Hikmet Ersek
Der mächtige Geldbote

Hikmet Ersek führt seit fünf Jahren die Geschicke von Western Union in Colorado und hat große Aufgaben. Der Österreicher muss den globalen Finanzdienstleister neu in Schwung bringen – am besten so schnell wie möglich.

Es ist frisch an diesem Morgen in Englewood, Colorado, als eine schwarze Limousine vorfährt. Wolken hängen über dem weitläufigen Parkplatz im Süden von Denver, noch ist nichts zu sehen von den Rocky Mountains, deren Gipfel sich sonst gut sichtbar im Westen erheben.
Ein Hüne entsteigt dem dunklen Schlitten. Auf seiner Stirn ist eine markante Furche zu erkennen. Der Mann sieht zerknittert aus, er fährt sich kurz durch die Haare, streicht sie nach hinten, sortiert sich. Dann nähert sich die mächtige Gestalt der Zentrale von Western Union, mit breiten, schweren Schritten. Es wunderte einen nicht, würde der Mann Cowboystiefel tragen. Dann, nach einem Moment der Überraschung, des Erkennens, bleibt er stehen. "Willkommen in Denver", sagt Hikmet Ersek. In gedehntem Wienerisch.

In Istanbul, der Heimat seines türkischen Vaters, ist Hikmet Ersek geboren und groß geworden. "Mittelständisch" nennt er seine Eltern, beide seien Beamte gewesen, "nicht reich, nicht arm". Mit 19 Jahren ging Ersek nach Wien, in die Heimat seiner Mutter. "Ich bin dort sehr gut aufgenommen worden", erinnert er sich. "Ich habe Basketball gespielt – und im Sport gibt es keine Vorurteile. Sie sind entweder gut oder schlecht und haben Spaß dabei."

Er studierte an der Wirtschaftsuniversität, fing 1986 bei einer Kreditkartenfirma an, die später in Mastercard aufging, und stieg langsam auf. Nach einem Abstecher zu General Electric ging Ersek Ende der neunziger Jahre zu Western Union – und machte dort richtig Karriere: Seit 2010 ist er Vorstandschef.

Es ist nicht irgendein Konzern, den der Österreicher führt. Western Union ist ein traditionsreiches Unternehmen, eine amerikanische Ikone. 1851 gegründet, war es einst mit Telegrammen, Boten und Börsentickern groß geworden und präsent in Songs, Büchern und Filmen. Vor 30 Jahren begann es, das Geschäft mit Geldtransfers zu internationalisieren – und heute ist Hikmet Ersek Herr über ein Netz, das mit 550.000 Anlaufstellen rund 200 Länder und Territorien umfasst. In Banken, Postfilialen oder auch Handyshops und Internetcafés bietet Western Union seine Dienste an.

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