Goldman Sachs: „Die Krise muss sich erst noch mal verschärfen“

Goldman Sachs
„Die Krise muss sich erst noch mal verschärfen“

Der Optimismus der Goldmänner für das Jahr 2012 ist gebremst. Sie rechnen mit fundamentalen Richtungsentscheidungen. Die Lage der Euro-Zone sei ernst, aber der Einsatz der EZB und die Konjunkturerwartungen ließen hoffen.
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FrankfurtDie Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos – so lässt sich der Ausblick der Analysten von Goldman Sachs für das Jahr 2012 zusammenfassen. Zwar erwarten die Bank-Strategen dieses Jahr für das weltweite reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein geringeres Wachstum: 3,2 Prozent statt 3,8 Prozent wie im Vorjahr. Für 2013 prophezeien sie aber schon wieder einen Anstieg um 4,1 Prozent.

Zumindest für dieses Jahr sind die Goldmänner damit pessimistischer als die breite Masse der Analysten, denn die erwarten für 2012 weltweit immerhin ein Wachstum von 3,4 Prozent. Auch für die Euro-Zone sind die US-Banker zurückhaltender, sie erwarten einen Wachstumsrückgang von 0,8 Prozent (Konsensus: minus 0,1 Prozent).

„Es wird unterschätzt, wie sehr der Euro nach wie vor von allen unterstützt wird“, sagte Dirk Schumacher, Europa-Chefvolkswirt bei Goldman Sachs auf der „Global Strategy Conference“ in Frankfurt. Und es werde unterschätzt, was die Europäische Zentralbank (EZB) bereits getan habe, um zu verhindern, „dass ein Euro-Land Pleite geht und der Euro in ernste Schwierigkeiten“ gerate. Was fehlt, sei jedoch eine politische Einigung auf einen Fiskalpakt.

Um diese zu erreichen, müsse sich die Krise erst noch mal verschärfen, befürchtet Schumacher. „Der Druck muss größer werden, damit es auf dieser Ebene eine nachhaltige Einigung gibt." Erst wenn das geschehen sei, könne das System wieder stabilisiert werden und man könne dafür sorgen, dass einzelne Länder ihre Reformen umsetzen. Insbesondere die Strukturreformen in den Peripherieländern bräuchten jedoch Zeit und in den nächsten Jahren werde weiter das Risiko bestehen, dass die Länder ihre Reformen nicht durchhalten.

Trotzdem gibt es auch gute Nachrichten: „Der globale Industriezyklus scheint sich zu stabilisieren“, sagte Schumacher. Die Daten seien besser als erwartet. Außerdem habe es im vergangenen Sommer zwar einen so genannten „confidence shock“ bei den Unternehmen gegeben. Dieser habe aber nicht dazu geführt, dass Investitions- und Einstellungsentscheidungen dauerhaft auf Eis gelegt worden seien.

Ungeachtet der zurückhaltenden Aussichten gab sich Peter Oppenheimer, Chef-Aktienstratege bei Goldman Sachs, optimistisch in Bezug auf die europäischen Aktienmärkte: „Was die kurzfristigen Aussichten angeht, bin ich neuerdings weniger pessimistisch“, sagte er. Grund sei die „aggressive Unterstützung durch die EZB“ sowie die „überraschend guten makroökonomischen Daten.“ Zwar erwarte er immer noch Verluste auf den Märkten, aber nicht mehr so starke.

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Vielen Ländern droht eine „lost decade“

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  • Die Glaubwürdigkeit von der Abzockerbank Goldman Sachs ist längst auf dem Niveau, auf das Herr Wulff gerade abgestürzt ist. Wer hat den Griechen beim Bescheißen geholfen? Wer spekuliert darauf, dass die Griechen Insolvenz anmelden? Goldman Sachs!

  • Na, dafür werden die Goldmänner schon sorgen, dass die Krise sich nochmals verschärft, damit krisentechnisch der Zug auch die richtige Richtung nimmt.

  • Zitat:
    „Es wird unterschätzt, wie sehr der Euro nach wie vor von allen unterstützt wird“.
    Zitatende
    Würde es so sagen wollen: Es wird von allen ignoriert ,dass der Großteil der EU-Bürger den Euro nicht unterstützt und nicht mehr haben will.

    Warum melden sich eigentlich in letztet Zeit pausenlos ungefragt irgendwelche Banker zu Wort. Reicht es nicht , dass diese Gestalten vom EU-Steuerbürger zwangsweise finanziert werden?

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