Griechenland und die Märkte
„Die Anleger werden wieder einsteigen“

Griechenland sorgte Anfang der Woche für einen Börsenschreck. Doch Experten bleiben optimistisch: Egal, wie Griechenland sich entscheide, die Rally werde weitergehen. Nur eine Bank ist skeptisch.
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Europäische Anleger haben vom zweiten Quartal die Nase gestrichen voll, nachdem am vorletzten Tag die Griechenland-Krise den Aktien ihren schlimmsten Einbruch seit 2011 beschert hatte. Doch es gibt Hoffnung.

Terminkontrakte mit Wetten auf die Kursvolatilität zeigen nämlich, dass Händler wieder an die Rückkehr der Ruhephase glauben. Demnach werden die Kursschwankungen in nächsten drei Monaten um 27 Prozent abnehmen. Diese Einschätzung teilen auch einige der größten Fondsmanager in der Region.

JP Morgan Asset Management und Pictet Asset Management sind der Ansicht, dass die Aussichten für das Wirtschafts- und Gewinnwachstum in Europa positiv bleiben. Barclays hält an der Prognose fest, dass der Euro Stoxx 50 Index das Jahr bei 4000 Punkten beenden wird, was gegenüber dem Schlussstand vom Montag einer Erholung um 15 Prozent gleichkommen würde.

„Da ist Geld, das nur darauf wartet reinzukommen“, sagt Stephen Macklow-Smith, Leiter europäische Aktienstrategie bei JPMorgan Asset in London. Griechenland sorge für „zusätzliche Unsicherheit. Darum warten die Anleger ab, um zu sehen, wie das alles endet, bevor sie wieder einsteigen.“

Nachdem die Zuversicht über eine Lösung der griechischen Pattsituation den Aktien ihren größten Wochengewinn seit Januar eingebracht hatte, wurden die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, als Ministerpräsident Alexis Tsipras am Wochenende zu einem Referendum über die Sparmaßnahmen aufrief. Das Land erließ Kapitalverkehrskontrollen und schloss Banken und Börsen, was den Euro Stoxx 50 am Montag um 4,2 Prozent abstürzen ließ. Am Dienstag schloss der Eurozone-Index weitere 1,3 Prozent tiefer.

Es erscheine zwar wahrscheinlicher, dass sich die Griechen für die Forderungen der Gläubiger aussprechen werden, meint Supriya Menon von Pictet. Doch selbst wenn nicht, wäre eine Ablehnung ihrer Einschätzung nach handhabbar.

„Es gibt eine Menge Spielraum nach oben, und das bleibt so, ob wir nun auf das Ja- oder das Nein-Szenario zulaufen“, erklärt Menon. „Das Hauptproblem ist die finanzielle Ansteckungsgefahr, doch wir glauben, dass es Schutzwälle gibt.“

Auch Strategen von Bank of America bis Barclays stoßen ins gleiche Horn. Die Verantwortlichen in Europa werden wahrscheinlich eingreifen, um die Auswirkungen eines griechischen Zahlungsausfalls oder Euro-Austritts einzudämmen. So könnte zum Beispiel die Europäische Zentralbank ihre quantitative Lockerung anpassen, um die Anleihen aus den Peripherieländern zu stützen, schrieben James Barty und Tommy Ricketts von Bank of America am 28. Juni in einer Analyse.

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