Geldanlage
Was jeder Anleger im Depot haben sollte

Eine breite Streuung des Vermögens hat sich nicht nur in Krisenzeiten als gute Strategie bewährt. Ein Portfolio sollte sich aus fünf Teilen zusammensetzen - dabei sind Aktien auch in Krisenzeiten kein Tabu.
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FrankfurtHardy Rössner staunte nicht schlecht, als ihm eine seiner Stammkundinnen verkündete, dass sie ihr ganzes Geld an die Börse bringen will. Schließlich hatte die 82-Jährige ihr Vermögen, das auf 100.000 Euro gewachsen war, stets verantwortungsvoll verwalten lassen. Und nun stand sie mitten in der Finanzkrise vor seinem Schreibtisch und wollte alles in Aktien investieren.

Der Abteilungsleiter für das Privatgeschäft der Frankfurter Sparkasse hatte seine liebe Mühe, der Dame zu erklären, dass sie sich für die falsche Anlagestrategie entschieden hatte. Dabei ist das kein Einzelfall. Viele Deutsche wissen nicht, wie sie in Krisenzeiten investieren sollen. Zwar legen sie etwa elf Prozent ihres Einkommens beiseite. Doch häufig vernachlässigen sie eine einfache Grundregel. „Die Streuung der Investition ist entscheidend“, sagt Chris-Oliver Schickentanz, Anlageexperte der Commerzbank. „Anleger sollten ihr Portfolio aus fünf Teilen zusammensetzen: Rohstoffe, Immobilien, Aktien, Anleihen und Liquidität.“

Als sicher gilt den Deutschen vor allem eines: Gold. Viele Anleger lassen sich dabei vom mittlerweile rasant gestiegenen Preis nicht abschrecken und steigen ein. „Edelmetalle dürfen auf keinen Fall fehlen“, sagt Schickentanz. „Aber es sollte nicht nur Gold sein.“ Platin und Silber gehörten ebenfalls ins Depot. Das Problem: Zinsen gibt es dafür nicht.

Besser sind in dieser Hinsicht Immobilien in guten Lagen. Sie werfen auch in Krisenzeiten stabile Mieteinnahmen ab und gehören in jedes größere Portfolio, sagt Schickentanz. Dabei hängt es von den Bedürfnissen des Anlegers ab, ob offene oder geschlossene Fonds, eine Beteiligung oder eine komplette Immobilie die richtige Wahl ist.

Trotz der Unruhe an den Börsen sind auch Aktien kein Tabu. Das gesamte Vermögen darin zu investieren, sei jedoch die falsche Strategie. Konservativen Anlegern empfiehlt Schickentanz derzeit einen Aktienanteil im einstelligen Prozentbereich. „Man sollte erst wieder verstärkt in Aktien investieren, wenn sich der Index stabilisiert hat.“

Wer trotzdem zu Aktien greifen möchte, sollte genauer hinschauen. Ulrich Stephan, Global Chief Investment Officer der Deutschen Bank, rät zur Vorsicht bei zyklischen Werten. „Alles, was mit Konjunktur zu tun hat, kann gefährlich volatil werden.“ Sicherer als Automobil- oder Industriewerte seien Aktien aus der Pharma-, Energie- und Telekommunikationsbranche. „Entscheidend ist jedoch auch der Blick auf die nachhaltige Dividende. Sie kann mehr Rendite bringen als manche Staatsanleihe“, sagt Stephan.

Bei den derzeitig niedrigen Zinssätzen für sichere Anlagen ist das kein Kunststück. Bundesanleihen erfreuen sich anhaltender Beliebtheit, weil sie als krisensicher gelten. „Doch auch sie sind nicht völlig frei von Risiken“, sagt Stephan. „Die Inflation ist relativ hoch, die Zinsen gering.“ Auch Chris-Oliver Schickentanz warnt vor Staatsanleihen: „Die geringe Rendite wird von der Inflation aufgefressen und man erleidet einen realen Vermögensverlust.“

Der letzte Baustein im krisensicheren Portfolio ist die Liquidität: Wer flexible Reserven behält, kann auf plötzliche Entwicklungen am Kapitalmarkt reagieren – und bekommt zudem höhere Zinsen als bei mancher Anleihe. „Derzeit schlagen die kurzfristigen Tagesgeldkonten die Renditen der langfristigen Anlagen“, sagt Hardy Rössner von der Frankfurter Sparkasse.

Die Dame mit der plötzlichen Begeisterung für Aktien konnte der Anlageexperte in letzter Sekunde von ihren Plänen abbringen – kurz darauf rauschte der Dax in die Tiefe. Die Idee mit den Aktien hatte die Tochter. „Wenn sie das getan hätte, hätte sie einen Verlust von 30.000 Euro gemacht“, sagt Rössner. Das Beispiel zeigt: Egal, für welche Anlagestrategie man sich entscheidet – ein Gespräch mit dem Kundenberater kann nie schaden.

Kommentare zu " Geldanlage: Was jeder Anleger im Depot haben sollte"

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  • @fenfir: Ich hätte gern erlebt, wie groß das Geschrei gewesen wäre, wenn dieser Banker tatsächlich den Auftrag ausgeführt hätte.... Wenn das wirklich so passiert ist, hat er vollkommen richtig reagiert. Natürlich verdient eine Bank daran, wenn Depots gedreht werden. Es gibt aber anscheinend auch noch seriöse Vertreter dieser Zunft.

  • Sie können als "den" Satz folgen und bezeichenen sich gleichzeitig als "Deutschlehrer"? Ich wusste nicht, dass es so schlecht um unser Bildungssystem bestellt ist. Hat leider immer noch nicht geklappt bei Ihnen. Aber Kopf hoch, Sie haben noch ein paar Versuche, geben Sie einfach nicht auf!

  • Wer in 2 kurzen Sätzen 2 Rechtschreibfehler produziert, sollte besser nicht von Intellekt sprechen.

    "intellektuel", wird mit 2 ll`s geschrieben, und es muss richtig heißen, den (nicht "dem") letzten Satz...

    Macht nichts, klappt bestimmt beim nächsten Mal mit Ihrem Elaborat !!!

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