Geldanlage
Rein ins Risiko!

Jahrelang sind die Zinsen gesunken. Nun wendet sich das Blatt. Deutschland muss bald mehr für Schulden bezahlen. Manche prophezeien gar den Crash auf dem Anleihemarkt. Anleger, die nichts riskieren, haben schon verloren.
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Köln„Die Karawane zieht weiter!“ Wenn sie das hören, werden die meisten an Karneval denken, zumindest wenn sie aus Köln kommen. In den kommenden Tagen wird dieser Karnevalshit auf jeder Party im Umkreis des Doms gespielt werden. Garantiert. Die Jecken werden dazu schunkeln, klatschen, tanzen. Nur einer wird dabei auch ans Geschäft denken, an viel Geld: Bert Flossbach, Vermögensverwalter aus Köln. Genau das, was die „Höhner“ in ihrem Lied besingen, passiert seiner Meinung nach gerade an den Finanzmärkten: Die Karawane zieht weiter.

Was er damit meint, ist gar nicht so lustig, wie es klingt: Der Finanzmarkt ist mal wieder in Aufruhr. Auf der Suche nach Rendite ziehen die Investoren umher, suchen nach lukrativen Anlagemöglichkeiten. Halbwegs sichere Staatsanleihen werfen nichts mehr ab. Anleger dürfen froh sein, wenn sie nicht noch draufzahlen müssen. Auch die Schuldverschreibungen von guten Unternehmen bringen kaum noch etwas. Die Karawane habe dieses Feld schon weitgehend abgegrast, sagt Flossbach. Also geht es weiter

Nicht wenige Experten gehen davon aus, dass 2013 eine gewaltige Umwälzung begonnen hat, die über Jahre anhalten könnte. Anders als der Kölner mit seiner Karawane spricht man in den Finanzkreisen von London und New York von der „Great Rotation“, der großen Rotation. Gemeint ist damit aber so ziemlich das gleiche: Wer kein Geld verlieren will, muss raus aus sicheren Anleihen, rein ins Risiko.

„Der Countdown beginnt, wenn die investierbaren Anlagen zu viel Risiko für zu wenig Rendite bringen“, schreibt Bill Gross von Pimco in seinem monatlichen Investmentausblick. Der Manager des weltgrößten Anleihefonds, genannt „Bondkönig“, warnt vor einem Crash am Anleihemarkt, oder - wie er es ausdrückt - einer „Supernova-Kreditexplosion“.

In der Finanzkrise flüchteten Investoren in vermeintlich sichere Bonds, was deren Kurse steigen und die Renditen fallen ließ. Hinzu kam, dass Notenbanken die Zinsen künstlich niedrig hielten. Sie schafften den Zins praktisch ab, so dass Banken und Staaten günstiger an Geld kommen konnten.

Die Folge: Selbst länger laufende Staatsanleihen werfen nun so wenig Rendite ab, dass sie nicht mal eine Inflation von zwei Prozent ausgleichen, was real einen Vermögensverlust bedeutet. Jeder Vermögensverwalter hat deshalb Sorgenfalten auf der Stirn. „Investieren in einem Umfeld negativer Realrenditen funktioniert ganz anders. Wer nichts tut, verliert Geld“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der DWS, der größten Fondsgesellschaft in Deutschland.

Kommentare zu "Rein ins Risiko!"

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  • Welche Demokratie ? Welche Freiheit ?

    Wurden Sie gefragt, als die jeweiligen Regierungschefs der Nachkriegszeit die Schulden aufgenommen haben ?
    Wurden Sie gefragt, als der Euro eingeführt wurde ?
    Hatten Sie bei überhaupt mal bei was ein Mitspracherecht ? Bei was ?

    Was würde passieren, wenn es knallt ?
    Dann wird Frau Merkel ( oder wer auch dann am Ruder ist) die Augen nach oben verdrehen und sagen: "Hach, die bösen Griechen, und hach, Trichet und Draghi. Die haben einfach zuviel Geld gedruckt. Wir haben ja den Weidmann geschickt, aber der konnte sich da nie durchsetzen."
    ( So wie Peer die Augen nach oben verdreht und "Hach, die bösen Banken" sagt, wenn er kaschieren will, daß er nicht den Mumm gehabt hat "Nein" zu sagen.)

