Historische Wertpapiere
Für eine Hand voll Euro

Der Name „Nonvaleurs“ täuscht. Denn für historische Aktien legen Sammler und Historiker aus aller Welt bis zu 100 000 Dollar auf den Tisch. In Deutschland werden die Wertpapiere auf einer der rund zwölf jährlich stattfindenden Auktionen gehandelt.

BERLIN/DÜSSELDORF. Dreizehn Bieternummern werden zu Beginn verteilt. Nur wenige Menschen mehr sitzen im großen Ernst-Schneider-Saal der Düsseldorfer Börse, als die Versteigerung beginnt. Die ersten drei historischen Wertpapiere wechseln für jeweils einen Euro den Besitzer. „Etwas mehr wird heute doch noch möglich sein“, sagt Florian Weber, Aktienhändler und Hobby-Auktionator. Bietergefechte wollen in den ersten Minuten jedoch nicht aufkommen. Denn die Zeit ist alles andere als günstig. Der Markt für historische Wertpapiere wird überschwemmt – von Berlin aus.

Am 3. Juni werden im Bundesgesundheitsministerium in der Berliner Wilhelmstraße nach 2003 und 2005 zum dritten Mal historische Aktien verkauft, diesmal kommen 2,5 Millionen Stück, die in der ehemaligen Reichsbank lagern, unter den Hammer. Die Papiere stammen aus 2 400 Emissionen von knapp 1 400 Firmen aus der Zeit zwischen 1836 und 1945. Die Versteigerungen aus Reichsbankbeständen haben den Markt verändert. „Dort werden die Aktien teilweise gleich in Bündeln mit mehreren tausend Stück verkauft“, sagt Klaus Schiefer, Gutachter für historische Titel. Das habe die Preise für deutsche Aktien aus den Jahren von vor 1945 kräftig unter Druck gesetzt. In der Tat, von den 30 Millionen Aktien aus Reichsbankbeständen sind mit der Auktion Anfang Juni bereits über die Hälfte auf dem Markt.

Die Berliner Auktionen sind damit längst zu Pflichtterminen für Händler und Sammler geworden. Christian Stoess, Projektleiter für die Versteigerung des „Reichsbankschatzes“ von der Firma Dr. Busso Peus in Frankfurt, erwartet daher auch diesmal „eine Schlacht um die historischen Wertpapiere“. Erstmals sind zudem Wertpapiere des größten Konzerns im Dritten Reich, der umstrittenen IG Farben, im Angebot. „Es sind historische Dokumente“, verteidigt Stoess den Verkauf der Aktien. „Die sollte man nicht vernichten.“ Die 900 000 IG-Farben-Aktien werden für 60 000 Euro angeboten.

Seite 1:

Für eine Hand voll Euro

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%