Geldanlage
Zinsen rauschen in den Keller

Auch im zweiten Jahr der Finanzkrise mussten Zinsanleger drastische Renditeeinbrüche verkraften. Vor allem die Konditionen für Tages- und Festgeld rutschten ab. Warum 2009 für Anleger doch kein verlorenes Jahr war und welche Bank Top-Konditionen bietet.
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DÜSSELDORF. Am Jahresende folgt die Inventur. Das gilt auch für Zinsanleger. Das Fazit fällt ernüchternd aus: Auch im zweiten Jahr der Finanzkrise müssen sie teils deutlich sinkende Renditen hinnehmen. "Dennoch konnten Anleger real, also nach Inflation, zufrieden sein, da es kaum zu Geldentwertung kam", resümiert Max Herbst, Inhaber der FMH-Finanzberatung.

Vor einem Jahr lag der EZB-Leitzins bei 2,50 Prozent. Der Zins, zu dem sich Banken untereinander für die Dauer von sechs Monaten Geld liehen (Euribor), lag bei drei Prozent, der Zins für tägliches Geld (EONIA) bei 2,34 Prozent. Aktuell notieren der Leitzins und der Euribor für sechs Monate bei einem Prozent und der EONIA sogar nur bei 0,35 Prozent. Die gesunkenen Zinsen beim Euribor und EONIA zeigen deutlich, dass die Banker sich untereinander wieder etwas mehr vertrauen.

Interessant ist: Während die EZB um 1,5 Prozentpunkte abgesenkt hat, gingen die beiden anderen Referenzwerte um jeweils zwei Prozentpunkte zurück. Dies hatte auch Auswirkungen für den Privatanleger, denn die Banken sind durch die bessere Geldversorgung im Bankenmarkt nicht mehr so sehr auf die Privatanleger angewiesen. In der Folge sausten die Zinsen nach unten.

Der Festgeldzins für sechs Monate ist von Ende 2008 bis Ende 2009 von 3,70 auf 1,13 Prozent abgestürzt und der Tagesgeldzins von 3,24 auf 1,24 Prozent. Der Sparbuchzins lag vor einem Jahr schon bei nur 1,09 Prozent und ging dennoch auf homöopathische 0,66 Prozent zurück.

Aus Sparersicht etwas besser sieht es bei den längerfristigen Geldanlagen aus. Für einen Sparbrief von fünf Jahren bekam man Ende vergangenen Jahres 3,92 Prozent. Jetzt sind es noch 2,92 Prozent. Und bei einer zehnjährigen Anlage sank der Zinssatz sogar nur von 4,17 Prozent auf 3,74 Prozent.

Die Umlaufrendite der Bundeswertpapiere sank im selben Zeitraum minimal von 2,92 auf 2,88 Prozent. Das lag daran, dass die Schulden der Bundesrepublik Deutschland inmitten der Finanzkrise vor einem Jahr als eine der sichersten Geldanlagemöglichkeiten der Welt galten. Folglich wurde der deutsche Staat quasi mit Geld überhäuft, weshalb die Bundesrepublik die Zinsen unten lassen konnte.

Was viele Sparer angesichts der niedrigen Zinsen leicht übersehen: Die Inflationsrate beträgt lediglich 0,4 Prozent, was letztlich gute Realverzinsungen ermöglichte. Besonders freuen können sich alle, die vor einem Jahr Festgeld für zwölf Monate beim damals besten Anbieter (Mercedes Benz Bank) zu 5,40 Prozent angelegt haben. Nach Abzug der geringen Inflationsrate sind fünf Prozent Realverzinsung für eine absolut sichere Geldanlage ein Spitzenergebnis.

Jens Hagen
Jens Hagen
Handelsblatt / Redakteur

Kommentare zu " Geldanlage: Zinsen rauschen in den Keller"

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  • Hätte der Kunde aber letztes Jahr das Kapital anstatt auf 1 Jahr eher auf 4 - 5 Jahre festgelegt, hätte er eine Rendite von ca. 4,5 % p.a. erwirtschaftet und müsste sich heute nicht auf 1 Jahr mit ca. 1,5 % p.a. zufrieden geben!

    "Gier frisst Hirn", auch bei festverzinslichen Anlagen!!

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