Gute Kaufgelegenheiten bei Titeln aus dem Euro Stoxx 50
ING gehört zu den Perlen in Europa

Anleger kaufen gern heimische Titel – und berauben sich damit oft guter Gewinnchancen. Dabei lohnt sich aktuell der Blick über den Tellerrand, denn in Europa haben einige niedrig bewertete Aktien gute Aussichten auf Kursgewinne .

FRANKFURT/M.

Der niederländische Finanzriese ING ist dabei klarer Favorit der Analysten. Gut 75 Prozent der Experten raten zum Kauf. Die Aktie habe Potenzial, da sie im Branchenvergleich niedrig bewertet sei. Zudem sei das Unternehmen geographisch und produktbezogen breit aufgestellt: „Für ING ergeben sich gute Wachstumsperspektiven aus dem Engagement im Versicherungsgeschäft in Südostasien und Mittel- sowie Osteuropa, denn dort winken überdurchschnittliche Margen“, sagt Helaba-Trust-Analyst Karsten Keil. Sinkende Margen in der Lebensversicherungssparte in den USA und den Niederlanden dürften damit überkompensiert werden. Auch das Londoner Strategieteam von Goldman Sachs lobt die Diversifizierung von ING und erwartet mittelfristig Kurszuwächse. Die Goldman-Experten betonen aber, dass kurzfristig die Schwäche im US-Lebengeschäft den Kurs noch negativ beeinflussen könnte. Einhellig loben die Experten den Produktmix: Denn ING ist stark im Bankgeschäft mit Privatkunden engagiert, und da kann der Allfinanzriese noch gute Margen erzielen.

Als attraktive Schnäppchen gelten derzeit auch der italienischen Öl- und Gasversorger Eni, der führende spanische Energieversorger Endesa sowie der deutsche Energiekonzern Eon. Besonders Eni hat Aufholpotenzial, hinkt die Aktie doch dem pan-europäischen Ölsektor seit Jahresanfang bis heute um etwa sieben Prozent hinterher.

Am vergangenen Donnerstag hatten aber schlechte Nachrichten den Ölsektor nach unten gezogen: Thierry Desmarest, Konzernchef von Total, hatte erklärte, dass das Ergebnis des Öl-Konzerns im zweiten Quartal niedriger ausfallen wird als im ersten Quartal. Gründe seien der gefallene Ölpreis und der starke Euro. Daraufhin waren Öltitel wie Repsol und Eni eingebrochen, erholten sich am Freitag aber wieder.

Für Eni spricht die breite Aufstellung

Die Aufschläge erscheinen gerechtfertigt: Denn mit 29 Dollar je Barrel ist Öl weiterhin deutlich teurer, als die meisten Marktteilnehmer erwartet hatten. „Viele Beobachter hatten nach dem Ende des Irak-Kriegs einen Rutsch unter 20 Dollar in Richtung 15 Dollar pro Barrel erwartet“, sagt CommerzbankStratege Rolf Elgeti. Er meint, dass Eni und auch Repsol in der bevorstehenden Berichtssaison daher mit besser als erwarteten Ergebnissen aufwarten dürften.

Für Eni spricht darüber hinaus aber auch die breitere Aufstellung, „das Unternehmen hat ja Versorgercharakter“, sagt Elgeti. Ben Funnell von Morgan Stanley ergänzt, das Unternehmen biete mit 4,9 Prozent auch ein hohe Dividendenrendite. Und das Strategieteam von Goldman Sachs sieht die Aktie erst bei 16 Euro als fair bewertet an („eine der am attraktivsten bewerteten Aktien weltweit“).

Dagegen halten die GoldmanStrategen den Titel von Repsol für „überkauft“. Darüber hinaus beurteilen die Experten das steigende Risiko aus dem Lateinamerika-Geschäft von Repsol kritisch.

Günstig bewertet sind gegenwärtig auch die Versorger Endesa und Eon – und sie kommen bei den Analysten gut weg: Fast 56 Prozent der Experten raten, bei Eon zuzugreifen, immerhin 27 Prozent raten zum Halten; bei Endesa empfehlen gut 54 Prozent „kaufen“ und fast 41 Prozent „halten“. Im Vordergrund steht das klassische Kaufargument für Versorger: Sie bieten stabile nominale Cash-Flows. Außerdem sind hohe Dividendenrenditen vor dem Hintergrund einer niedriger Inflation attraktiv.

Allerdings kann eine prall gefüllte Geldbörse auch mit anderen Augen gesehen werden: Sowohl Endesa als auch Eon verfügen über genügend Mittel, um auf Einkaufstour zu gehen – aber eine Übernahme belastet zunächst einmal den Kurs des Käufers. Bei Eon spekulieren Analysten, ob Zukäufe in Südeuropa oder den USA anstehen. Längerfristig sollten sich Zukäufe in beiden Fällen allerdings auszahlen.

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