Hendrik Leber, Dirk Müller, Max Otte
„Der Markt ist ein harter Gegner“

Die Märkte zittern vor Griechenland, die neue Börsenwoche startet mit heftigen Abschlägen. Gut, dass es unterbewertete Aktien immer gibt. Welche Wertpapiere Value-Anleger Dirk Müller, Hendrik Leber und Max Otte kaufen.
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Das aktuelle Marktgeschehen wird vom Schuldendrama um Griechenland bestimmt. Der Dax schwankt kräftig. Doch die Entwicklung des Gesamtmarktes interessiert Value-Investoren weniger. Fondsmanager wie Max Otte, Hendrik Leber und seit einigen Monaten auch Dirk Müller suchen nach werthaltigen Einzelwerten. In der edlen Zigarrenlounge Cigarrum des Steigenberger Parkhotels in Frankfurt diskutieren sie bei einem Roundtable darüber, was Value heute ausmacht, wo sie jetzt zugreifen, welche Branchen interessant sind und wovon sie lieber die Finger lassen.

Herr Leber, Herr Müller, Herr Otte, gibt es nach der Rally der vergangenen Jahre überhaupt noch Schnäppchen für Value-Investoren?
Max Otte (schmunzelt): Das kommt auf den Risiko-Appetit an. Es gibt immer Schnäppchen. In Griechenland, in Russland, in Brasilien gibt es welche.

Dirk Müller: Zu jeder Zeit gibt es Unternehmen, die günstig bewertet sind. Das hat nichts mit dem aktuellen Dax-Stand zu tun. Ich kann ein Unternehmen, seine Bilanz, seinen Cashflow, seine Börsenbewertung analysieren. Wenn ich ein Unternehmen für 30 oder 40 Prozent unter dem errechneten Wert an der Börse bekomme, dann ist das ein Schnäppchen.

Hendrik Leber: Aber so richtig billig ist eigentlich keiner mehr.

Müller: Es gibt schon Unternehmen mit guten Bewertungen, die ich kaufen kann. Abgesehen von einigen Krisenregionen haben wir richtige Schnäppchen, die es beispielsweise nach einem richtigen Ausverkauf am Markt gibt, nicht mehr.

Otte: Vielleicht kann ich vermitteln. Im Qualitätssegment ist wirklich nicht mehr richtig billig, sondern eher schon etwas satt bewertet.

Überteuert?
Otte: Nein, das noch nicht. Satt bewertet bedeutet vielleicht, dass es etwas unterdurchschnittliche Renditen gibt. Aber das sind dann immer noch sieben oder acht Prozent. Im Vergleich zum Festgeld ist das bei solch sicheren Aktien wie Nestlé & Co. sicher nicht verkehrt. Richtig billig können nicht nur Schmuddel-Regionen, sondern auch Geschäftsmodelle mit einem Fragezeichen sein. Das sind dann Aktien, die in einer etwas weniger turbulenten Welt zur Normalität zurückkehren. Aber wir leben aktuell in einer Welt mit einem gewissen Endspielcharakter, weil so viel Geld im Umlauf ist und wir diese Zwangspolitik der Notenbanken haben. In einer solchen Zeit scheitern auch größere Unternehmen öfter als früher. Es sind also auch mehr Totalabstürze möglich. Das heißt, dass bei Geschäftsmodellen mit einem oder zwei Fragezeichen die Schnäppchenpreise zum Teil auch gerechtfertigt sind. Da gehe ich im Vergleich zu früher dann ein höheres Risiko ein.

Leber: An wen denken Sie da?

Otte: Ich denke beispielsweise an Einzelhändler, die schneller verschwinden können. Wir leben immer mehr nach dem Motto „The winner takes it all“, monopolartige Unternehmen setzen sich durch. Es gibt also immer mehr Monostrukturen oder auch Kartelle. Manche bestehen schon lange wie in der Öl- oder Pharmabranche, andere entstehen in kurzer Zeit wie bei High-Tech. Diese Kartelle vereinen immer mehr der Wertschöpfung auf sich. Dann gibt es noch eine Vielzahl von Start-ups im High-Tech-Bereich, die sich dann wiederum an die Kartelle verkaufen. Der Druck durch die Kartelle und monopolartigen Strukturen wird stärker, darauf werden Unternehmen reagieren müssen.

