Hedgefonds Aktivistische Aktionäre nehmen Europa stärker ins Visier

Hedgefonds wie Elliott oder Third Point halten die Vorstände in Atem. Für das kommende Jahr rechnen Experten mit einer Zunahme ihrer Kampagnen. Auch gute Unternehmen sind dagegen nicht gefeit.
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Seit 2013 haben sich die Attacken auf deutsche Unternehmen verdoppelt. Quelle: picture alliance / Westend61
Börsensaal in Frankfurt

Seit 2013 haben sich die Attacken auf deutsche Unternehmen verdoppelt.

(Foto: picture alliance / Westend61)

FrankfurtCarson Block hat mit seiner Firma Muddy Waters Capital wieder zugeschlagen. Dieses Mal wettet er mit Leerverkäufen auf Kursverluste beim kalifornischen Technologieunternehmen OSI Systems. Die Gesellschaft sei „bis ins Mark verdorben“ und übermäßig abhängig von einem einzigen Auftrag mit fragwürdigen Konditionen, erklärte der umtriebige Investor. Die OSI-Aktie fiel unmittelbar nach Veröffentlichung der Vorwürfe am Mittwoch um zwölf Prozent und konnte sich am Donnerstag nur teilweise wieder erholen. Das Unternehmen selbst wollte laut der Nachrichtenagentur Bloomberg keinen Kommentar abgeben.

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Block ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Im Frühjahr 2016 hatte ein umstrittener Report des Hedgefonds über den Werbevermarkter Ströer die Aktie abstürzen lassen. Ströer-Vorstandschef Udo Müller sagte nach der Attacke, Muddy Waters arbeite in seiner 62-seitigen Studie mit falschen Behauptungen und Unterstellungen. Leerverkäufer wie Muddy Waters machen ihr Geld damit, dass sie sich Aktien des angegriffenen Konzerns leihen, verkaufen und darauf wetten, sich später wieder günstiger eindecken zu können. Die Kursdifferenz ist ihr Gewinn.

Block gehört sicher zu den aggressiver vorgehenden Investoren, aber auch Hedgefonds wie Elliott oder Third Point können den Vorständen das Leben schwer machen. Für die Konzerne sind Investoren, die das Management umbauen wollen, Plätze im Aufsichtsrat für sich beanspruchen oder auf einer neuen Unternehmensstrategie pochen, äußerst unangenehm. Zuletzt wurde beispielsweise der deutsche Arzneimittelhersteller Stada von Active Ownership Capital (AOC) unter Druck gesetzt. Letztlich führte dies zur Übernahme von Stada durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven.

„Kein deutscher Konzernchef möchte derzeit von einem aktivistischen Investor auf dem falschen Fuß erwischt werden“, sagte Dirk Albersmeier, der das europäische Geschäft mit Fusionen und Übernahmen (M&A) bei JP Morgan leitet, am Donnerstag in Frankfurt. Entsprechend groß ist der Beratungsbedarf in den Vorstandsetagen. Seit dem Einstieg von Third Point beim schweizerischen Nahrungsmittelkonzern Nestlé sei den Firmenlenkern klar geworden, dass Größe und eine gute Marktposition keinen ausreichenden Schutz mehr böten.

Den Aktivisten gingen auf dem US-Markt die Ziele aus, deshalb schauten sie sich verstärkt in Europa um, ergänzte Albersmeier. Auch im Dax und MDax sei rund ein halbes Dutzend Unternehmen anfällig für aktivistische Kampagnen. Für das Gesamtjahr 2017 erwarten die Investmentbanker in Europa über 50 solcher Kampagnen durch ausländische Investoren, 2016 waren es nur 34 gewesen. Experten wie Hans-Jörg Ziegenhain von der Kanzlei Hengeler Mueller oder Jens Kengelbach von der Boston Consulting Group sind sich sicher – im nächsten Jahr wird man noch mehr Vorstöße seitens der Aktivisten sehen.

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