Gottfried Heller im Interview
„Archaische Furcht steckt in den Köpfen“

Die Korrektur an den Börsen hat Gottfried Heller nicht überrascht, im Gegenteil. Der Vermögensverwalter erklärt, warum die Krim-Krise für die Märkte keine große Bedrohung mehr ist und der Dax auf 10.000 Punkte steigt.
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Gottfried Heller ist überzeugter Aktionär. Der langjährige Partner und Vertraute von Börsenaltmeister André Kostolany trommelt unermüdlich für eine deutsche Aktienkultur.

Herr Heller, die Krim-Bewohner stimmen für den Anschluss an Russland, der Westen beschließt Sanktionen, die Zeichen stehen auf Krise, aber der Dax steigt. Überrascht Sie das?
Nein, überhaupt nicht. Das habe ich sogar erwartet. Das Ergebnis des Referendums stand ja eigentlich schon fest und knüpft an kommunistische Wahlergebnisse an. Die Börsenkurse waren schon in der Vorwoche kräftig gefallen und hatten das im Grunde schon vorweg genommen. Abgesehen von der Krim-Krise war die Börse auch reif für eine Korrektur.

Die dann aber recht heftig ausgefallen ist…
Nachdem es fünf Jahre mehr oder weniger ständig aufwärts ging, war die Korrektur überfällig. Die Börsianer haben nur auf einen Anlass gewartet, Gewinne zu realisieren. Diesen Anlass hat ihnen die Krim-Krise geliefert.

Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine, besagt eine alte Börsenweisheit. Ist die Korrektur also schon vorbei?
Der Spruch mit den kurzen Beinen ist ziemlich abgedroschen, aber er stimmt. Die beiden Irak-Kriege in den 1990er-Jahren und 2003 beispielsweise haben für schmerzhafte Verluste an der Börse gesorgt. Wer damals antizyklisch eingestiegen ist, hat nichts falsch gemacht. Im Gegenteil.

Kaufen, wenn die Kanonen donnern, um eine andere Börsenweisheit zu bemühen?
Das erfordert natürlich einigen Mut, denn man kann nur schwer einschätzen, wie lange eine kriegerische Auseinandersetzung dauert und wie weit sie eskaliert. Trotzdem bieten solche Phasen Chancen.

Wie jetzt die Krim-Krise?
Um die Krim wird es sicher keinen Krieg geben. Aber die Spannungen zwischen Russland und dem Westen werden sicher noch einige Zeit andauern. So einfach kommt Putin nicht davon. Langfristig sitzt er am kürzeren Hebel und kann sich andauernde Verstimmung mit dem Westen nicht erlauben.

Kommentare zu " Gottfried Heller im Interview: „Archaische Furcht steckt in den Köpfen“"

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  • Heller in Financial Times Deutschland:"Saltus hat Aufträge auf Jahre hinaus, die nur noch abgearbeitet werden müssen" KAUFEN! Das war gelogen, die Firma ging pleite. Ich bin nicht nachtragend, aber vergessen tue ich auch nichts.

  • Heller empfiehlt gerade nicht seinen Fonds, sondern ETFs. Und er empfiehlt gerade nicht, nur in den DAX zu investieren, sondern breit zu streuen.

  • Gottfried Heller wieder im Interview.Jener Mann, der den Rückgang von 8136 von März 2000 auf 7400 im September 2000 nur als kleine Korrektur auf N24 wertete und zum Einstieg blies.
    Das Gleiche im März 2002 bei 5200,beides mal gab der DAX kurz darauf nach.

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