    Dann wird man vielleicht ein Kozessiönchen machen, den ESM abwerfen oder so. Aber die Parteiokratie bleibt unangetastet. Die Bürger werden enteignet, aber die, die uns das eingebrockt haben, regieren weiter.

    Was letztendlich vielleicht keine gute - aber nicht mal die allerschlechteste Variante ist. Denn man hört ja, daß Regierende bei innenpolitischen Problemen auch schon zu außenpolitischer Eskalation bis hin zum Krieg gegriffen haben, um an der Macht zu bleiben.
    Aber da wir ja notfalls die Eu-Strukturen doch noch zum Sündenbock machen können, bleibt uns das wahrscheinlich wenigstens erspart.

  • da wo die Karawane hinzieht wird es riesige Blasen geben.

    Anleihen, Imobillien, Aktien, Gold, Rohstoffe.

    Bei jedem Umzug geht ein Teil des Geldes im Durchschnitt verloren.

    Das geht so lange, bis die Geldblase weg ist...

    Ich persoenlich schaue mir das Ganze von der Seite an, und mische erst wieder mit, wenn sich die Wolken verzogen haben. Und wenn es 10 oder mehr Jahre dauern wird...

  • Natürlich wird die Karawane weiterziehen. Die meisten Investoren können nun noch Kursgewinne bei "Altanleihen" realisieren. Sie haben zu niedrigen Renditen ihr Geld geparkt und haben dann beobachtet, daß die Kurse wahnwitzigerweise immer weiter steigen. Nun können sie die Gewinne realisieren und müssen das Kapital in einer anderen Assetklasse unterbringen. Viel bleibt da zur Zeit nicht übrig: Rohstoffe, Aktien und Immobilien. Auf allen Märkten sind schon liquiditätsgetriebene Blasenbildungen zu beobachten. Für Privatanleger gilt: Wenn sie eine Rendite von mehr als 2% p.a. wollen, müssen sie heute schon einiges riskieren! D.h. selbst der Kapitalerhalt ist schwer zu schaffen! Von Kapitalvermehrung sollte man Abstand nehmen. Der Tipp mit Nestle und Co. ist deswegen problematisch, weil a l l e Vermögensverwalter unisono die gleichen Aktien empfehlen. Was wird das zur Folge haben? Also Leute: Viel Glück im Umfeld der finanziellen Repression, wir können es gebrauchen!
    @azaziel: Nach der Wahl werden ab dem 1.1.2014 heftige Steuererhöhungen auf uns zu kommen. Danach werden Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Fremdwährungen und Gold für Privatleute wird es nicht mehr so einfach geben. Wir haben noch etwa 12 Monate um die Weichen zu stellen ...

  • ... angewendeten Instrumente ist gross.

    Sollte es zum ganz grossen Crash kommmen, verlieren wir damit wahrscheinlich auch unsere Wirtschaftsordnung, unsere Demokratie und unsere Freiheit.

  • Es gibt aus der Staatsschuldenkrise keinen Ausweg mehr. Wenn private Anleger aus der Staatsfinanzierung aussteigen, ergeben sich folgende Probleme: 1) Die Zentralbanken muessten noch mehr Geld drucken um private Anleger zu ersetzen und Zinsen niedrig zu halten. Dieser Prozess laesst sich seit geraumer Zeit beobachten. 2) Wo soll eigentlich das Geld hinfliessen was man aus dem Verkauf von Staatsanleihen erloest? Die Aktien- Rohstoff- und Immobilienmaerkte koennen das gar nicht alles aufnehmen. Und die Schwellenlaender auch nicht. Trotzdem werden die Mitttel in diese Richtung fliessen. Auch das koennen wir bereits beobachten, aber noch nicht in dem Masse, wie von vielen Beobachtern erwartet.

    Insbesondere steigende Rohstoffpreise werden die Inflation anfachen. Es ist ein Irrglaube, wir koennten keine Inflation haben, weil die Nachfrage gering ist. Kein Unternehmer kann dauerhaft seine Produkte unter Kosten anbieten. Er passt zunaechst seine Produktion der sinkenden Nachfrage an und stellt sie schliesslich ganz ein. Sinkende Produktion bei gleichzeitiger Geldvermehrung wird die Inflation zum Galoppieren bringen.

