Hintergrund
Was die Tipps der Analysten wert sind

Analysten sind nicht zu beneiden. Sie haben keinen leichten Job. Legt ein Unternehmen Quartalszahlen vor, setzt es seinen Finanzchef vor die Tür oder gibt es eine Gewinnwarnung heraus - den Experten bleibt nur wenig Zeit, ihren Kunden zu erklären, was das für die Aktie bedeutet.
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FRANKFURT. Die Kunden zahlen gutes Geld für die Einschätzung der Analysten. Und sie wollen die Infos vor den Anderen haben. An der Börse zählt Geschwindigkeit. Eilig müssen sich die Analysten deshalb eine Meinung zurecht legen. Sind die Quartalszahlen positiv ausgefallen oder nicht? Sind die Aussagen des Konzernchefs zu den künftigen Geschäftsaussichten gut für die Aktie des Unternehmens oder schlecht? Je nachdem, wie die Analysten die Situation des jeweiligen Unternehmens einschätzen, lautet ihr Urteil für die Aktie dann: "Kaufen", "Halten" oder "Verkaufen".

Anleger sollten dem Urteil der Analysten nicht blind vertrauen. Von einer "Halten-Empfehlung" ist zum Beispiel häufig wenig zu halten. Sie ist meist ein fauler Kompromiss. Entweder eine Aktie ist günstig bewertet - oder sie ist es nicht. Manche Analyseabteilungen - wie etwa Chevreux - verzichten daher ganz auf solche Bewertungen. Hier zählt nur: kaufen oder verkaufen.

Vorsicht ist dann angebracht, wenn eine Aktie nur von wenigen Analysten beobachtet wird. Ein einzelner Experte kann sich schnell irren. Je mehr Experten eine Empfehlung abgegeben haben, desto verlässlicher ist das Gesamtbild. Sicherheit gibt das allerdings noch nicht. Die Masse kann daneben liegen; das haben die vergangenen Monate gezeigt. Die Wucht der Finanzkrise haben die Analysten unterschätzt. Nur sehr langsam korrigierten sie ihre Schätzungen der Unternehmensgewinne nach unten. Viele Aktien erschienen daher gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) günstiger als sie tatsächlich waren.

In wenigen Fällen steckt hinter einer Empfehlung sogar ein eigennütziges Interesse. Ganz unabhängig sind Analysten nämlich nicht.

Den Banken ist oftmals daran gelegen, dass die Bewertung einer Aktie positiv ausfällt. Dann nämlich wird sie erst interessant für die Anleger. Je mehr Kundenaufträge kommen, desto besser verdienen die Geldhäuser. Die Bewertung eines Unternehmens fällt daher im Zweifelsfalle eher besser als schlechter aus. Und: Möglicherweise besteht eine Kundenbeziehung zwischen Bank und Unternehmen. Auch dann könnte der Bank daran gelegen sein, dass das Urteil aus der Analyseabteilung wohlwollend ausfällt.

Dennoch: Die Studien der Analysten bieten Anlegern in der Regel eine gute Informationsgrundlage. Viele Experten betreuen eine Branche über mehrere Jahre. Sie können meist sehr gut einschätzen, wie sich ein Unternehmen entwickelt und wo Gefahren lauern.

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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