Geldanlage
Venture Capital: Guter Zeitpunkt für Einstieg

Der Zeitpunkt für eine Investition in Risikokapital ist günstig. Doch private Anleger müssen nach guten Angeboten lange suchen.

wiwo DÜSSELDORF. Die Sackgasse im rheinischen Mettmann trägt noch den einst ehrwürdigen Namen. Doch nach 135 Jahren verliert selbst die Gold-Zack-Straße als letztes Überbleibsel einer erfolgreichen Firmengeschichte ihren Glanz. Dietrich Walther hatte 1996 den ehemaligen Gummibänderhersteller aufgekauft und in eine der ersten deutschen börsennotierten Risikokapitalgesellschaften umgewandelt. Doch der Mann hat sich verhoben: Seit drei Wochen liegt das Schicksal des Traditionsunternehmens in den Händen eines Insolvenzverwalters - wie schon vor dem damaligen Aufkauf.

Der Niedergang von Gold-Zack ist nur ein Indiz für den dramatischen Einbruch am Markt für Investitionen in junge Unternehmen (Venture-Capital). Die ebenfalls börsennotierte TFG Venture Capital investiert nicht mehr in Startups, sondern konzentriert sich auf Käufe von Turn-around-Kandidaten. Europas Großunternehmen haben in den vergangenen drei Jahren ihre Gelder für kapitalhungrige Existenzgründer mehr als halbiert.

Dabei wäre nach Einschätzung von Experten im Prinzip jetzt ein guter Zeitpunkt, um in Venture-Capital (VC) - den Teil des Risikokapitals, der in die Gründung von Unternehmen fließt - zu investieren. „Wir dürften im ersten Halbjahr 2003 den Tiefpunkt des Abwärtszyklus’ im Beteiligungsmarkt erreicht haben“, sagt Rolf Christof Dienst von der Münchner VC-Gesellschaft Wellington Partners, die bei institutionellen Anlegern Risikokapital einsammelt. Und ein Blick in die Gründergeschichte zeigt, dass erfolgreiche Unternehmen meist nicht im Boom, sondern in der wirtschaftlichen Flaute entstehen. Apple oder Microsoft formierten sich nicht während der vorletzten High-Tech-Blase, die 1972 platzte, sondern kurz danach.

Hohe Gebühren verderben Rendite

Doch nach wie vor sind gute Angebote für Privatanleger Mangelware. Zu hohe Gebühren verderben selbst bei grundsätzlich guten Bedingungen zu oft die Rendite. „Anleger müssen sich die versteckten Gebühren mühsam zusammensuchen“, sagt Fondsexperte Stefan Loipfinger. Werbewirksam geht seit Jahren beispielsweise Marktführer MPC auf Tour. Wie die Konkurrenz wiederholt der Münchner Fondsinitiator gebetsmühlenartig, dass das Management nur in die besten, die so genannten Top-Quartile-Fonds, investiere. Dass dies fast ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht ist, weiß zwar jeder in der Branche. Doch potenziellen Investoren werden mit bunten Grafiken unverändert blumige Renditeträume projiziert. Die Realität: „Nur drei Prozent aller Fonds erwirtschaften dauerhaft eine Toprendite“, sagt Bruno E. Raschle, der mit seinem Schweizer Dachfonds Adveq mehr als eine Milliarde Euro an Risikokapital verwaltet.

Und die Einmalkosten fressen einen Großteil der Renditechancen auf. Mit MPC, BVT-CAM, RWB und HCI greifen vier von fünf der am Markt beworbenen Fonds beim Anleger zwischen 12 und 15 Prozent des eingezahlten Kapitals sofort ab. Nur der Private Equity Select I der Gesellschaft SVF liegt bei den Einmalgebühren unterhalb der Zehn-Prozent-Grenze. Doch SVF ist ein Frischling. Gerade einmal zwei Millionen Euro an Kapital zog der Fonds 2002 an. Zudem besteht die Gefahr, dass der Investor alten Wein in neuen Schläuchen kauft. Der Trick: Alte Beteiligungen an maroden Firmen werten die Manager nicht entsprechend der katastrophalen Marktentwicklung ab, sondern finanzieren sie mit Geldern aus neuen Fonds munter weiter - denn das Management verdient vor allem an den Einmalgebühren und weniger an Beteiligungsverkäufen.

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