Griechenland-Rettung
Die Anleger verweigern Jubelschreie

Kaum ein Anleger an den Börsen glaubt, dass die zwölf Milliarden EU-Hilfen für Griechenland das Problem der Eurokrise ernsthaft entschärfen können. Umfragen belegen: Die Märkte sind zutiefst verunsichert.
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DüsseldorfDas Feuerwerk an den Aktienmärkten erlischt rasch – zumindest aus Sicht der Anleger. Nach einer Blitzumfrage des Frankfurter Researchinstituts Sentix in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt misstraut die Mehrheit der professionellen und privaten Anleger dem milliardenschweren Hilfspaket der Europäer.

64 Prozent der rund 1000 Investoren, die an der Umfrage teilgenommen haben, glauben, dass sich die neuerliche Kreditrate für Griechenland samt Beteiligung der Banken als nicht tragfähig erweisen wird. Das Institut Sentix ist der größte unabhängige Anbieter von Stimmungsindizes und verhaltensorientierten Daten in Europa.

Um eine Staatspleite Griechenlands abzuwenden, hatten die Regierungen in Euro-Land bis zum Wochenende den Weg für ein Hilfspaket von zwölf Milliarden Euro frei gemacht. In Erwartung darauf war der Dax um mehr als fünf Prozent gestiegen. Die 30 Dax-Konzerne hatten in nur einer Woche 40 Milliarden Euro an Wert gewonnen.

Doch die Euphorie ist für 39 Prozent der Befragten nur ein „Strohfeuer“. Weitere 25 Prozent sind sogar der Meinung, dass der Rettungsplan das Schulden- und Zinsproblem verschärfe. 40 Prozent der Befragten erwarten, dass sich Spanien und Italien noch infizieren – das heißt, dass auch deren Staatsanleihe-Zinsen so stark steigen, dass die Länder auf Hilfe angewiesen sind. Um seine Anleihen am freien Markt zu verkaufen, muss Griechenland 20 und mehr Prozent Zinsen bezahlen.

Damit hegen die Anleger so starke Vorbehalte wie beim ersten Rettungspaket. Im Mai 2010 hatte die EU klammen Mitgliedstaaten einen Kreditrahmen von 750 Milliarden Euro gewährt. Daraufhin waren die Aktienkurse gestiegen und die Anleihezinsen der Problemländer wunschgemäß gefallen. Doch geradezu prophetisch urteilten die Anleger damals, dass die Verschuldungskrise noch lange andauere und die Zinsen wieder steigen werden.

Auch diesmal billigen die Anleger den Börsen kein Potenzial zu. Im Durchschnitt taxieren die Investoren den in Europa maßgeblichen Euro-Stoxx 50 zum Jahresende bei 2843 Punkten. Das ist ein Prozent weniger als gestern. Selbst auf Sicht von zwölf Monaten rechnen die Anleger nur mit stagnierenden Kursen. Das gab es noch nie.

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  • „Anleger schätzen die Aktie angesichts mangelnder Alternativen als solides Wertaufbewahrungsmittel“

    Physisches Gold ist das neue "Wertaufbewahrungsmittel".

    Zentralbanken wissen dies bereits, nur das HB verbreitet gestriges know-how.

    Go GATA !

    gata.org

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