Handelsblatt-Umfrage
Analysten favorisieren Pharmatitel

Nach dem Rekordhoch des Dax setzen die Aktienstrategen der großen Banken im zweiten Halbjahr vor allem auf Titel aus den Bereichen Versicherungen, Gesundheit und Technologie. Doch auch Biotechnologie- und Medientitel werden zunehmend interessanter. Das geht aus einer Handelsblatt-Umfrage unter rund einem Dutzend führender Banken weltweit hervor.

FRANKFURT. Die drei Branchen (Versicherungen, Gesundheit und Technologie) bilden den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich die Experten einigen konnten. Völlig kontrovers sind hingegen die Ansichten zu Schlüsselbranchen wie Automobil und Telekom. Biotechnologie- und Medientitel dürfen sich hingegen als Aufsteiger feiern lassen. Nach jahrelangem Schattendasein werden sie häufiger unter den Favoriten genannt.

Umfrage: Welche Branche wird sich ihrer Meinung am besten entwickeln?

Dass generell Zuversicht für die weitere Entwicklung der deutschen Top-30 herrscht, liegt an der aktuellen Ausnahmestellung der deutschen Wirtschaft in Europa. So raten die Strategen der US-Bank JP Morgan zwar zum Untergewichten europäischer Aktien gegenüber US-Werten, mit jedoch einer Ausnahme: Deutschland. „Die Erholung der deutschen Wirtschaft befindet sich noch in einer frühen Phase, so ist mit weiteren Fortschritten infolge der anhaltenden Umstrukturierungen zu rechnen“, heißt es dort.

Bei Finanzwerten, die zuletzt wegen vieler Übernahmeangebote im Blickpunkt standen, empfiehlt Peter Oppenheimer, Chef-Stratege bei Goldman Sachs, eine Dreiteilung. „Wir raten zum Übergewichten von Versicherungen, sind neutral bei Banken und untergewichtet bei Immobilienwerten“, sagt er. Günstige Bewertungen und eine attraktive Dividendenpolitik sind die Hauptgründe, warum Versicherungstitel nicht nur bei Goldman Sachs, sondern bei nahezu allen Großbanken beliebt sind. Von Lehman Brothers über Morgan Stanley bis zur Commerzbank stehen die Titel auf Empfehlungslisten.

Oppenheimers Dreiteilung zeigt aber auch, dass viele Strategen nach dem seit vier Jahren währenden Aufwärtstrend inzwischen nicht mehr direkt zu einzelnen Branchen raten, sondern hier noch einmal unterteilen. Auffällig ist dieser Trend auch bei den Technologiewerten, die sich erst mit dem einsetzenden konjunkturellen Höhenflug wieder steigender Beliebtheit erfreuen. Hersteller von Hardware und die Halbleiter stehen etwa bei Alain Bokobza von Société Générale hoch im Kurs: „Bei Hardware gibt es die lange erwartete globale Nachfragewelle, die Halbleiter-Werte beflügelt das Interesse der Private Equity-Branche“, sagt er. Dem Software- und IT-Service-Bereich dagegen misst er durchschnittliche Kurschancen zu. Neben Versicherern und Tech-Werten sind Titel aus dem Gesundheitsbereich angesagt. Ein Gewinnwachstum von 22 Prozent soll die Branche im laufenden Jahr erwirtschaften, hat Ian Scott, Chef-Stratege von Lehman Brothers in London errechnet. Mehr schafft seiner Ansicht nach nur der Telekomsektor. Wesentlicher Grund: Trotz der hervorragenden Gewinnchancen sind so genannte Health Care-Titel 2006 dem Aufwärtstrend hinterher gelaufen. Sie haben demnach also Potenzial nach oben. Auf der weltweiten Empfehlungsliste von Lehman Brothers ist auch Dax-Aufsteiger Merck vertreten.

In die gleiche Richtung gehen die lange vernachlässigten Biotech-Werte. „Die Bewertungen sind günstig wie nie zuvor, zudem erwarten wir bis 2010 ein Gewinnwachstum von 20 bis 25 Prozent“, sagt Alfred Roelli, Chef-Stratege bei der Schweizer Privatbank Pictet. Ganz wichtig zudem: Die Pharma-Aktien, als deren spekulatives Anhängsel Biotech-Werte oft gelten, geben die Richtung vor.

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