Gold und Cash

Die Dagobert-Duck-Strategie

Niemand ist reicher als Dagobert Duck. Heute feiert der Erpel aus Entenhausen seinen 65. Geburtstag. Was Sparer von dem alten Geizhals lernen können – und welche Rolle Warren Buffett und George Soros dabei spielen.
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Dagobert Duck: "Beim Geld hört der Spaß auf!" Quelle: ap

Dagobert Duck: "Beim Geld hört der Spaß auf!"

(Foto: ap)

DüsseldorfÜber Tote und Geburtstagskinder redet man eigentlich nichts Schlechtes. Bei Dagobert Duck, der heute 65 Jahre alt wird, wollen wir eine Ausnahme machen – eine kleine zumindest. Peter Bofinger, Wirtschaftsweiser und eigentlich ein leiser Mann, sagte neulich über den Erpel aus Entenhausen, dass er dessen Strategie, nämlich immer mehr Geld und Gold zu horten, für höchst gefährlich halte. Der Ökonom forderte gar, es müsse „Schluss sein mit Dagobert-Duck-Deutschland“! Sofort! Der Erpel sei die „personifizierte Liquiditätsfalle“, berichtete Bofinger unseren Kollegen von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Unter Wirtschaftswissenschaftlern ist das eine veritable Beleidigung. John Maynard Keynes, der legendäre britische Ökonom, hatte das Phänomen der „Liquiditätsfalle“ bereits vor vielen Jahrzehnten  beschrieben. Was er meinte, ist eigentlich recht schnell erklärt: Vermögende horten ihr Geld, weil es aus ihrer Sicht keine lukrativen Anlagemöglichkeiten mehr gibt. Dem Wirtschaftskreislauf wird somit Geld entzogen, mit der Folge, dass Unternehmen weniger investieren und die Zahl der Arbeitslosen steigt. Die Armen werden ärmer, die Reichen am Ende noch reicher.

Ist Duck aus ökonomischer Sicht ein Schmarotzer? Den Erpel dürften die Vorhaltungen nicht weiter stören. Aus Finanzkrisen heißt es, er bade, wie er das eigentlich immer tue, auch an seinem Ehrentage in seinen Talern. Von Wirtschaftswissenschaftlern, zumal aus Europa, lasse er sich nicht belehren.

„Ich kann niemand leiden und mich kann auch niemand leiden“, hatte Duck vor geraumer Zeit in einem Interview mit dem Mickey-Maus-Heft gesagt. Deswegen liege ihm Weihnachten auch nicht so sehr. Für Geschenke braucht er kein Geld aus zu geben. Das schont das Portemonnaie.

Bei Investoren ist das Geburtstagskind, anders als bei manchem Ökonom, derzeit jedoch wohlgelitten. Ducks Anlagestrategie, die darauf basiert, all seine Besitztümer, das sind vor allem Bargeld und Goldmünzen, in einem riesigen Tresor-Speicher zu horten, ist vielen nicht unsympathisch. „Geld auf Bankkonten ist nicht mehr als ein Versprechen der Bank, echtes Geld herauszurücken, wenn man es wieder haben möchte“, sagt der Buchautor Dirk Müller. „Daher gilt Dagoberts Motto: Nur ungern nimmt der Handelsmann statt barer Münze Plastik, also Kreditkarten, an.“

Wie Buffett oder Soros
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16 Kommentare zu "Gold und Cash: Die Dagobert-Duck-Strategie"

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  • Heilige Einfalt. Wer glaubt den ernsthaft, dass Buffett 40 Milliarden Dollar in bar gehortet hat ? Im Safe, oder was ? Das wird ja immer bescheuerter hier.

  • @Brasil
    also ich lese lieber mal über Dagobert Duck als ständig über solche "Wohltäter" und selbstlosen Gurus wie Warren Buffet, Soros etc... Nicht nur weil ich den Dagobert viel sympatischer finde, nein, da merkt wenigsten auch JEDER, daß der betreffende Artikel nicht ernstzunehmen ist.

