Griechenland – ein Volkswirt im Interview
„Dax dürfte 12.000 Punkte wieder sehen“

Im griechischen Schuldenpoker ist noch alles offen. Die Märkte zeigen sich zwar optimistisch, doch den Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe überzeugt das nicht: Um die Probleme zu lösen, reiche eine heutige Einigung nicht.
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DüsseldorfEs regnet an diesem Montagvormittag in Düsseldorf, als Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhaus Lampe, zum Handelsblatt-Interview vorbeikommt. Der graue Himmel passt zur Stimmung in Europa. Eine Krisensitzung nach der nächsten hat am Wochenende stattgefunden, um doch noch eine Einigung herbeizuführen im griechischen Schuldenstreit. Am Abend tagen die EU-Regierungs- und Staatschefs in Brüssel ein letztes Mal darüber, ob Griechenland Ende Juni die letzte Tranche des zweiten Hilfspakets, 7,1 Milliarden Euro, ausbezahlt wird. Krüger indessen, der beim Bankhaus Lampe seit der Finanzkrise die Gesamtwirtschaft im Blick hat, bringt die Krisenstimmung nicht mehr aus der Ruhe. Er sieht die Entwicklungen mittlerweile durch die Brille eines Realisten.

Herr Krüger, der Endspurt um eine Lösung im griechischen Schuldenpoker hat am Wochenende die Nerven strapaziert. Haben Sie schlecht geschlafen? 
Nein, denn ich sehe das Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs gar nicht als Endspurt. Sollte man sich einigen, ist es eine weitere vorübergehende Lösung, eine Etappe. Einigt man sich nicht, wird es nachfolgend eine Lösung geben. Wir müssen es nehmen, wie es kommt.

Momentan sieht es eher danach aus, als dass man sich verständigt...
Wir haben immer daran geglaubt, dass es eine Einigung geben wird. Keiner hat ein Interesse am Ausscheiden Griechenland aus der Euro-Zone oder gar der EU. An dieser Grundhaltung hat sich in den letzten Wochen, und auch am Wochenende, nichts geändert.

Athen hat am Sonntagabend erstmals konkrete Zugeständnisse vorgetragen. Die Frührenten sollen abgeschafft, eine Tourismus- und Reichensteuer eingeführt werden...
Ja, im Detail musste jetzt irgendetwas passieren.

Wenn eine Übereinkunft von Vornherein klar war, warum haben die Griechen mit den Zugeständnissen so lange gewartet? War das eine machtpolitische Frage?
Es geht darum, die eigene Politik zu verkaufen. Alexis Tsipras ist gewählt worden, weil er eine gewisse Richtung vertritt. Mit dieser Dramatik, die eingetreten ist, kann er seinem Wahlvolk die Zugeständnisse besser vermitteln.

Sie sagten, eine Einigung heute wäre nur eine vorübergehende Lösung. Was müsste passieren, um langfristig eine Lösung zu finden?
Für eine tragfähige Lösung müsste man einen Wandel in der Mentalität haben. Das betrifft mehrere Themen, unter anderem die Korruption. Die griechische Regierung müsste da eine deutlichere Veränderungsbereitschaft zeigen.

Was könnte sie tun?
Die griechische Regierung müsste offen sagen, dass ihr die finanzpolitische und steuerrechtliche Expertise fehlt und dass diese von außen kommen muss. Ich finde den Vorschlag des deutschen Finanzministers Schäuble gut, griechische Behörden mit Know-How zu unterstützen.

Kommentare zu " Griechenland – ein Volkswirt im Interview: „Dax dürfte 12.000 Punkte wieder sehen“ "

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  • Das Bankhaus Lampe als "Privatschatulle" des Milliardärsclans Oetker ist kaum ganz ernst zu nehmen - schon gar nicht der dort angestellte Volkswirt.
    Eine von vielen Meinungen vielleicht, aber gleichwohl keine gewichtige.

    Man übersieht gern, daß Griechenland nicht im Euro bleiben will.
    Alle Handlungen und Äußerungen sind da völlig eindeutig.
    Die faschistisch-kommunistische Koalition in Athen möchte alle Schulden loswerden und sodann ungestört am realen Kommunismus arbeiten. Man sollte sie gewähren lassen - und nicht peinlichst diesen Komikern auch noch hinterher kriechen.
    Das ist ja nicht mit an zu sehen - abstoßend und degoutant in schlimmster Form.

  • Ist das jetzt der original Bauer oder das Pagiat?
    Wer bin denn ich?

  • Natürlich wird der Dax die 12.000 wieder sehen, denn der Vermögensaufbau in Aktien ist alternativlos.
    Wer wie ich, seit 50 Jahren in Aktien investiert, der sieht die täglichen Schwankungen sehr gelassen.
    Natürlich habe ich nicht nur Titel aus dem Dax, sondern bin international aufgestellt, allerdings nur mit den big Playern der einzelnen Branchen.
    Verlierer braucht niemand im Depot. Die Div. kassieren und bei Schwäche nachkaufen, dann klappt es auch mit der Rente!

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