Geldanlage
Raus aus dem Risiko

Großanleger sorgen sich um die Folgen der Wachstumsschwäche in China. Sie fürchten die negativen Effekte auf die Weltwirtschaft und ziehen die Reißleine. Manches ist so wie während der Pleite der US-Bank Lehman.

FrankfurtAlle Investoren blicken auf den Donnerstag, denn an dem Tag steht der Zinsentscheid der US-Notenbank an. Es ist ein kritischer Tag. Wenn Chefin Janet Yellen tatsächlich handelt, dann würde sie zum ersten Mal seit knapp einem Jahrzehnt die Leitzinsen erhöhen – ein Meilenstein möglicherweise.

Doch ob es bereits am Donnerstag dazu kommt, ist unsicherer denn je. Die wichtigen Großinvestoren jedenfalls haben in sehr kurzer Zeit ihre Erwartungen geändert. Vor einem Monat glaubte jeder zweite Vermögensverwalter an eine zeitnahe Wende der Geldpolitik. Jetzt rechnet nur noch jeder vierte Investor damit. Das belegt die jüngste Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter internationalen Vermögensverwaltern, durchgeführt vom 4. bis 10. September. Es ist die wichtigste und aktuellste Befragung dieser Art.

Die Resultate offenbaren auch die Gründe für den markanten Stimmungswechsel. In kurzer Zeit haben sich die Konjunkturerwartungen eingetrübt, ebenso die Erwartungen an die Unternehmensgewinne, wird außerdem die Inflationsgefahr noch geringer als bisher schon eingeschätzt. Die Erwartungen für das globale Wirtschaftswachstum sind sogar so tief wie zuletzt vor drei Jahren.

Dreh- und Angelpunkt der Stimmungswende sind die Ereignisse in China. Die Großinvestoren haben das Platzen der Börsenblase an den Inlandsmärkten verfolgt, sorgen sich um das künftige Wachstum. Längst hat der China-Virus auf andere Schwellenländer übergegriffen und viele lokale Währungen abdriften lassen. Die Stürze des russischen Rubels und des brasilianischen Real sind lediglich die markantesten Beispiele. Asiatische Währungen wie der thailändische Baht oder die indonesische Rupiah sind ebenfalls auf Talfahrt.

In der Merrill-Umfrage sehen deshalb drei von vier Investoren in einer Rezession in China oder einer Schuldenkrise in den Schwellenländern das größte Risiko für die Finanzmärkte. Beim Thema „Großrisiko“ haben die Investoren die Situation in der Euro-Zone, das heißt deren Anspannung während der Griechenlanddebatte, gar nicht mehr auf dem Radarschirm. Kaum einer erkennt hier noch eine echte Gefahr für das globale Finanzsystem. Auch das illustriert den schnellen Stimmungswechsel in sehr kurzer Zeit.

Die Investoren haben die Konsequenzen aus der neuen Lagebeurteilung gezogen und ihre Depots angepasst. Sie haben ihre Aktienquoten auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren zurückgefahren. Die größte Schlagzeile macht hier erneut das China-Thema. Die Investoren haben ihre Aktienbestände in den Schwellenländern so weit gesenkt wie noch nicht einmal im heißen Finanzkrisenjahr 2008. Aus der Branchenbrille sind Titel aus den Sektoren Energie, Versorgung, Grundstoffe, Telekommunikation am wenigsten beliebt.

Spiegelbildlich erhöhten die Investoren ihre Barbestände. Die Cash-Quoten sind momentan so hoch wie sie es zuletzt bei der Pleite der Bank Lehman im Jahr 2008 waren. Im Zuge des Sicherheitsdenkens beginnen sich die Investoren auch wieder mit Anleihen anzufreunden. Ihre Bestände liegen zwar deutlich unter dem Durchschnitt der Vergangenheit. Doch sie sind jetzt wieder auf einem Niveau wie vor etwas mehr als zwei Jahren.

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