Handelsblatt-Umfrage
Optimisten trommeln gegen die Krise

An den Börsen herrscht seit Monaten Ausverkaufsstimmung; die Anleger stürzen sich auf vermeintlich sichere Geldanlagen. Zu Unrecht. Geht es nach Meinung von Wirtschafts-Nobelpreisträgern und einigen wichtigen Vertretern der internationalen Asset-Management-Branche ist die Angst vor der Aktie übertrieben.

FRANKFURT. Aktien und Anleihen mit Emittentenrisiken locken nach ihren Kursstürzen wieder zum Einstieg, ist die mehrheitliche Meinung von prominenten Experten. Staatsanleihen hätten zwar vom Run auf Sicherheit profitiert, seien nun aber nach starken Gewinnen eher mit Vorsicht zu genießen. Das Handelsblatt befragte Wirtschafts-Nobelpreisträger, wichtige Vertreter der internationalen Asset-Management-Branche sowie Leiter deutscher Fondsgesellschaften über die Krise und ihre Folgen für die Kapitalmärkte.

Nur eine Minderheit stemmt sich dem Optimismus entgegen. Zu dieser Gruppe zählt der als Querdenker bekannte Vermögensverwalter Marc Faber, der eine Weltwirtschaftskrise und weiter abrutschende Kapitalmärkte erwartet. Die vor einem Jahr am US-Hypothekenmarkt ausgebrochene Krise hat inzwischen den gesamten Finanzsektor erfasst. Skeptiker diskutieren sogar eine Weltwirtschaftskrise wie in den 30er Jahren und einen Kollaps des Finanzsystems.

Alle risikobehafteten Vermögensformen verbuchten in diesem Zuge dramatische Wertverluste: Aktien haben im Schnitt die Hälfte ihres Wertes verloren, viele Unternehmensanleihen rentieren nach ihren Kursstürzen mit zweistelligen Renditen. "Diese Risikoaufschläge sind in wenigen Monaten von historischen Tiefs zu historischen Hochs gesprungen", sagt Klaus Kaldemorgen, Chef von Deutschlands größter Fondsgesellschaft DWS. Teile der Kreditmärkte sind weiter ausgetrocknet.

Für Anleger zählt nur noch Sicherheit. Das belegen auch Umfragen wie jene von Union Investment unter institutionellen Investoren. Im Juli war Sicherheit für 74 Prozent der Befragten der wichtigste Anlageaspekt - im Vorjahr sagten das nur 23 Prozent. "Nach der Lehman-Insolvenz im September müsste die Quote weiter gestiegen sein", vermutet Alexander Schindler, Leiter des institutionellen Geschäfts bei Union Investment. Als sicher erscheinen Anlegern nur noch erstklassige Staatsanleihen und Bankeinlagen bei geschützten Instituten.

In der Krise regieren Emotionen. "Angst und Furcht sind sehr groß", konstatiert Wirtschafts-Nobelpreisträger Eugen Fama. Das erkennt auch Howard Marks von der US-Anlagegesellschaft Oaktree Capital Management. Als alter Hase im Anlagegeschäft hält er die Psychologie an den Märkten für extrem wichtig. "Es gibt zwar große Risiken, aber die Bereitschaft zum Risiko wird auch hoch belohnt", sagt der Mann aus Los Angeles.

Ein typisches Risikoinvestment ist die Aktie. Viele Verwalter sehen hier gute Einstiegsmöglichkeiten. "Normalerweise haben die Aktienmärkte sechs Monate Vorlauf auf den wirtschaftlichen Wendepunkt. Damit könnte eine neue Aufschwungphase im Frühjahr oder Sommer nächsten Jahres beginnen", sagt Jens Wilhelm, Vorstand von Union Investment. Er appelliert, die langfristigen Sparziele nicht aus den Augen zu verlieren: "Anleger können beginnen, Positionen in breit streuenden Aktienfonds-Klassikern aufzubauen."

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