  • Sollte Herr Bofinger tatsächlich gesagt haben, dass Dagobert Duck die personifizierte Liquiditätsfalle sei, so muss ich dem heftigst widersprechen.
    1. Gold ist ein Sachwert. Irgendwer muss es ja halten, wenn es nicht im Boden steckt. Damit ist dem Kreislauf kein einziger Cent entnommen.
    2. Der Umkehrschluss wäre, dass man nicht sparen solle, sonst würde man der Wirtschaft schaden. Eine Aussage, die gerade für einen Wirtschaftsweisen alles andere als weise ist. Der alte Spruch "spare in guten Zeiten, damit du in schlechten hast" sollte meines Erachtens erst genommen werden!
    3. Einzig die WirtschaftsKONZERNE haben interesse daran, dass ständig neue Güter gekauft werden. Und zwar um deren Profit zu steigern und -- aktueller Trend -- Offshore zu bunkern.
    4. Ein Mensch, der keine Reserven hat ist unfrei. Er ist sein eigener Sklave und eine Marionette eines grösseren Systems. Der Staat liebt unfreie Marionetten -- es stärkt seine Macht!
    5. Ein Kilo Gold ist heute ein Kilo Gold und morgen ein Kilo Gold und war gestern ein Kilo Gold. Auch Hr Duck wird nicht reicher, indem er x Kilo Gold hält. Nur: Das Geld verliert mit der Zeit an Wert!
    6. Frage: Wer ist der grösste private Immobilienbesitzer in Deutschland? Antwort: Die Kirche! Frage: Zahlen die Steuern?

  • Jetzt wird Bofinger endlich konkret (Ironie!).Nachdem er uns in den vergangenen Jahren überzeugen wollte, dass die Rettungsschirme für bankrotte EU-Staaten sinnvoll wären und Schuldenmachen kein Problem. Dass er jetzt zur Küchenökonomie wechselt, ist folgerichtig. Jeder Ökonom weiss, dass Liquidität keine geeignete Zielgrösse ist. Bofinger offenbar noch nicht.

  • "Dem Wirtschaftskreislauf wird somit Geld entzogen"
    So ein Unsinn !
    Das Geld ist immer noch da, es "kreisläuft" nur nicht, wenn es dafür keinen Anlaß gibt.
    Muß es denn unbedingt "kreislaufen" ?
    Der "Kreislauf" ist doch nur das Resultat von Interessen und Interessenausgleich.
    Und wer bezahlt, bestimmt die Musik ( wenn er denn welche will )

  • Alles Gute zum 65. Herr Duck & weiter so.
    Gold & Silber Ahoi

  • Wie wahr. Verglichen mit unseren kriminellen Politikern sind die Panzerknacker die reinsten Waisenknaben.

  • Nur das Symptom beschreibt "John Maynard Keynes, der legendäre britische Ökonom, hatte das Phänomen der „Liquiditätsfalle“ ...", denn
    das Vermögen von Dagobert Unternehmer wächst und das verfügbare Einkommen der Arbeitnehmer sinkt so die Realität, das ist ein "Räuber - Beute" System.

    Fehlt das Einkommen (Beute), sinkt die Nachfrage, lohnt sich keine Investition, denn jetzt freie Liquidität zu investieren bringt keinen zusätzlichen Ertrag. Die Folge sind Insolvenzen, denn fehlt ausreichend Beute (Einkommen) müssen die Größe und Anzahl der Räuber (Unternehmen, Staat) so lange schrumpfen, bis sich die Beute (Arbeitnhemer) finanziell wieder erholt.

    Helfen würde ein angemessenes Einkommen und ganz bestiummt nicht deren Kürzung um zu sparen.

  • Dass Vermögen bedroht sind ist richtig und eigentlich unveräußerliche Grundlage des Kapitalismus.

    Weil aber das den Vermögenden nicht schmeckt, gibt es den Lobbyismus, der Regierungen eher planwirtschaftliche Ansätze aufdrängt, die letztlich Vermögen sichern sollen, wie Fürstentümer.

    Verschuldete Staaten bedeuten sichere Einnahmen für Vermögende. Zumal, wenn es denn mal schiefgeht, der Staat die Bankschulden absichert und dem Steuerzahler aufbürdet.

  • @abc: ein Punkt wurde vergessen:
    Dagobert ignoriert die Wirtschafts- und Anlagemagazine, insbesondere die deutschen. Sollte er einmal zufällig auf eine der kostenlosen Online-Ausgaben stoßen, so nimmt er dies zum Anlaß, das Gegenteil von den dortigen Empfehlungen zu tun.

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