Handelsblatt-Serie
Anschläge strahlen auf Märkte aus

Eine der großen Risikoquellen, die die Stabilität der Welt-Finanzmärkte bedrohen, liegt in den Schrecken des Terrorismus. Für die Risikomanagement-Experten der Wharton School an der Universität von Pennsylvania ist klar: „Der Terrorismus dominiert die Landkarte der geopolitischen Risiken.“ Und in der Tat sind die ökonomischen Auswirkungen des Terrors immer wieder weltweit zu spüren.

FRANKFURT. Nun ist Terrorismus beileibe keine neue Erscheinung. „Terrorismus ist ein endemisches Merkmal internationaler politischer Beziehungen und existiert bereits seit vielen Jahrzehnten“, sagt Richard Burt, Chairman von der auf Risikoberatung spezialisierten Diligence LLC in Washington. Neu ist allerdings die Brutalität und Entschlossenheit der Terroristen, die in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Darüber hinaus sieht Burt in der zunehmenden internationalen Verflechtung des Terrorismus ein neues Element.

Die anhaltende Gefahr terroristischer Attacken hält die Welt in Atem. Sie schürt nicht nur die allgemeinen Ängste in der Bevölkerung, sondern sorgt auch für starke Zurückhaltung bei wichtigen Investitionsentscheidungen in der weltweiten Ökonomie. Auf diese Weise trifft der Terrorismus sowohl den Einzelnen wie auch die Weltwirtschaft ins Mark.

In diesem Zusammenhang kann es nur als ein geringer Trost gelten, dass die Fachleute des Weltwirtschaftsforums glauben, die Möglichkeiten der Terroristen, auf globaler Ebene in koordinierter Form vorzugehen, seien geringer geworden. Die Experten sehen immer noch eine anhaltend hohe Gefahr regionaler und lokaler Anschläge.

Terrorattacken sind nicht nur mit menschlichem Leid und humanitären Katastrophen verbunden, sondern sie treffen darüber hinaus meist auch die Ökonomien. „Terrorismus ist ein verzwicktes Problem für die Märkte“, sagt Howard Kunreuther von der Wharton School. Er weist auf die Unberechenbarkeit des Eintritts, der Häufigkeit und der Schwere von terroristischen Angriffen hin.

Sicher ist, dass Terrorismus hohe Schäden anrichtet, dementsprechend Geld kostet und die Finanzmärkte belastet – und das nicht zu knapp. Über die exakten Kosten der Terroranschläge während der vergangenen fünf bis zehn Jahre für die Globalökonomie herrscht allerdings weitgehend Dissens. Während Joseph E. Stiglitz, Wirtschaftsprofessor an der Columbia Universität in New York, die Kosten des Kriegs gegen den Irak – der als Teil des Kampfs gegen den Terrorismus begründet wurde – allein für die USA auf ein bis zwei Billionen Dollar schätzt, liegen offizielle Zahlen der US-Regierung deutlich niedriger.

Vor Beginn des Krieges hatte die Regierung Bush die Kriegskosten im Irak auf rund 200 Mrd. Dollar veranschlagt. Zahlen des US-Kongresses zeigen jedoch, dass dort bereits mit bisher angefallenen Kosten in Höhe von weit über 250 Mrd. Dollar kalkuliert wird. Doch damit nicht genug: Für die nächsten zehn Jahre rechnen die Kongress-Abgeordneten noch einmal mit weiteren 230 Mrd. Dollar.

Wirtschafts- und Krisen-Experten sehen die wahren Kosten auf globaler Ebene eher in der Nähe der Schätzungen von Nobelpreisträger Stiglitz. Wo immer die richtige Größenordnung auch liegen mag – eine riesige Belastung für das Welt-Finanzsystem sind terroristische Anschläge und ihre Folgen allemal.

Seite 1:

Anschläge strahlen auf Märkte aus

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%