Geschäft mit sinkenden Kursen
Kühler Rechner – hitziger Kreuzritter

Die Strategie von David Einhorn, Chef des Greenlight-Capital-Hedge-Fonds, ist einfach, aber riskant. Einhorn macht Gewinn mit sinkenden Kursen, verzockt hat sich der 39-Jährige noch nie. Auch auf die Lehman-Pleite hat er gewettet - und gewonnen.

FRANKFURT. Er ist Optimist, sagt er über sich. Und klingt dabei meist gut gelaunt. Andere würden David Einhorn anders beschreiben - als einen Krisengewinnler vielleicht. Als einen, der aus anderer Leute Unglück Kapital schlägt. Denn der Chef des Greenlight-Capital-Hedge-Fonds macht Gewinn mit sinkenden Kursen. So wie Ende vergangenen Jahres bei Bear Stearns und Lehman Brothers.

Was er macht, ist einfach, aber riskant: Short-Seller wie Einhorn leihen sich gegen Gebühr Aktien, solange der Kurs oben ist, zum Beispiel bei 100 Dollar. Dann verkaufen sie die Papiere weiter, erwarten aber, dass der Kurs fallen wird, zum Beispiel auf 50 Dollar. Passiert das, kaufen sie die gleiche Anzahl Aktien billiger auf dem Markt ein, geben sie dem Verleiher zurück und verdienen an der Preisdifferenz abzüglich Leihgebühr. Verzocken sie sich und die Kurse steigen, wird es teuer.

Aber der gelernte Politikwissenschaftler Einhorn hat seine Wetten bisher stets gewonnen. Lehmans Insolvenz bestätigt seinen guten Riecher und seine Akribie, wenn es um Unternehmenswerte geht, erneut auf spektakuläre Weise. Wie viel Gewinn ihm die Kurse im Sinkflug brachten, ist ein gut gehütetes Geheimnis. Bekannt ist nur so viel: Im Durchschnitt soll Greenlight in den vergangenen zehn Jahren eine durchschnittliche Rendite von 25 Prozent pro Jahr gemacht haben.

Prophet in eigener Sache

Ein typischer Zocker ist der 39-Jährige aber nicht, auch wenn er 2006 beim Welt-Pokertunier immerhin zu den 18 besten Spielern zählte. Einhorn ist eher eine Mischung aus kühlem Rechner und hitzigem Kreuzritter. Einer, der schon auf der Highschool in Mathe glänzte, aber trotzdem keine Spitzennoten nach Hause brachte, weil er seine Energie lieber in den Debattierclub investierte. Ähnlich macht er es heute: Die rund sechs Milliarden Dollar, die sein Hedge-Fonds verwaltet, steckt er vor allem in Unternehmen, die er mag.

Gegen die anderen wettet er, und er wird besonders sauer, wenn er Bilanzungereimtheiten wittert. Wie vor sechs Jahren beim Finanzdienstleister Allied Capital, dem warf er vor, Verluste klein gerechnet zu haben. Das Unternehmen schlug zurück, bezichtigte Einhorn der Kursmanipulation und hetzte ihm die Börsenaufsicht auf den Hals. Einhorn konterte mit einem Buch über den Konflikt und sah sich im vergangenen Sommer bestätigt: Da hatte sich der Allied-Capital-Kurs binnen zwölf Monaten halbiert.

Doch Einhorn war zu der Zeit längst mit Lehman beschäftigt. Im Oktober, als die Krise vielen Instituten Kopfschmerzen machte, wetterte er gegen die Wall Street: nannte das Verpacken von Ramsch-Hypotheken eine "mittelmäßige Idee", beschimpfte Ratings als Witz und warf Investmentbanken, namentlich Bear Stearns und Lehman, zu viel Risiko und zu wenig Transparenz vor. Im Frühjahr nahm er Lehmans Quartalsergebnisse auseinander, wies auf Lücken hin und wurde als "Amateur" verlacht. Dann musste die Investmentbank fast drei Mrd. Dollar Verluste im zweiten Quartal einräumen, und Einhorn avancierte zum angesehenen Experten. Und zum Propheten in eigener Sache: "Ich werde diese Wette durchhalten. So lange, bis ich bewiesen habe, dass ich recht habe", hatte er damals geschworen. - Jetzt hat er gewonnen.

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