Geldpolitik der EZB Kein „Draghi-Effekt“ bei Dividenden

Die Gewinne der Unternehmen steigen, die Börsenkurse tun es ihnen gleich. Die Geldpolitik von Mario Draghi lässt die Wirtschaft in Europa wachsen. Doch die Vorstandschefs bleiben knauserig.
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Der Anteil des Gewinns, den die Unternehmen an ihre Aktionäre ausschütten, wird 2015 wohl so gering ausfallen wie seit fünf Jahren nicht mehr. Quelle: Reuters
Mario Draghi

Der Anteil des Gewinns, den die Unternehmen an ihre Aktionäre ausschütten, wird 2015 wohl so gering ausfallen wie seit fünf Jahren nicht mehr.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie Wirtschaft des Euroraums wächst unter den geldpolitischen Anreizen von Mario Draghi. Die Gewinne der Unternehmen steigen ebenso wie die Börsenkurse. Gleichwohl wird der Anteil des Gewinns, den die Unternehmen an ihre Aktionäre ausschütten, 2015 wohl so gering ausfallen wie seit fünf Jahren nicht mehr.

Bank of America Corp. schätzt, dass die europäischen Unternehmen dieses Jahr wahrscheinlich 30 Prozent ihres Cashflow für Dividenden und Aktienrückkäufe verwenden werden. Das ist der geringste Anteil seit 2010. Dabei dürfte nur ein Prozent für Aktienrückkäufe verwendet werden, schrieb die Bank in einem Bericht für Kunden.

Im Gegensatz zu den USA, wo fast doppelt so viel Geld zurückgegeben wird, sind die Vorstandschefs in Europa knauseriger wenn es um ihre Aktionäre geht – obwohl die liquiden Mittel der Unternehmen im Stoxx Europe 600 Index 2,2 Billionen Euro erreicht haben. Das ist so viel wie seit mindestens 2003 nicht mehr.

Carl Icahn steigt bei Netflix aus
Schon der Name Icahn verheißt Aktienbewegung
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Wenn der Name Carl Icahn fällt, ist Aufruhr an der Börse programmiert. Schon eine leise Erwähnung des Star-Investors kann einer Aktie zum Höhenflug verhelfen, oder sie zu Boden sinken lassen. Der Grund: Icahn ist ein äußerst aktiver Investor, der nicht davor zurückschreckt, sich mit Vorständen öffentlich über die Strategie zu streiten.

So profitierte die Online-Kontaktbörse LinkedIn von seinem Namen. Der Investmentblog valuewalk.com meldete, dass Icahn sein Portfolio um die Aktien des Online-Dienstes erweitern wolle. Sofort schossen die LinkedIn-Papiere um bis zu 3,6 Prozent nach oben auf 205 US-Dollar pro Aktie.

Gewinn mit Netflix
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Ein Händchen für ein lohnendes Investment hat Carl Icahn beim Kauf des Online-Videodienstes Netflix bewiesen. 2012 kaufte der Milliardär die Aktien des Online-Streaming-Dienstes für gerade einmal 53 US-Dollar das Stück. Ende 2013 verkaufte der Investor die Hälfte seiner Aktien für das Siebenfache und machte damit rund 800 Millionen Dollar Gewinn. Am 24. Juni 2015 verkündete er per Twitter, seine letzten Aktien verkauft zu haben. Der Netflix-Kurs an diesem Tag: 690 Dollar.

Er begründete den Ausstieg damit, dass ein Technologiekonzern heute die gleichen Chance wie beim damaligen Einstieg Netflix. Der Technologiekonzern sei ...

Apple
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... Apple. Im Juni 2015 kostet ein Anteilsschein des iPhone-Herstellers 129 US-Dollar. Hoffnungslos unterbewertet sei das, beschwert sich Icahn immer wieder. Er traut Apple zu, ein Marktvolumen von zwei Billionen Dollar zu beherrschen und schätzt den Wert des Konzerns auf 1,4 Billionen Dollar – das ist doppelt so viel wie die Marktkaptialisierung Mitte 2015.

