Gordon Gekko im Interview
„Geld ist eine Hure, die niemals schläft“

Zugegeben: Gordon Gekko ist nur eine Phantasiefigur aus dem Kino. Aber was wäre, wenn er tatsächlich gelebt hätte? Handelsblatt Online hat ein fiktives Gespräch mit dem Finanzhai geführt - über Krisen, Moral und Gier.
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Mister Gekko, erklären Sie uns, was an den Finanzmärkten gespielt wird. Die Menschen haben das ungute Gefühl, dass das ganze System zusammenbricht – und am Ende alle verlieren.
Blödsinn! Das Ganze ist ein Nullsummenspiel. Was der eine gewinnt, muss der andere verlieren. Das Geld wird doch nicht nur geschaffen oder verloren, es wechselt doch nur von einem Besitzer zum anderen. Wie durch ein Wunder. Kapitalismus vom Feinsten. 

Aber Gewinner sind nur wenige, die breite Masse  verliert.
Ihr seid doch nicht so naiv und glaubt daran, dass wir in einer Demokratie leben? Das ist die freie Marktwirtschaft. Das reichste ein Prozent dieses Landes besitzt die Hälfte seines ganzen Reichtums. Ein Drittel aufgrund von harter Arbeit. Zwei Drittel durch Erbschaft, ausgezahlt an Witwen und idiotische Söhne, und durch das, was ich tue: Aktien und Immobilien-Spekulation. Ein einziger Beschiss. Und 90 Prozent der amerikanischen Bevölkerung da draußen besitzt weniger oder gar nichts.

Finden Sie das gerecht?
Ist das ein Witz, Freundchen?

Finden Sie es gerecht, was Typen wie Sie an der Wall Street verdienen?
Ich drehe Euch gleich die Nase in den Nacken!

Die Finanzbranche ist zu gierig geworden.
Die Gier ist richtig, die Gier funktioniert. Die Gier klärt die Dinge, durchdringt sie und ist der Kern jedes fortschrittlichen Geistes. Gier in all ihren Formen, die Gier nach Leben, nach Geld, nach Liebe, Wissen hat die Entwicklung der Menschheit geprägt.

Es kann doch nicht sein, dass die Masse für die Gier einiger weniger bezahlen soll.
Wir alle beten denselben Götzen an. Die Wahrheit ist, jetzt sind wir alle ein Teil von dem. Banken, Verbraucher, wir bewegen das Geld im Kreis herum. Wir nehmen einen Dollar, pumpen ihn mit Steroiden voll und nennen es Hebelwirkung. Es ist auch die Gier, die es möglich macht, dass sich mein Barkeeper drei Häuser ohne Vermögen kaufen kann. Es ist Gier, die die Regierung der USA dazu veranlasste nach dem 11. September die Zinssätze auf ein Prozent zu senken, damit wir alle wieder shoppen gehen können.

Kommentare zu " Gordon Gekko im Interview: „Geld ist eine Hure, die niemals schläft“"

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  • @kommissar
    "Mir wird echt übel. Manche sollten ihr Hirn wegen Nichtnutzung bei ebay versteigern".
    Damit haben Sie recht. Haben Sie schon mal gehört, dass der Staat von Handwerkern, Autowerkstaetten oder Telefonanbietern abgezockten Menschen mit 750 Milliarden Euro retten müsste (wie bei einigen Deutschen Banken)?. Sie verstehen die Dimension der Probleme nicht.

  • Knuffige Idee vom Handelsblatt, ein fiktives Interview mit Gordon Gekko zu führen.
    Aber ein absolutes Muss wäre der Spruch vom Freund und dem Hund gewesen: "Wenn Du einen Freund suchst, kauf Dir einen Hund." Nichts bringt die Philosophie besser auf den Punkt.

    Gut ist auch der zeitliche Abstand, der besonders an dem Begriff "Nullsummenspiel" deutlich wird. Der aus der mathematischen Spieltheorie geborgte Begriff besagt: Genau den Betrag, den der aine gewinnt, verliert der andere.

    Das mag in den 90er Jahren der Fall gewesen sein. Das war Ende der 2000er aber nicht mehr so, Bei kunstvoll aber kriminell geschnürten Derivaten aus heißer Luft, von verantwortungslosen Ratingagenturen mit Triple A bewertet, ging es nicht mehr um Gewinn und Verlust, sondern um organisierten Systembetrug.

    Dass man die Lehman Brothers pleite gehen lässt und die Hauptschuldigen - die Ratingagenturen - ungeschoren davonkommen lässt, das ist der eigentliche Skandal und Systemfehler im Kapitalismus.

  • "Mister Gekko, erklären Sie uns, was an den Finanzmärkten gespielt wird. Die Menschen haben das ungute Gefühl, dass das ganze System zusammenbricht – und am Ende alle verlieren.
    Blödsinn! Das Ganze ist ein Nullsummenspiel."

    1. Nullsummenspiel bedeutet Schulden entsprechen Forderungen

    2. Es ist nur solange ein Nullsummenspiel, wie die verschiedenen Forderungen auch durch reele Werte gedeckt sind. Davon sind wir leider schon Lichtjahre entfernt. Fakt ist doch, dass vor allem bei den Derivaten (den "finanziellen Massenvernichtungswaffen") Luftforderungen in völlig perversem Ausmaß (300 Billionen?) vorhanden sind, die niemals bedient werden können.

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