Gute Konjunkturaussichten
Kauflust steckt Investoren an

Die Vielzahl guter Konjunkturmeldungen sowie die fallenden Arbeitslosenzahlen lassen Börsianer bei der Aktienauswahl umdenken: Plötzlich sind Einzelhändler ebenso angesagt wie Touristik- und Automobilwerte.

FRANKFURT. Standen jahrelang Aktien von Versorgern sowie Industrie-, Pharma- und Versicherungstitel ganz weit oben auf der Einkaufsliste, sind neuerdings vor allem Werte aus Branchen gefragt, die direkt von der gestiegenen Konsumfreude der Deutschen profitieren. Einzelhändler sind plötzlich ebenso angesagt wie Touristik- und Automobilwerte.

Unterstützt werden die Aktienstrategen der bedeutenden Banken von den Volkswirten. Zwar sei die Konsumfreude bereits spürbar gewachsen. „Das Beste kommt jedoch erst noch“, sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt für Europa bei der Bank of America. Er geht davon aus, dass sowohl Asien als auch Kerneuropa die Spitze des Konsumbooms, die gewöhnlich am Ende einer Aufschwungphase steht, erst im Jahr 2009 erreichen wird. „In Deutschland ist gerade beim privaten Verbrauch noch ein erheblicher Zuwachs nach oben möglich“, sagt er.

Dass dieser historisch überlieferte Trend auch diesmal zutrifft, daran hegen Börsianer keinen Zweifel. „Die privaten Haushalte warten immer erst ab, ob der Aufwärtstrend nachhaltig ist und springen dann auf“, sagt Gerhard Grebe, Vorstand beim Bankhaus Julius Bär. Gerade das zeichnet sich im Moment ab und stärkt die Konsumwerte. In erster Line profitieren Einzelhändler wie Metro, Douglas oder Karstadt-Quelle davon. Lange Jahre waren sie unter den 18 Branchenindizes, in die Börsianer unterscheiden, die Sorgenkinder – stets gemieden und vernachlässigt. Nun genießen sie die erhöhte Aufmerksamkeit der Analysten.

Marktschwergewichten wie Metro oder Karstadt-Quelle, die über Töchter ein breites Produktsortiment abdecken, rechnen sie deutlich weniger Kurschancen zu als Spezialhändlern wie etwa der Parfümerie-Kette Douglas oder den Praktiker Baumärkten. Den Hauptgrund dafür verdeutlicht der Dax-Wert Metro: Der verzeichnete zuletzt bei seinen Elektromärkten Media Markt und Saturn kräftige Umsatzzuwächse; der Umsatz bei der zum Konzern gehörenden Galeria Kaufhof dagegen stagnierte. Die meisten Analysten wie Karina Gundermann von der schwedischen SEB raten deshalb lediglich zum „Halten“ der Aktie.

Anders ist die Situation bei Douglas. Deren jüngste Zahlen bezeichnet Analystin Natalia Rountoleva von der Deutschen Bank als „beeindruckend“. Ihr Kursziel für die Aktie, die zuletzt bei 48 Euro notierte, hat sie von 50 auf 53 Euro angehoben. Neben dem traditionellen Parfümerie-Geschäft haben sich die Düsseldorfer inzwischen mit der Buchhandelskette Thalia ein zweites Standbein aufgebaut.

Doch nicht nur der Einzelhandel profitiert von der steigenden Konsumfreude der Deutschen. Die Aktie des Reisekonzerns Tui hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits über 40 Prozent an Wert gewonnen. Analyst James Ainley von der US-Bank JP Morgan rät weiterhin zum „Übergewichten“ der Aktie. Und das nicht ohne eine gewisse Ironie, gespeist aus der nicht allzu ruhmreichen Kursentwicklung in der Vergangenheit: „Die Ergebnisse des ersten Quartals stellen aufgrund der Fähigkeit des Unternehmens, den Markt zu enttäuschen, eine Überraschung dar“, sagt Ainley. Das hängt mit dem Tourismus-Bereich zusammen, bei dem er für die Sommer-Saison mit einem Auftragsanstieg von 3,6 Prozent rechnet.

Anders ist die Situation dagegen bei den Luxusgütern. Konzernen wie LVMH, PPR, Luxottica oder Bulgari ging es auch gut, als es in den letzten Jahren konjunkturell nicht so gut aussah wie zuletzt. Die steigende Konsumfreude lässt deren Geschäft nun erst recht brummen. „Ein großer Teil der Attraktivität von Luxusgütern besteht darin, dass sich in Europa hergestellt werden“, sagt Fondsmanager James Squire von der britischen Gesellschaft Schroders. „Der Besitz einer Schweizer Uhr bedeutet beispielsweise enormes Prestige“.

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