Leber: Ich schaue mir gerade Australien näher an, da breiten sich Aldi und Lidl aus. Das passt dazu. In England haben wir schon gesehen, wie die beiden Tesco das Leben richtig schwer gemacht haben. Das Billigheimer-Geschäftsmodell setzt sich weltweit durch. Auch in den USA sind die beiden präsent. Interessant, wie ein Geschäftsmodell testweise irgendwo implementiert wird und sich dann rasant ausbreitet.

Otte: Das ist genau die neue Welt, in der wir dann wirklich explosionsartiges Wachstum haben. Natürlich angefeuert durch den Turbolader Silicon Valley mit seinen Internetfirmen. Wir sehen, dass im Einzelhandel und auch in anderen Bereichen die Zyklen schneller werden – und damit die Möglichkeit eines rasanten Aufstiegs, aber auch Absturzes.

Macht es das für Value-Investoren schwieriger oder einfacher?
Otte: Das Spiel, auf die Normalisierung von Bewertungen zu setzen, funktioniert nicht mehr so einfach. Wir haben beispielsweise vor ein paar Jahren Metro zum halben Preis gekauft, also völlig unterbewertet. Die Aktie ist dann schnell gestiegen und wir sind mit 50 Prozent plus wieder ausgestiegen. Das wird immer schwieriger. Im Falle von Metro weiß man nicht, wo der Konzern jetzt steht. Vor allem nach dem Kaufhof-Verkauf.

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  • Der Markt ist KEIN GEGNER, der Markt ist der Ort, an dem freie Bürger (Nachfrage) auf freies Bürger (Angebot) trifft und dies im Wettbewerb untereinander in der Absicht der Gewinnerzielung. Sowas nennt man dann auch wirtschaftliche Wertschöpfung. Und zur wirtschaftlichen Wertschöpfung gehört auch die Bereinigung von unwirtschaftlichen = nicht zukunftsfähigen Innovations-Produkten via Insolvenz!
    Das griechische Umverteilungssystem von Geld und Kapital ist deswegen nicht wirtschafts- und zukunftsfähig, weil hier keine WERTSCHÖPFUNG stattfindet. Für Europa (EU) insgesammt wird es aber auch immer wichtiger, dass diese EU mehr wirtschaftliche Wertschöpfung betreibt. Und dies gelingt nur über die Schiene von Wissen und Innovation. Und dazu gehört, dass man sich "gefühlten Gefahren" stellt und darauf aufbauend eine Innovations und evoltionäre wirtschaftliche Wertschöpfung betreibt. Das Feuer wurde vom Menschen erst aus Angst gemieden und dann hat er es aber geschäfft diese Angst in eine positive Nutzung umzuwandeln. Das gleiche gilt für die Kernenergie -die für die EU und auch für Deutschland- eine Zukunft und Innovation für den Markt bereitstellt. Wir dürfen uns nur nicht von bestimmten Lobbygruppen (WWF und Greenpeace) bzw. von bestimmten Parteien wie die Grünen oder Linken von dieser ideologisch geschürten Gefühlsangst leiten lassen. Die Kernkraft ist genauso sicher oder unsicher, wie das Feuer. Das Feuer hat uns Menschen aber erst die "Erleuchtung" = Fortschritt gebracht. Und der nächste Schritt nach dem Feuer ist der der Kernkraft. Das ist sachlich und fachlich zwingend logisch. Die EU und Deutschland werden das Wissen um die Kernkraft in Zukunft noch dringend benötigen, wenn die EU und Deutschland ihre Innovationskraft nicht verlieren will. Danke!

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