Geldanlage
Was Anleger ihr gutes Gewissen kostet

Immer mehr Menschen möchten ihr Geld mit gutem Gewissen anlegen. Doch bislang profitieren vor allem Anlageberater oder Fondsmanager von dem Nachhaltigkeits-Trend. Privatanleger müssen sich mit Mini-Renditen begnügen.
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FrankfurtEs gab Zeiten, da war es selbst bekennenden Altlinken zu viel. Vor mehr als zwei Jahrzehnten sang sich Hannes Wader in seinem Klassiker „Ankes Bioladen“ den Frust von der Seele: „Ich kaufe ein Pfund Möhren, schrumplig, weich, mit Erde dran, die, wenn man sie nicht essen mag, zu Kringeln biegen kann.“

Nun lassen sich Biomöhren heutzutage optisch nicht mehr von konventionell erzeugten Möhren unterscheiden, und auch sonst sind umweltfreundliche Produkte allgegenwärtig: Jeder Kleinst-Supermarkt führt Bioprodukte neben konventioneller Ware. Und Kleidung aus Ökobaumwolle beherrscht die Laufstege.

Keine Frage, umweltbewusstes Handeln liegt im Trend. Großinvestoren wie Versicherungen und Pensionskassen haben den Zeitgeist längst erkannt und setzen verstärkt auf ökologische Produkte. Eine Umfrage der Fondsgesellschaft Union Investment aus dem vergangenen Jahr zeigt: Nur noch ein Drittel von insgesamt 218 befragten Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen, Banken und Großunternehmen beziehen überhaupt keine Nachhaltigkeitskriterien in ihre Investmententscheidungen ein. Und die Zahl schrumpft von Jahr zu Jahr deutlich.

Auch Kleinanleger wollen ihr Gewissen beruhigen, wenn sie Fonds und Zertifikate aus diesem Bereich kaufen. Auf mehr als elf Billionen Dollar hat sich das weltweite Anlagevolumen in den vergangenen fünf Jahren verdreifacht, haben die Experten von Axa Investment Managers gerade berechnet. Tendenz rasant steigend. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Renditen gewöhnlich niedriger sind als die von konventionellen Anlagen.

Doch nicht nur die Rendite lässt zu wünschen übrig. Wie Fondshäuser, Zertifikate-Emittenten und Vermögensverwalter den Begriff „gutes Gewissen“ definieren, bleibt ihnen selbst überlassen. Entsprechend willkürlich sind oft die Kriterien. Grundsätzlich gilt lediglich: Alles, was unter grünen, sozialen und ethischen Gesichtspunkten angelegt ist, definieren Anlageexperten als „responsible Investments“ – als verantwortungsvolle Geldanlage. Auch die Grundsätze der guten Unternehmensführung (neudeutsch Corporate Governance) fallen in diese Kategorie.

Auffällig dabei: Das Investieren in Umwelttechnik, grünen Strom, Brennstoffzellen und effiziente Gebäudetechnik ist vor allem ein deutsches Phänomen. „International ist der soziale Bereich führend, was den Zufluss an Investorengeldern betrifft“, sagt Matt Christensen, der bei Axa Investment Managers weltweit das Geschäft mit dem verantwortungsbewussten Investieren leitet. Sogar im Geschäft mit Immobilien hat der Begriff inzwischen Einzug gehalten.

Kommentare zu " Geldanlage: Was Anleger ihr gutes Gewissen kostet"

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  • Leider finde ich es auf die Schnelle nicht mehr, aber man kann einfach herausfinden, dass Prokon de facto ein Ponzi-Schema ist (ähnlich Maddoff), wenn man sich überlegt, welche Rendite ein Windpark nachhaltig erwirtschaften kann. Irgendwo gibts auch eine Webseite dazu. Bis dahin sei auf die Stiftung Warentest verwiesen, die aus anderen Gründen vor Prokon warnt:

    http://www.test.de/themen/geldanlage-banken/meldung/Prokon-Genussrechte-Windige-Werbung-1852031-2852031/

  • @ Deutelmoser1994

    Und was denken Sie wer tatsächlich die diversen Kriegsparteien finanziert, also auch Waffenkäufe und damit auch Splitterbomben und diverse Minen (ganz besonders nun auch Glasminen, die mit entsprechenden Sensoren nicht mehr entdeckt werden weil sie nicht magnetisch sind.

  • Für alle, die diesen Artikel gelesen haben, kann ich PROKON empfehlen. Seit 6 Jahren bekommen die Genussrechteinhaber 8 % ausbezahlt, 6 % sind garantierte. Nachdem wir alle mit unserem steigenden Strompreis das EEG finanzieren, ist es doch klüger, sich einen Teil wieder zurückzuholen.

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