Trends
Heinrich MorgenMorgen Portfolio AG, Oberursel

Terror in London: Als Heinrich Morgen, am 7. Juli in seinem Büro den Computer hochfuhr, war der Dax schon drei Prozent im Minus und TUI, eine der wichtigsten Positionen des Fonds Morgen Portfolio UI, hatte sieben Prozent eingebüßt. Morgen wollte TUI aufstocken: "Allerdings setzte ich ein Kauflimit nach oben." Dumm gelaufen, TUI schnellte nach dem ersten Schrecken innerhalb von Minuten wie ein Flummi wieder auf das Vortagsniveau und Morgen konnte keine Anteilscheine einsammeln. "Darüber ärgere ich mich immer noch", grummelt der schmächtige Hesse und rückt seine randlose Brille zurecht.

Allzu große Risiken sind Morgen ein Gräuel. Sagt ihm das Chartbild einer Aktie, dass der positive Trend gebrochen ist, dann fliegt das Papier raus - egal, wie gut die Unternehmensdaten sind. "Nicht die Bilanzen oder die Analysten, sondern der Markt hat Recht", sagt Morgen. Emotionen seien da fehl am Platze. Um sich Skrupel beim Verkauf mit Verlust zu ersparen, finden sich in der entscheidenden Datenübersicht keine Einstandskurse. "Sich nicht von Verlustbringern trennen zu können, ist der größte Fehler von Profis und Privatanlegern", beklagt Morgen. Der passionierte Pfeifenraucher liebt klare Worte und schüttelt Börsenweisheiten wie "The trend is your friend" reihenweise aus dem Ärmel.

Ungeliebte Zickzack-Börsen

Jede noch so erprobte Grundregel habe aber ihre Grenzen. "Allein mit Logik kommen Sie an der Börse nicht weiter", sagt Morgen. Nicht, dass er sich jetzt doch den Emotionen hingäbe: Die bekannten Verhaltensmuster der Anleger - ganz gleich wie irrational sie sind - zum richtigen Zeitpunkt anhand der Charts zu erkennen: das sei die eigentliche Kunst. Bisher ist dies Morgen hervorragend gelungen. Als einer der wenigen Manager von Fonds mit deutschen Aktien schrieb er über die vergangenen fünf Jahre mit durchschnittlich plus 2,2 Prozent pro Jahr schwarze Zahlen. Der Dax machte im gleichen Zeitraum durchschnittlich 7,8 Prozent Miese jährlich. "Wir haben die Trends von der Tech-Euphorie bis zum Comeback der Substanzwerte beobachtet und einkalkuliert, aber keine dieser Wellen selber geritten", erklärt der 55-Jährige.

Schwierig wird es für ihn nur, wenn sich - so wie 2004 - über Monate keine klaren Trends abzeichnen. Morgen: "Bei Zickzack-Börsen gibt die Chartanalyse zu viele Fehlsignale." Das Timing sei bei Kauf und Verkauf nicht immer glücklich gewesen. So blieb auch sein Fonds, der Morgen Portfolio UI, mit einem Zuwachs von 2,5 Prozent hinter seinen Erwartungen zurück - der Dax stieg zeitgleich um 7,2 Prozent.

"Wegen eines schlechten Jahres alle Prinzipien über den Haufen zu werfen, wäre übertrieben", sagt Morgen. Jedes andere System zur Aktienauswahl habe auch seine Schwächen, ob es nun fundamental mit Unternehmensdaten oder halt doch technisch mit den Chartbildern arbeite. Und außerdem, seit Januar ist sein Fonds mit 14,9 Prozent im Plus - vier Prozentpunkte mehr als der Dax. Den Schub hat er vor allem Kursraketen unter den kleineren Aktien zu verdanken, Leoni und EM.TV zum Beispiel. Das mäßige Jahr 2004 tat Morgens Selbstbewusstsein keinen Abbruch. "Mindestens auf gleicher Höhe", lächelt Heinrich Morgen, als er von der Terrasse seines Büros auf die sich am Horizont abzeichnenden Frankfurter Bankentürme blickt.

» Hendrik Leber
Acatis Anlageberatung, Frankfurt

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Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 30 vom 21.07.2005 Seite 86 - 89

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