    Dabei steigert die sinkende Produktion und das damit sinkende reale Steuereinkommen die Notwendigkeit zu weiterem Gelddrucken nur noch weiter. Einmal damit begonnen, kann man mit dem Gelddrucken nicht mehr aufhoeren. Das geht solange, bis das Geld seine wesentlichen Funktionen fuehrt und damit die Guetermaerkte zum Erliegn bringt.

    Ob man den Gang der Dinge mit “finanzieller Repression” aufhalten kann ist hoechst fragwuerdig. Man muesste praktisch die Marktwirtschaft abschaffen. Tendenzen hierfuer lassen sich ebenfalls bereits beobachten, wie beispielsweise die Verpflichtung finanzieller Institutione,n Staatsanleihen zu kaufen, oder die Aushebelung der Glaeubigerhaftung. Es wird weiter gehen mit Devisenkontrollen, Verbot von Edelmetallbesitz, Zwangsanleihen, Mietstopp und vielen anderen Mitteln. Die Zahl der bekannten und in der Vergangenheit schon angewendet

  • Es gibt keine risikofreien Anlagen!

    Haben wir gesehen bei span. und argent. Staatsanleihen. Spanien ist Weltrekordhalter für Staatsinsolvenzen, verfolgt von Argentinien.
    Rentenmarkt=Armenhausmarkt: Leute die ihr Geld eigentlich selber brauchen leihen es Leuten die eigentlich insolvent sind, und hoffen auf Rückzahlung!
    Alles über 0% Zins ist die Zitterprämie! Weil Staaten prinzipiell nicht wirtschaftlich agieren können.

    Jetzt werden die Staaten die Spargelder der eigenen Bürger kalt entwerten qua Inflation. Alle die in Geldanlagen gefangen sind haben verloren. Auch kapitalgedeckte Altersvorsorgeprogramme sind betroffen!

    Jetzt hilft nur noch Kant: "...wenn die erprobten Shemata nicht mehr funktionieren, hilft nur noch selberdenken..."

    Also selber Anlagen analysieren und nicht auf Leute vertrauen die nicht die Interessen der investierenden Bürger vertreten.

  • Jedem sollte die Stoßrichtung der Notenbanken
    klar sein - Schuldenabbau durch Vernichtung
    der Guthaben.

    Diabolische Abgründe tun sich auf!

  • ".....Wer kein Geld verlieren will, muss raus aus sicheren Anleihen, rein ins Risiko......"
    Dann verliert er oder sie halt eben ALLES!!
    Richtig, der hat dann bereits seinen Verstand verloren, und höchstwahrscheinlich Haus und Hof auch gleich verjubelt, wenn er oder sie denn Haus und Hof hatte.
    Seit wann verliert man denn Geld in sicheren Anleihen? Ja, der WERT des GELDES verliert, aber DAS GELD an sich doch nicht, oder??? Nur mit Risiko machen wir richtig Gewinn?? Es gefällt wohl den Herren Bangster und Zocker nicht so richtig, daß zumindest das "Fußvolk" noch weiß, wie man den Wertverfall des Geldes am meisten mindert. Na, dann noch viel Spaß mit Zertifikaten und schön in Holz und Kautschuk investieren, bringt ja 8 % bis 12 % ??
    8 % Brennholz und 12 % Gummi....

  • "Bereits vor zwei Jahren sagte er die Umschichtung von Anleihen in Aktien voraus."

    Bereits vor zwei Jahren? Das sind im Anlageuniversum Jahrhunderte!
    Besser gesagt: Die Voraussage von Hartnett war Mist.
    Und auch der Rat, auf dem Höhepunkt einer liquiditätsgetriebenen Hausse in Aktien zu investieren, wirft kein sonderlich gutes Licht auf die sogenannten "Experten". Übrigens auch nicht auf's HB, das solche gefährlichen Ratschläge unkritisch publiziert.

  • Gute Zusammenfassung!

    Sehe ich ähnlich! Wenn die Zinsen steigen sollten, werden Aktien uninteressant (Unternehmen haben höhere Zinskosten, machen weniger Gewinn). Gleichzeitig werden noch die Zinskosten für die Aktiengeschäfte auf Pump höher... - und schon "...fließt das Blut in den Straßen..." (auf den Aktienmarkt bezogen).

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