Halbjahresbilanz Depot-Contest

„Der Dax 12.000 scheint nicht aus der Welt“

Erst euphorisch, dann nervös. Die Aktien- und Anleihemärkte haben die Nerven vieler Anleger strapaziert. Doch bieten schwankungsgeladene Märkte auch Chancen. Wie Vermögensverwalter diese genutzt haben.
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Experten sehen die unsicheren Zeiten früher oder später vorüberziehen. Quelle: dpa
Nervöser Dax

Experten sehen die unsicheren Zeiten früher oder später vorüberziehen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie ersten sechs Monate des Jahres waren für Anleger eines sicherlich nicht: langweilig. Nach einem euphorischen Start - der Dax notierte im April mit 12 391 Punkten so hoch wie noch nie – war der Markt in der Folgezeit von Nervosität geprägt. Grund sind die monatelangen Diskussionen zwischen griechischer Regierung und internationalen Gläubigern über ein neues Reformpaket. Eine Einigung steht weiter aus – das schlägt aufs Anlegergemüt und lässt Indizes stark schwanken.

Aktionäre, aber auch Anleiheeigner mussten zuletzt Nerven bewahren. Die Kurse europäischer Staatsanleihen, allen voran Bundesanleihen, waren zwischenzeitlich eingebrochen. Nach Äußerungen von Spekulanten, aber auch wegen der Erwartungen an Mario Draghis groß angelegtes Anleihekaufprogramm hatten die Bondmärkte heftig reagiert. Dass es in dem volatilen Marktumfeld dennoch möglich war, sich bei der Geldanlage gut zu schlagen, zeigt die Halbjahresbilanz des Depot-Contests der Münchner DAB Bank, dessen Partner das Handelsblatt ist.

Ein Jahr lang misst sich eine Auswahl aus 18 Vermögensverwaltern in zwei der drei Depot-Kategorien „Sicherheit“, „Ausgewogen“ und „Chance“. Vorn liegt, wer seine Assets nach vorgegebenen Quoten am rentierlichsten anlegt und sein Depot gleichzeitig nur geringen Schwankungen aussetzt. Die Volatilität am Aktienmarkt für sich zu nutzen und das richtige Timing zum Einstieg zu finden, waren die Schlüssel zum Erfolg.

Er läuft und läuft und läuft
1. Juli 1988
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Der Dax feiert seinen Einstand. Rechnerisch startet er allerdings am 30. Dezember 1987 bei einem Stand von 1.000 Punkten. Der Deutsche Leitindex umfasst die größten 30 börsennotierten deutschen Unternehmen und ist ein Performance-Index. Das heißt: Die Dividenden, die die Dax-Unternehmen auszahlen, werden in den Kurs des Indizes wieder eingerechnet. Manche bezeichnen ihn deshalb als „Mogelpackung“ und finden einen Vergleich mit Kurs-Indizes – wie dem Dow Jones – „unfair“.

16. Oktober 1989
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Der erste schwarze Tag für den Dax: Er bricht im Sog der Wall Street um rund 13 Prozent ein.

Dabei war der Kurssturz an der Wall Street mit Minus sieben Prozent deutlich kleiner. Die Ursache: In den achtziger Jahren hatten Übernahmen und Fusionen in den USA Hochkonjunktur. Unternehmen nahmen Kredite auf, um andere Unternehmen zu kaufen. Das Problem war, dass dadurch viele Unternehmen hoch verschuldet waren. Es kamen bereits Sorgen auf, dass Unternehmen in Schieflage geraten könnten, sobald die Zinsen steigen würden oder es Liquiditätsengpässe gebe.

Der Auslöser: Die Übernahme von United Airlines scheiterte an der Finanzierung und löste eine Verkaufswelle aus. Zuerst wurden Übernahmekandidaten abgestoßen, dann alle anderen Aktien. Die Angst der Anleger, dass Unternehmen Liquiditätsprobleme bekommen, entlud sich an der Börse.

