mahnte der Banker. Da hatte er Recht. Nur vergaß er, die bei seinem eigenen Geldmarktfonds fälligen Ausgabeaufschläge und Managementgebühren zu erwähnen. Kager ärgerte sich später so über die ihm verschwiegenen Kosten von immerhin 600 Euro, dass er das Fondsdepot schon wieder gekündigt hat - keine zehn Wochen nach der Eröffnung. Sein Bargeld parkt er jetzt bei einer Direktbank.

Mehr als 30 Millionen Deutsche nutzen diese Geldinstitute, wickeln ihre Geschäfte telefonisch oder online ab. Sie profitieren von günstigeren Konditionen für automatisierte Bankdienste wie Aktienhandel, Fondssparpläne oder Überweisungen. "Der Trend geht eindeutig zum Directbanking", beobachtet Peter Barkow, Analyst bei HSBC Trinkaus in Düsseldorf. Mehr als 80 Prozent aller Bankgeschäfte sind Standarddienste wie Überweisungen oder Wertpapierorders, die sich problemlos von zu Hause aus erledigen lassen. "Direktbanken können solche Dienste weit billiger anbieten als eine Filialbank", sagt Barkow.

Sie müssen keine Innenstadtmieten für Filialräume zahlen und haben im Schnitt jüngere Mitarbeiter, die im Callcenter oft nur halb so viel verdienen wie in der Filiale. Zudem haben sie kaum beratungsintensive Kunden, stattdessen die einträgliche Börsenklientel, die beratungsfrei mit Aktien oder Fondsanteilen handelt. "Damit sind aber auch die Grenzen der Direktbanken klar", meint Barkow, „Kunden, die Beratung für komplexe Produkte wie Riester-Rente, Hausbau oder Unternehmensfinanzierung brauchen, stoßen in den Callcentern an Grenzen." Zwar bemühen sich die Direktbanken, Beratung anzubieten. Doch "gute Berater sind derzeit absolut Mangelware", weiß Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim. Credit Suisse und UBS ködern ganze Teams, MLP bietet unüblicherweise sogar ein hohes Fixgehalt.

Und so bleibt der Bankenmarkt weiter zersplittert: "Die Deutschen werden zu einem Volk von Smart-Shoppern", hat Barkow beobachtet, "immer mehr Kunden picken sich den Anbieter mit den höchsten Zinsen für’s Festgeld heraus, haben ihre Baufinanzierung aber in der Filiale um die Ecke klargemacht; für Aktien wiederum nutzen sie einen günstigen Online-Broker." Weil es die beste Bank für alle nicht gibt, hat die Wirtschaftswoche die aktuellen Konditionen zu Aktien, Fonds und Zinsen der 13 wichtigsten Direktbanken zusammengestellt (siehe Tabelle im Special: Direktbanken im Vergleich). "Fast alle Broker haben ihr Angebot inzwischen um Girokonto, Kreditkarte oder Festgeld erweitert und bieten hier durchaus attraktive Angebote", weiß David Ernsting, Chef des Münsteraner Marktbeobachters Brokertest.de.

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