Helfer in Haft
„Gier frisst Hirn“

Ein weiteres Kapitel im Fall Richie Engler endet hinter Gittern: Auch die Helfer des Anlagebetrügers bekommen nun die Quittung. Sie wollen sich als Opfer verstanden wissen. Doch das Gericht glaubt ihnen nicht.
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MannheimDrei Hauptvermittler des Anlagebetrügers Ulrich Engler müssen für bis zu fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Mannheim verurteilte die 54 bis 71 Jahre alten Männer am Dienstag unter anderem wegen Betrugs in bis zu 441 Fällen. „Sie waren die erste Garde im System Engler nach Engler“, sagte der Vorsitzende Richter Andreas Lindenthal bei der Urteilsbegründung. Anfangs kauften die Männer nach Überzeugung der Kammer Engler seine Lügengeschichten noch ab, doch irgendwann merkten sie, dass an der Sache etwas faul war. „Aus Störfeuern sind grelle Warnlampen geworden.“ Die Angeklagten stiegen trotzdem nicht aus.

„Es ist in diesem Fall so, dass Gier das Hirn frisst“, fasste Lindenthal die Motivation der Männer zwischen 54 und 71 Jahren zusammen. Für ihre Vermittlung kassierten sie immens hohe Provisionen. Sie selbst hatten die Vorwürfe bis zuletzt bestritten und sich vielmehr als Opfer Englers dargestellt. Die Kammer nahm ihnen das nicht ab. „Es war mit Händen zu greifen, dass hier ein krummes Ding lief“, sagte Lindenthal. „Keiner hätte Geld gegeben, wenn er Ihre Erkenntnisse gehabt hätte.“

Die Haftstrafen variierten zwischen drei Jahren und drei Monaten und fünfeinhalb Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte etwas höhere Strafen gefordert. Die Verteidiger wollten einen Freispruch erreichen.

Engler war vergangenes Jahr vor demselben Gericht zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden - im Gegensatz zu seinen drei Hauptvermittlern legte er ein Geständnis ab. „Engler hat immerhin Verantwortung übernommen für das, was geschehen ist“, sagte Lindenthal. Der Anlagebetrüger hatte extrem hohe Renditen versprochen und Anleger um einen zweistelligen Millionenbetrag geprellt. Dafür gab er sich unter anderem als Chefhändler einer Bank aus.

„Und meine Herren, was haben Sie überprüft in dieser Angelegenheit?“, fragte der Vorsitzende Richter die Angeklagten. „Nichts, überhaupt nichts. Sie plapperten weiter Englers verzapften Unsinn nach.“

Der gebürtige Schwabe Engler zog die Fäden für den Schwindel in Florida. Die drei Angeklagten hatten beteuert, ihn für ein Finanzgenie gehalten zu haben. Lindenthal beschrieb die Gedankengänge der Angeklagten so: „Es musste einfach wahr sein. Es verhieß den Eintritt in eine zuvor versperrte Welt.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Innerhalb einer Woche ist die Revision zum Bundesgerichtshof möglich.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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