Handelsblatt-Befragung
Börsen: Was nach dem Absturz kommt

Aktien haben in den vergangenen gut 15 Monaten im Schnitt die Hälfte ihres Wertes verloren. Kaum besser sieht es bei anderen Anlagen aus. Jetzt fragen sich Experten: Ist der Boden nun gefunden? Deutet die Erholung der vergangenen Tage an den Börsen auf einen kräftigen Aufschwung hin?

FRANKFURT. Das Handelsblatt hat fünf weltweit bekannte Vermögensverwalter und Analysten mit insgesamt rund 230 Jahren Börsenerfahrung befragt. Ihre Antworten auf die genannten Fragen legen den Schluss nahe, dass zuletzt zumindest eine technische Erholungsphase eingeläutet wurde. Die Rally wird angetrieben von niedrigen Bewertungen, den Anlagezwängen institutioneller Investoren und den hohen Kassenbeständen zahlreicher Marktteilnehmer. Nicht alle Experten sind allerdings davon überzeugt, dass der Aufschwung von Dauer sein wird. Die Skeptiker argumentieren mit dem anhaltenden und nötigen Abbau der Überschuldungen, einer unterschätzten Rezessionsdynamik sowie den absehbaren Inflationseffekten der globalen Konjunkturpakete.

International bekannte Börsendenker wie Byron Wien und Steven Leuthold rechnen mit Gewinnen von bis zu 50 Prozent gegenüber den kürzlich erreichten tiefsten Niveaus. Diese Einschätzungen passen zu ähnlichen Meinungsäußerungen renommierter Börsianer in den vergangenen Tagen und Wochen. So prognostiziert der Brite Anthony Bolton, früherer Star-Manager von Fidelity, nicht nur das nahe Ende des Bärenmarktes, sondern sogar den Start eines neuen Bullenmarktes. Einziger Schönheitsfehler: Bolton hat bereits im vergangenen Herbst den großen Aufschwung ausgerufen.

In den USA macht nun Jeremy Grantham Schlagzeilen. Als Chefstratege des 85-Mrd.-Dollar großen Verwalters Grantham Mayo van Otterloo zählt er ebenfalls zu den ganz Erfahrenen im Geschäft. Über ein Jahrzehnt galt er als einer der großen Skeptiker. Jetzt ist er in das Lager der Optimisten gewechselt; seine Anleger warnt er davor, die aktuellen Einstiegsmöglichkeiten zu verpassen. Granthams Stimme zählt an Wall Street, hatte er doch bereits im April 2007 eine globale Börsenblase erkannt. Auch zur Jahrtausendwende lag er richtig und prophezeite frühzeitig das Ende der Internet-Euphorie im Jahr 2000.

Die Optimisten sind teilweise Value-Anleger, die auf preiswerte und unterbewertete Substanztitel setzen. Tatsächlich sind die Aktienkurse nach den Einbrüchen weit niedriger. Wer in absehbarer Zeit eine wirtschaftliche Erholung erwartet, der fühlt sich leicht auf die Optimistenseite gezogen. Zu dieser Gruppe zählt auch Timothy Hayes von der US-Analysegesellschaft Ned Davis Research. Er wirft zusätzlich die allgemeine Stimmungslage in die Waagschale. Seiner Beobachtung nach haben alle Anleger, die verkaufen wollen, bereits verkauft und können demnach keinen weiteren Druck auf die Kurse mehr ausüben.

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