Der Invesotr hält nach eigenen Angaben 53 Millionen Apple-Aktien im Wert von rund 6,8 Milliarden Dollar und ist einer der zehn größten Aktionäre des IT-Konzerns. Sein Wort hat Gewicht: Auf Druck von Icahn stockte Cook bereits das in 2014 aufgelegte, schuldenfinanzierte Aktienrückkaufprogramm von 90 Milliarden auf 140 Milliarden Dollar auf und hob die Dividende um elf Prozent an.

Der Schreck von Tim Cook
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In der Branche ist Carl Icahn dafür bekannt, dem Kurs der einen oder anderen Aktie lautstark auf die Sprünge zu helfen – meist zum großen Ärger der Konzernmanager. Den Druck auf Apple-Chef Tim Cook (links) hatte er per offenem Brief erhöht.

Paypals Split von Ebay geht auf Icahns Konto
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Eine weitere Schlacht hat der Investor im Jahr 2014 gewonnen. Damals zwang er den Ebay-Chef John Donahoe in die Knie und erwirkte die Abspaltung des Online-Bezahldienstes PayPal sowie den Rücktritt des CEOs.

PayPal sollte im zweiten Halbjahr 2015 an die Börse gebracht werden. Der größte Profiteur des Deals ist wohl Carl Icahn selbst. Laut der amerikanischen Börsenaufsicht hält er rund 30 Millionen Ebay-Aktien.

Der Hauptgewinn gehört dem Großinvestor
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Für die Aktionäre mag der Verkauf von PayPal günstig sein. Der Wert des Unternehmens wird von Analysten auf rund 60 Milliarden Dollar geschätzt. Das Unternehmen hat ein Geschäftskonzept, um das sich Internet-Giganten Apple und Google reißen. Somit ist ein Zusammenschluss mit einem der Großen nicht ausgeschlossen – und für die Aktionäre profitabel.

Weniger profitabel ist der Börsengang für viele Mitarbeiter von Ebay. Das Unternehmen kündigte an, im Vorfeld des PayPal-IPOs 2400 Mitarbeiter – rund sieben Prozent der gesamten Belegschaft – zu entlassen.

Anlage-Flopp
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Doch auch ein Starinvestor kann eine Chance verpassen. Denn die erste Hälfte seiner Netflix-Aktien hatte er noch vor einem großen Kurssprung der Papiere verkauft. Icahns Sohn, Brett, der ebenfalls Investor ist, machte da den besseren Deal. Anders als sein Vater behielt er die günstig gekauften Netflix-Papiere.

„Die Unternehmen werden sicherlich abwarten, um sicher zu gehen, dass die Erholung real ist, bevor sie zu Aktionärsausschüttungen wie in der Zeit vor Lehman zurückkehren”, schrieben die Analysten um Barnaby Martin und Manish Kabra. Hohe Arbeitslosenzahlen und geringes Lohnwachstum würden von Aktienrückkäufen abschrecken, zumal die Politiker eine Debatte angezettelt hätten, dass Unternehmen mehr Zurückhaltung bei Ausschüttungen an Aktionäre zeigen sollten, hieß es weiter.

Prognosen zufolge wird die Wirtschaft des Euroraums in diesem Jahr um 1,5 Prozent wachsen – so viel wie vier Jahre nicht mehr – und die Gewinne der Unternehmen werden laut Schätzungen von Analysten um 5,4 Prozent steigen.

„Jeder hat immer noch 2008 im Hinterkopf”, sagt David Hussey, Leiter Aktien Europa bei Manulife Asset Management in London. „Alles was man auf Unternehmenssitzungen hört, dreht sich um Restrukturierung, Kostensenkungen, Schuldenniveaus.” Die Investoren seien alle pessimistisch und dies führe nicht dazu, dass die Vorstände großzügig Geld verteilen wollten.

Doch die Analysten von Bank of Amerika machen den Aktionären Hoffnung. 2016 werde wahrscheinlich das Jahr sein, in dem sie ihre Revanche bekommen.

Draghi: Alles läuft nach Plan

  • Bloomberg
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