Griechenland
"Die Märkte wären über einen Default erleichtert"

In den USA macht sich die Haltung breit, ein "Ende mit Schrecken" sei in der Krise das beste für die EU. Fondsmanager David Kotok ist sogar der Ansicht, eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands würde den Märkten gut tun.
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New York„Griechenland kann nicht mehr gerettet werden. Das Land ist insolvent und muss Zahlungsunfähigkeit anmelden“, sagte David Kotok, Chefstratege der US-Fondsgesellschaft Cumberland Advisors, im Interview mit dem Handelsblatt. „Wenn das passiert, würden die Märkte mit Erleichterung reagieren. Es würde eine Erleichterungsrally geben, die hilft, die Folgen abzumildern."

Seit über einem Jahr bekommt die EU die Griechenlandkrise nicht in den Griff. Die Folge: Selbst wirtschaftlich viel besser dastehende Länder wie Italien gelten in den Märkten plötzlich als ausfallgefährdet. Um eine vollständige Ansteckung nicht nur Italiens, sondern auch anderer europäischer Länder zu verhindern, fordern immer mehr Experten, den Offenbarungseid der Griechen nicht mehr länger herauszuzögern.

„Ohne einen solchen Schritt würde auch Italien mit in den Abgrund gerissen, so Kotok. „Die Politik der Eindämmung der Griechenlandkrise ist gescheitert.“ Denn obwohl Italien, Spanien, Irland und selbst Portugal in einer viel besseren Lage als Griechenland seien, führe die Unsicherheit in den Märkten dazu, dass sie in Sippenhaft genommen würden. Die Folgen seien immer weiter steigende Renditen ihrer Anleihen. „Wenn diese Entwicklung nicht gestoppt wird, werden diese Länder mit in den Abgrund gerissen“, sagte Kotok.

In einem Default von Griechenland liegt aus Kotoks Sicht die größte Chance für Italien. „Im ersten Schock würden die Refinanzierungskosten Italiens natürlich weiter steigen. Aber wenn die italienische Regierung gleichzeitig glaubhaft machen kann, dass sie eine Balance von Einnahmen und Ausgaben anstrebt, werden sich die Märkte beruhigen.“

Die größte Last eines Default Griechenlands würde aus seiner Sicht das Land selbst tragen. „Die Banken würden ausgelöscht, die Einlagen würden verschwinden, wenn der Staat sie nicht garantieren kann“, so Kotok. Den Schaden etwa für Deutschland hält er für überschaubar. „Ein paar deutsche Banken würden hart getroffen. Aber sie würden nicht umfallen.“

Kommentare zu " Griechenland: "Die Märkte wären über einen Default erleichtert""

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  • Selten so ein blödsinn auf einamal gelesen!

  • Interessant, dass die amtierenden Politiker immer vage und im Konjunktiv reden, während die Finanzleute die Tatsachen unverblümt aussprechen. Klarsicht und Verunft wünsche ich mir für die Zukunft auch bei unseren Volksvertretern!

  • Griechenland umschulden, ja und anschließend müssten noch ein paar griechische Banken gerettet werden. Auch noch okay. Aber im Gegenzug sollte das Land endlich aus der Eurozone austreten, sonst sind wir in ein paar Jahren wieder an dem gleichen Punkt.

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