Herkömmliche Indizes bekommen Konkurrenz
Neue Gewinnchance bei Anlagen in Hedge-Fonds

Anleger, die auch bei Hedge-Fonds passive Strategien bevorzugen, können hoffen. Wissenschaftliche Erkenntnisse legen nahe, dass sich Hedge-Fonds-Strategien zu einem Großteil durch die Kombination von Risikofaktoren nachbilden lassen.

Passive Investmentstrategien haben durchaus Charme. Mit ihnen kann man einfach und relativ günstig auf bestimmte Indizes setzen und von der Wertentwicklung des jeweiligen Gesamtmarkts profitieren. Es erstaunt daher nicht, dass professionelle Investoren große Teile ihrer Aktien- und Rentenanlagen passiv managen. Was bei Aktien und Renten zu guten Ergebnissen führt, kann auch bei Hedge-Fonds nicht verkehrt sein, denkt sich mancher Anleger und erwägt ein Investment in ein Hedge-Fonds-Index-Produkt.

Probleme zeigen sich aber, wenn man in Hedge-Fonds-Indizes investieren will. Die willkürliche Indexzusammenstellung oder fehlende effektive Investitionsmöglichkeiten sind zwei Gründe, weshalb investierbare Hedge-Fonds-Indizes kein repräsentatives Abbild des Hedge-Fonds-Markts sind. Dies erklärt, wieso die investierbaren und nicht investierbaren Hedge-Fonds-Indizes voneinander abweichen. Während die nicht investierbare Version des strategieübergreifenden HFR-Index des Index-Anbieters Hedge Funds Research (HFR) seit Anfang 2003 zirka 30 Prozent zulegte, wies sein investierbares Pendant HFRX im gleichen Zeitraum nur eine Performance von zehn Prozent auf.

Trotzdem ist die Aussicht, passiv anzulegen und die aufwändige Strategie- und Managerauswahl umgehen zu können, verlockend. Neue Ergebnisse aus der Forschung geben Anlass zur Hoffnung, dass dies bald auf eine neue Art möglich ist. Research-Abteilungen beschäftigen sich mit der Frage, ob man mit Hilfe der Analyse und Kombination von Risikoprämien nicht auch Indizes und investierbare Produkte strukturieren kann. Erste Index-Konstruktionen auf Basis dieser "alternativen Betas" sind viel versprechend und lassen eine echte Alternative zu aktuellen Indizes erwarten.

Sharpe-Modell als Vorlage

Grundlage der aktuellen Forschung sind die Arbeiten des Nobelpreisträgers William F. Sharpe über aktive Management-Strategien von Portfolios. Die beschrieb er als Linearkombination verschiedener Sub-Indizes, die bestimmte Risikofaktoren an den Kapitalmärkten abbilden, wie zum Beispiel die Risiken des breiten Aktienmarkts. Seine Erkenntnis über die Abhängigkeit der Rendite von einzelnen Risikofaktoren wird als "Beta" bezeichnet. Die Forscher William Fung und David Hsieh übertrugen Sharpes Modell auf Hedge-Fonds und erkannten, dass es auch für dieses Anlagesegment Faktormodelle gibt, mit denen die Renditen gut erklärt werden können. Heute arbeitet man an alternativen Betas wie Zinsdifferenzen verschiedener Währungen oder Renditedifferenzen verschiedener Rohstoff-Terminkontrakte.

Die Ergebnisse lassen erwarten, dass sich Hedge-Fonds-Strategien zu einem Großteil durch die Kombination von Risikofaktoren replizieren lassen. Man investiert in Instrumente, die die Risikoprämien der einzelnen Hedge-Fonds-Strategien abbilden und erhält entsprechende Renditen. Dass dieser Ansatz aussichtsreich ist, kann an der Anlagestrategie Long-/Short-Equity anhand der Daten von HFR gezeigt werden. Die nachgebildete Strategie - die replizierende Faktor-Strategie, kurz RFS - schlägt den investierbaren Index (HFRX) deutlich und kommt sogar an den nicht-investierbaren Index (HFRI) heran.

Lars Jäger ist Partner bei der Alternativ-Investment-Gruppe Partners Group.

Quelle: Handelsblatt Nr. 178 vom 14.09.05 Seite b02

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