Gründe für die Skepsis sind politischer Natur
Iran-Krise verunsichert Investoren

Rekordgewinne der Unternehmen, niedrige Inflationsraten und eine robuste US-Wirtschaft lassen die Börsen steigen, heben aber nicht die Stimmung unter Deutschlands Anlegern. Ungeachtet der mehrjährigen Hochs an den Aktienmärkten in Europa und den USA betrachtet eine Mehrheit von 56 Prozent die gute Kursentwicklung lediglich als Zwischenerholung und erwartet keinen langfristigen Aufwärtstrend. Das ist das Ergebnis der monatlichen Anlegerumfrage des Handelsblatts und der Investmentbank Trinkaus & Burkhardt. Sie wird erhoben vom Meinungsforschungsinstitut AMR.

DÜSSELDORF. Insbesondere ältere Anleger über 40 Jahre gehen davon aus, dass die Aktienkurse bis zum Jahresende sinken oder allenfalls stagnieren. Hingegen erwarten jüngere – und insbesondere männliche – Anleger eine weitere Aufwärtsentwicklung der europäischen Aktienmärkte. Anleger über 40 Jahre haben in aller Regel schmerzliche Erfahrungen während der dreijährigen Baisse bis März 2003 gesammelt.

Die Gründe für die Skepsis sind politischer Natur, etwa die Atomprogramme im Iran und in Nordkorea und die Drohkulisse der USA. Die damit verbundenen Risiken beeinflussen die Aktienstrategien von rund der Hälfte der befragten Anleger (51 Prozent). Insbesondere unter 30-jährige und über 60-jährige Anleger beabsichtigen vor diesem Hintergrund, weniger risikoreich zu investieren. Die andere Hälfte, und hier vor allem die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen, vertritt die Ansicht, dass derartige Konflikte keine Auswirkungen auf die Märkte haben.

Anlagestrategen von Investmentbanken bestätigen die Risikoscheu der Anleger. „Die Atomprogramme sind Teil der hohen Risikoprämie, die im Markt vorhanden ist“, sagt Stefan Schießer von der DZ-Bank. Er registriert seit den Terroranschlägen auf die USA am 11. September 2001 eine erhöhte Risikoprämie, die sich auf historisch hohem Niveau halte. „Atypisch ist vor allem die ausgedehnte Zeitdauer.“

Als Risikoprämie wird in diesem Fall der Abschlag bezeichnet, durch den die Börsen auf Grund von Unsicherheiten und Gefahren gedrückt sind. Dazu zählen konjunkturelle, aber auch geopolitische Sorgen. Zwar ist die Höhe der Risikoprämie schwer messbar. Einen Anhaltspunkt bietet aber die Aktienbewertung. So sind die großen europäischen Unternehmen derzeit mit dem Zwölffachen des für 2006 geschätzten Gewinns bewertet. Im jahrzehntelangen Durchschnitt ist aber nicht ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zwölf, sondern 16 üblich. Um auf diesen Wert zu kommen, müssten die Kurse um fast 35 Prozent steigen.

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