Historische Wertpapiere: Es geht um viel mehr als nur Rendite

Historische Wertpapiere
Es geht um viel mehr als nur Rendite

Auch nach ihrer aktiven Börsenkarriere können Aktien oder Anleihen ihren Besitzern gute Renditen einbringen. Doch für das Gros der Sammler historischer Wertpapiere ist das lediglich ein Randaspekt. Ein Auktionsbesuch.
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WürzburgAls Unternehmen Pleite gehen, an denen Siegfried Wisotzky beteiligt ist, weiß er zunächst nicht, was er tun soll. Einige der Wertpapiere in seinem Depot sind plötzlich nur noch das Papier wert, auf das sie gedruckt wurden. Trotzdem lässt sich Wisotzky die Unternehmensbeteiligungen mit der Post zuschicken. Doch, „was anfangen mit dem Zeug?“, fragt er sich. Auf der Suche nach einer Verwertungsmöglichkeit stößt er auf Sammlerbörsen und Auktionen, auf denen Papiere wie seine weiter ver- und gekauft werden. Das war vor mehr als 20 Jahren. Inzwischen ist Wisotzky fester Bestandteil der deutschen Sammlerszene.

Die sitzt am Samstagmorgen in einem dunkelbraun getäfelten Tagungssaal der Würzburger Barockhäuser. Sie alle eint die gleiche Leidenschaft: Scripophilie. Was wie eine ansteckende Krankheit klingt bezeichnet das Sammeln historischer Wertpapiere. Fünf- bis sechsmal pro Jahr finden in Deutschland Präsenzauktionen statt. Weitere Versteigerungen gibt es in Belgien, England, der Schweiz, Österreich und Italien. Daneben kommen betagte Stücke online unter den Hammer oder werden auf Händlerplattformen zum Verkauf angeboten.

Wie hier auf der 29. Auktion der Historischen Wertpapierhaus AG halten die Sammler Ausschau nach wertlosen Aktien, Anleihen oder Pfandbriefen. Wertlos deshalb, weil diese Papiere in der Regel keine Rechte mehr verbriefen. Entweder weil ihre Laufzeit zu Ende ist, das Unternehmen nicht mehr existiert oder durch eine Fusion eine neue Gesellschaft entstanden ist, die neue Anteilsscheine ausgegeben hat. Historische Wertpapiere werden deshalb auch Nonvaleurs genannt, weil sie lediglich noch einen ideellen Wert besitzen. Allerdings können die in Sammlerkreisen noch einiges einbringen.

Im zweiten Obergeschoss der Barockhäuser wirft ein Beamer das Bild einer Aktie an die Stirnwand des Georg-Bayer-Saals. Daneben stehen die Losnummer 165 und das Mindestgebot: 1500 Euro. „Wer geht mit?“, fragt Matthias Schmitt, Auktionator und Veranstalter der Versteigerung, in den Saal hinein. Ein Teilnehmer in der ersten Reihe reckt einen Zettel in die Luft auf dem eine „8“ notiert ist. Mit der anderen Hand drückt er ein Handy gegen sein Ohr. „1550 geboten, 1600 bei mir,“ ruft Schmitt, dem ein schriftliches Gebot für die Aktie vorliegt. Der Mann spricht etwas auf russisch in sein Telefon und hebt anschließend erneut seine Bieternummer nach oben. Der Preis springt auf 1650 Euro.

In den folgenden Minuten klettert der Wert der alten Aktie im Halbminuten-Takt. Aus 50-Euro-Schritten werden 100- und später 500-Euro-Sprünge. Als Matthias Schmitt schließlich den Hammer fallen lässt, klopfen die überwiegend älteren Herren im Saal anerkennend auf die Marmormaserung ihrer Tischplatten. Der Mann mit dem Telefon beendet sein Gespräch. Er hat soeben eine seltene historische Aktie aus St. Petersburg aus dem Jahr 1912 ersteigert. Der Preis: 5.500 Euro.

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