Handelsblatt-Studie
Langfristig lohnt sich Aktienanlage nicht

Trotz Aktienboom in den vergangenen zwei Monaten - langfristig lohnt sich die Risikoanlage nicht: Wer vor zehn Jahren gleichmäßig auf die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) gesetzt hat, steht nach Berechnungen des Handelsblatts heute mit zehn Prozent in den Miesen - und das nach der jüngsten Rally mit einem Zuwachs von 36 Prozent in nur zwei Monaten, dem stärksten Zuwachs seit November 2001.
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DÜSSELDORF. "Anleger sollten Aktien kaufen, dann Schlaftabletten schlucken. Nach ein paar Jahren können sie sich über einen hübschen Gewinn freuen." Fast jeder Börsianer kennt die Weisheit des verstorbenen Altmeisters André Kostolany, zumal sie von der Fondsindustrie nur allzu gerne vermarktet wird. Doch die Realität sieht anders aus: Wer vor zehn Jahren gleichmäßig auf die 30 Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) gesetzt hat, steht heute mit zehn Prozent in den Miesen - und das nach der jüngsten Rally mit einem Zuwachs von 36 Prozent in nur zwei Monaten.

Und es kommt noch schlimmer: 30 Prozent stehen Anleger mit Dax-Aktien im Minus, wenn sie in den letzten zehn Jahren die Dividenden der Unternehmen nicht wieder angelegt haben. Denn anders als die meisten Börsenindizes wie etwa der Euro Stoxx50 oder der Dow Jones rechnet der Dax alle Firmenausschüttungen in die Kurse mit ein. Realistisch ist das nicht. Denn in der Praxis fressen Makler-, Bank- und Börsengebühren die Dividenden auf.

Geradezu desaströs schneiden Aktien schließlich ab, wenn man, wie bei jeder soliden Anlagestrategie, die Inflation mitberücksichtigt. Dann summieren sich die Verluste nach Berechnungen des Handelsblatts beim Dax in zehn Jahren auf 40 Prozent. Das ergibt Jahr für Jahr eine Negativrendite von fünf Prozent. Immerhin, auf Sicht von 20 Jahren verbleibt inflationsbereinigt eine Kleinrendite von jährlich gut 1,5 Prozent.

Angesichts solcher ernüchternder Zahlen wird der eine oder andere ruinierte Börsianer froh sein, dass es noch die staatliche Altersversorgung mit ihren Minirenditen gibt. Immerhin stieg die gesetzliche Rente im letzten Jahrzehnt durchschnittlich um ein Prozent pro Jahr. Erfolgreicher agierte hingegen, wer für sein Geld vor zehn oder 20 Jahren deutsche Staatsanleihen kaufte, beispielsweise Bundesschatzbriefe. Nach zehn Jahren verbleiben inflationsbereinigt 35 Prozent. Das sind pro Jahr drei Prozent. Auf Sicht von 20 Jahren ergeben sich jährlich sogar 4,3 Prozent, also viel mehr als bei der riskanten Aktienanlage.

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