Global Wealth Report: Deutschland hat Nachholbedarf

Global Wealth Report
Die fetten Jahre sind vorbei

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Deutschland hat Nachholbedarf

Doch auch wenn die Menschen damit in der Tendenz reicher werden, bleibt das Vermögen ungleich verteilt: So besitzen rund zwei Drittel der Weltbevölkerung weniger als 7000 Euro Netto-Geldvermögen. Andererseits konzentrieren bei den zehn Prozent reichsten Menschen der Welt 77 Prozent des Welt-Geldvermögens. Immerhin: Die kleine Gruppe Reicher besaß vor nicht allzu langer Zeit noch mehr als 90 Prozent des Geldvermögens, wie die Allianz betont.

In Europa ist die Vermögensentwicklung zuletzt wenig positiv verlaufen. Vor allem Länder wie Italien und Frankreich sind in der Statistik zuletzt deutlich nach hinten gewandert. Beim Brutto-Geldvermögen rangieren sie nur noch auf den Plätzen 15 und 16, nach den Plätzen 6 und 9 im Jahr 2000. Das zeigt, wie sehr die beiden Länder unter der schwachen Entwicklung der Wirtschaft und der Börsen leiden.

Deutschland reiht sich sogar hinter ihne ein und liegt mit einem Brutto-Geldvermögen von 67.980 Euro pro Kopf weltweit auf Platz 20. Nach Abzug der Schulden rangiert Deutschland etwas besser auf Rang 18, weil sich die Haushalte trotz des Zinstiefs mit der Aufnahme von Krediten zurückhielten.

Hierzulande besitzt die Vermögensmittelschicht‎ mit knapp vierzig Prozent des gesamten Netto-Geldvermögens allerdings relativ wenig, wie die Allianz feststellt. Das liegt laut Heise vor allem an den Folgen der Wiedervereinigung. In die Statistik fließen aber Immobilienvermögen nicht ein, auch nicht die Anwartschaft auf die gesetzliche Rente. Letzteres lasse die Deutschen ärmer wirken als Menschen aus Ländern mit kapitalgedeckter Altersvorsorge wie der Schweiz und den USA, betont Heise.

Unangefochtene Spitzenreiter unter den mehr als 50 untersuchten Ländern sind nach wie vor die Schweizer mit einem Brutto-Geldvermögen von 260.800 Euro pro Kopf im vergangenen Jahr. Auch in der Netto-Betrachtung liegt die Schweiz mit 170.590 Euro vorn. Das geringste Geld-Vermögen besitzen demnach brutto die Ukrainer mit 845 Euro pro Kopf und netto die Kasachen mit 613 Euro. Im Durchschnitt liegt das Pro-Kopf-Vermögen weltweit brutto bei 31.068 Euro, netto bei 23.330 Euro.

Deutsche Sparer verschenken in der Niedrigzinsphase zu viel Geld, wie Heise anmahnt. So ergibt eine Simulation der Allianz: Hätten die börsenscheuen Deutschen in den vergangen vier Jahren zehn Prozent weniger in Bankeinlagen angelegt und stattdessen je zur Hälfte auf Aktien oder Investmentfonds verteilt, hätten sie pro Jahr einen Prozentpunkt mehr Rendite erzielt. Das hätten ihnen eine zusätzliche Vermögenseinnahme von rund 200 Milliarden Euro beschert.

Ein Vergleich der realen Vermögensrenditen in der Euro-Zone der vergangenen vier Jahr zeigt denn auch, dass die Deutschen mit die schwächsten Renditen erzielen. Nur die Österreicher schneiden nach Berechnungen der Allianz noch schwächer ab. So erreichten die Deutschen eine reale Rendite von 2,3 Prozent im Jahr, die Österreicher sogar nur einen Prozent. Nachbarn wie die Franzosen, Italiener oder Niederländer strichen dagegen mehr als drei und über vier Prozent im Jahr ein. Die Finnen und die Griechen erreichten sogar um rund sieben Prozent reale Rendite im Jahr.

Die Allianz erklärt diese Unterschiede mit dem besonders vorsichtigen Sparverhalten der Deutschen und offenbar auch der Österreicher: Sparen entpuppe sich daher für viele Deutsche vor allem als Geldparken und nicht als investieren. In diesem Zusammenhang kann sich die Allianz auch eine wachsenden Unzufriedenheit in der breiten Bevölkerung vorstellen, denn es seien vor allem vermögende Haushalte, die in Aktien investiert seien – und damit Kapitalmarktrenditen erzielen. Das Votum der Briten, die EU zu verlassen - mahnen die Allianz-Ökonomen, sollte auch vor diesem Hintergrund gesehen werden.

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Kommentare zu " Global Wealth Report: Die fetten Jahre sind vorbei"

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  • @Frau Annette Bollmohr

    Ich wollte damit nur zum Ausdruck bringen, dass die Elite da sicherlich weiter profitieren wird.

    Sicherlich. Die fetten Jahre gab es nie für den großen Teil der Menschheit....

  • @Frau Pia Paff, sollen wir jetzt beeindruckt oder neidisch sein ?

  • @Herr Jürgen Mücke, 21.09.2016, 16:34 Uhr

    "Das stimmt die fetten Jahre sind vorbei....
    Also für 99 Prozent der Menschen"

    99 Prozent der Menschen sollen "fette Jahre" hinter sich haben?
    Wo leben Sie?

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