Geldanlage
Profis reiten auf der Welle

Gewinner-Aktien bleiben meist Gewinner, Verlierer bleiben Verlierer: Dass Anleger den Schwung (Momentum) einer Aktienkursentwicklung ausnutzen können, um ein Renditeplus zu erzielen, spiegelt sich in Börsenweisheiten schon lange wider.

DÜSSELDORF „Gewinnsträhnen ausnutzen und nicht zu früh abspringen“ , heißt es etwa bei einer Kursrally – auch wenn das Papier schon recht teuer erscheint. Die Erfahrung der Börsianer ist inzwischen wissenschaftlich untermauert. Wer die Gewinner der letzten Monate in sein Portfolio nimmt und gleichzeitig die Verlierer verkauft, kann ansehnliche Zusatzrenditen erwirtschaften, wie Experten aus Langzeitbeobachtungen errechneten. Diese „Momentumstrategie“ findet bei Fondsmanagern und Strategen immer mehr Beachtung.

Das Phänomen haben Finanzwissenschaftler in den USA und in Europa unabhängig voneinander festgestellt: Gewinneraktien bleiben tendenziell Gewinner, Verliereraktien bleiben tendenziell Verlierer. Auf dem deutschen Aktienmarkt haben seit 1973 die Gewinneraktien der abgelaufenen sechs Monate im folgenden Jahr um durchschnittlich 12,4 Prozent besser abgeschnitten als die Verliereraktien des zu Ende gegangenen Halbjahrs, wie Untersuchungen der Universität Mannheim ergaben. Auf ähnliche Ergebnisse waren zuvor die amerikanischen Finanzwissenschaftler Narasimhan Jegadeesh und Sheridan Titman gekommen. Die Experten führen den Effekt darauf zurück, dass Anleger auf neue Informationen erst zeitversetzt reagieren. Es dauert, bis eine Nachricht bekannt wird, und es dauert noch einmal, bis Anleger daraus Konsequenzen ziehen.

„Das Momentum berücksichtigen wir auf jeden Fall“, sagt Portfoliomanagerin Susan Levermann von der Fondsgesellschaft DWS. Es sei zwar nicht der wichtigste Faktor, aber besonders bei kleineren Titeln sei der Effekt beachtlich. „Am liebsten haben wir, wenn Momentum und Fundamentaldaten zusammenpassen“, sagt sie. Auch die Vermögensverwaltung Lingohr & Partner, die systematisch auf niedrig bewertete Aktien setzt und damit überdurchschnittliche Renditen erzielt, prüft derzeit, ob sie solche Erkenntnisse in ihrer Strategie berücksichtigen soll.

„Wir sind nicht weltfremd“, sagt Portfoliomanager Michael Broszeit von Lingohr. „Wir testen die Effekte des Preismomentums auch für unser Modell.“ Auch für Andreas Sauer von der Union Panagora Vermögensverwaltung ist das Momentum ein Auswahlkriterium. „Allerdings ist es nur ein Faktor von vielen“, sagt er. Sauer, der selbst Wissenschaftler ist, investiert nach „quantitativen Methoden“. Das heißt, er sucht seine Investments nur anhand von Kennzahlen aus und besucht die Firmen nicht. Damit hat er seit Ende 2001 den breiten europäischen Stoxx-600-Index um durchschnittlich 1,5 Prozent geschlagen.

Doch die Momentumstrategie hat auch Schwächen, räumt Martin Weber von der Universität Mannheim ein: Der Effekt sei bei den großen Standardwerten kaum ausgeprägt. „Deutlich ist er dagegen bei den mittelgroßen Titeln zu beobachten“, sagt Weber. Das fällt auch Fondsmanagerin Levermann auf. Die Puma-Aktie etwa sei lange Zeit auf einer Erfolgswelle geritten. Bei vielen Aktien dauerten solche Gewinnsträhnen mehrere Jahre.

Außerdem darf sich die Strategie nur auf mittelfristige Zeiträume beziehen. Entscheidend ist, welche Titel in den vergangenen sechs Monaten die beste und die schlechteste Entwicklung hatten. Wer dagegen auf den Anstieg der letzten drei Tage blickt und dann zugreift, läuft Gefahr, die kurzfristigen Korrekturphasen zu erwischen.

Weber von der Uni Mannheim empfiehlt eine Doppelstrategie: die Gewinner ins Portfolio nehmen, die Verlierer dagegen auf Termin verkaufen. „Wenn ich 50 Millionen Euro hätte, würde ich das sofort machen“, sagt er.

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