Großbanken, Weltbank und Internationaler Währungsfonds warnen vor erheblichen Risiken
Kapitalflüsse in Schwellenländer erreichen neue Rekorde

Die international führenden Banken, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) melden immer neue Rekorde bei den Kapitalzuflüssen des privaten Sektors in Schwellen- und Entwicklungsländer. Die im Institute of International Finance (IIF) zusammengeschlossenen Großbanken setzen die diesjährigen Netto-Kapitalzuflüsse ( in Form von Direktinvestitionen, Aktien-und Beteiligungserwerb, Kauf von Anleihen sowie Bankausleihungen) in 29 wichtigen aufstrebende Volkswirtschaften mit 311 Mrd. Dollar an.

egl/mak MADRID „Das sind gut 190 Mrd. Dollar mehr, als jene Länder im Jahre 2002 erhielten“, sagte William Rhodes, Vize-Chairman des IIF, auf dessen Frühjahrstagung in Madrid. Im laufenden Jahr dürften allein die Direktinvestitionen auf 148 Mrd. Dollar ansteigen, wovon knapp die Hälfte nach China fließen.

Für Rhodes ist die Rückkehr der global tätigen Banken in die Emerging Markets „ein Signal, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Kreditwürdigkeit der aufstrebenden Weltregionen deutlich verbessert haben“. In den Krisenjahren 1998 bis 2002 hatten internationale Banken Ausleihungen in die Emerging Markets deutlich abgebaut.

Als „höchst bedenklich“ bezeichnet Rhodes hingegen, dass Anleger auf der Suche nach hohen Renditen immer mehr Anleihen aus Emerging Markets kaufen, in diesem Jahr wahrscheinlich im Volumen von 80 Mrd. Dollar. „ Die heute zu beobachtende Liquiditätsfülle mit ungewöhnlich niedrigen Risikomargen, ohne nennenswerte Differenzierung zwischen Schuldnern unterschiedlicher Bonität, kann in einem Umfeld steigender Zinsen nicht lange anhalten“, warnte Rhodes.

Mit der Botschaft, sich angesichts steigender Zinsen und erheblicher Wechselkursrisiken auf plötzliche Anpassungsschocks einzustellen, wandte sich auch IWF-Chef Rodrigo Rato an die in Madrid versammelten Kapitalmarktakteure. Die Liste der von Rato genannten Risiken hat es in sich: So könnte es seiner Meinung nach zu folgenschweren Störungen bei der Finanzierung des riesigen US-Leistungsbilanzdefizits kommen. Der weit verbreitete Einsatz wenig transparenter Hedging-Instrumente könne Preis-und Bewertungsanpassungen erfordern, die heute niemand übersehen kann. Vieles spreche dafür, dass in den zurückliegenden Jahren zu hohe Vermögensbewertungen aufgebaut wurden, die anzupassen sind. Auch müssten die Emerging Markets damit rechnen, dass sich künftig ihre externen Finanzierungsbedingungen eher verschlechtern, insbesondere bei größeren Steigerungen der Dollarzinsen.

Auch der zum Wochenende vorgelegte Bericht zur Entwicklungsfinanzierung der Weltbank (Global Development Report 2005) hat die Botschaft, dass bei aller Erleichterung über die Rekordzuflüsse in Schwellen-und Entwicklungsländer das Risiko möglicher Anpassungsschocks nicht übersehen werden darf. Der Weltbankbericht, der auf einer anderen Basis beruht, setzt die privaten Netto-Kapitalzuflüsse in Schwellen-und Entwicklungsländer für 2004 mit 301,3 Mrd. Dollar an.

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