18. November 1996
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Bei der Privatisierung der Deutschen Telekom wird die T-Aktie als Volksaktie vermarktet. Das Interesse der Öffentlichkeit am Dax nimmt stark zu. Telekom-Chef Ron Sommer steht hier am 17. November 1996 vor der Frankfurter Wertpapierboerse, an der der Einführungspreis der T-Aktie von seinerzeit 28,50 D-Mark angezeigt wird. Die Aktie wurde allerdings zur Enttäuschung. Lesen sie hier die gesamte Chronik der T-Aktie.

28. Oktober 1997
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Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

Hintergrund: Asien galt in den Neunziger Jahren als Wachstumszentrum der Welt. Die sogenannten Tigerstaaten (Singapur, Südkorea, Taiwan, Hong Kong) galten als große Hoffnungsträger, gerieten aber wegen finanzpolitischer Fehlentwicklungen (und zahlreicher weiterer Faktoren) in Schieflage. Der massive Kapitalabfluss aus diesen Ländern löste schließlich auch Panik an der Börse aus. Der Dax brach ein, erholte sich aber am nächsten Tag fast wieder vollständig. Hier hätten Kostolanys Schlaftabletten viel Geld gespart.

28. November 1997
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Mit dem neuen elektronischen Handelssystem Xetra - kurz für „Exchange Electronic Trading“ - bricht für die Börse ein neues Zeitalter an. Xetra löste den Vorgänger IBIS ab.

Mittlerweile sind die Aktienhändler am Frankfurter Parkett nur noch Fassade. Der „wirkliche“ Dax-Handel findet in einem Rechenzentrum statt. Der Handel an der Präsenzbörse in Frankfurt am Main wurde am 20. Mai 2011 abgeschafft.

7. März 2000
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Der Dax erreicht ein neues Rekordhoch von 8136 Punkten. Befeuert wird die Euphorie von der Entstehung des Internets und einem sich ausbreitenden Fusionsfieber. Danach ging es wegen einer sich abkühlenden Wirtschaft und dem Einbruch des Neuen Marktes deutlich abwärts. Diesen Höchststand erreichte der Dax dann erst wieder im Jahr 2007.

11. September 2001
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Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um rund neun Prozent. Im Handelsverlauf ging es für den Leitindex sogar um bis zu elf Prozent nach unten. Die US-Börsen setzten den Handel sofort aus und eröffneten die Börsen sechs Tage später – „den Kriminellen zum Trotz“. Bei der Wiedereröffnung gingen die US-Börsen auf Talfahrt – allerdings nicht ganz so stark wie befürchtet. Der Dow Jones verlor etwa sieben Prozent.

Das erfolgreichste Chancendepot zum Stichtag 30. Juni lieferte die Top Vermögensverwaltung mit einer Wertentwicklung von 11,4 Prozent. Fondsmanager Nils Petersen vertraute auf einen „globalen Aktienansatz mit der größtmöglichen Diversifikation“. Unter den elf Fonds, die er seit Jahresbeginn im Portfolio hält, befinden sich Aktienfonds von Acatis, Flossbach von Storch, Templeton und als bestes Investment der Fidelity European Growth.

Weniger Fonds und mehr Einzelaktien – der Ansatz prägte das Chancendepot der Top Vermögensverwaltung. Renditebringer im Portfolio des Zweitplatzierten waren etwa der Chemieriese K+S, der jüngst Übernahmekandidat geworden ist, und Technologiefirmen wie Google.

Vorstand Burkhard Wagner ist mit dem zweistelligen Ergebnis zufrieden, schließlich hätten Anleger trotz guter Möglichkeiten im volatilen Umfeld „viele Fehler machen“ können. So hatte etwa der Anlageprofi darauf geachtet, über börsennotierte Indexfonds (ETFs) auch die Märkte abzudecken – und Risiken zu begrenzen: Verluste sichert Wagner über Stopp-Loss-Orders ab.

Auch das „sichere“ Depot nutzt Aktien
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