Historische Wertpapiere sind bei Sammlern beliebt
Rockefellers Signatur ist viel Geld wert

An der Börse sind sie out, bei Sammlern in: historische Wertpapiere. Wer mit alten Aktien und Anleihen Geld verdienen will, muss sich allerdings auf dem Markt gut auskennen.

Je schöner die Aktie, desto dringender braucht die Gesellschaft Geld, hieß es in der Gründerzeit.Ob dampfende Eisenbahnen oder Schiffe auf hoher See, Bilder auf feinstem Pergamentpapier erhielt der Aktionär, wenn er sich damals an einem Unternehmen beteiligte - und nicht wie heute nur eine Buchungszeile. Historische Wertpapiere haben zwar keinen reellen Wert mehr und sind an keiner Börse der Welt zu finden, aber ihr Preis ist heute oftmals um ein Vielfaches höher als der je an der Börse erzielte.Die derzeit wertvollste der "Nonvaleurs", der Wertlosen: die Standard-Oil-Gründeraktie aus dem Jahr 1871 mit der Originalunterschrift von John D.Rockefeller.Ihr Preis beträgt 134.000 US-Dollar.

Historische Wertpapiere begeistern nicht nur Nostalgiker und Sammler, sondern auch Börsianer und Steuerberater.Das Sammeln der Nonvaleurs sei ein Betätigungsfeld für Investoren mit einem Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren, sagt Michael Weingarten, Vorstand der AG für historische Wertpapiere in Wolfenbüttel.Er hält die Zeit günstig für einen Einstieg.Das Schlimmste sei überstanden, und die Papiere seien noch günstig zu haben.

Nach Schätzungen der AG für historische Wertpapiere, die zu zwei Dritteln den Markt beherrscht, war der Rückgang 2003 mit einem Minus von 15 Prozent beträchtlich.Die schwache Konjunktur und die fehlende Kauflust der Deutschen habe sich ab 2000 in der Nachfrage nach historischen Wertpapieren widergespiegelt.Für dieses Jahr ist Weingarten zuversichtlich und rechnet mit einem bescheidenen Umsatzplus.

Wer den schnellen Euro sucht, ist in dem kleinen Markt für historische Wertpapiere fehl am Platz."Der Markt ist etwas für Spezialisten, die sich sehr gut auskennen", sagt Hans-Georg Glasemann, Sachverständiger für historische Wertpapiere in Frankfurt.Der Abwärtstrend auf dem deutschen Markt für historische Wertpapiere ist seiner Meinung nach noch nicht gestoppt.

Ein Grund sind die Schätze aus der ehemaligen DDR, die im Keller der Reichsbank in Berlin die Bombenangriffe von 1945 überstanden und erst nach der Wiedervereinigung entdeckt wurden.Zwölf Millionen Aktien und Anleihen von 900 Emittenten aus der Zeit zwischen 1846 und 1944 bringt das Bundesamt zur Regelung offener Vermögensfragen nach und nach unter den Hammer.Bereits die erste Auktion sorgte für Unsicherheit bei Sammlern.Das Angebot verdoppelte sich schlagartig, Raritäten waren plötzlich zu Tausenden zu haben, die Preise purzelten."Der Markt ist auf Grund seiner Größe sehr empfindlich", erklärt Glasemann.Außerdem entzog die Auktion mit dem Erlös von 2,2 Millionen Euro Kaufkraft von Endkunden und hinterließ Lücken in den Büchern der Auktionshäuser und spezialisierten Händler.Eine zweite Auktion findet im Januar 2005 statt, weitere sollen folgen.Die Unsicherheit bleibt.

Der deutsche Markt für historische Wertpapiere ist mit einem geschätzten Umsatzvolumen von zwei bis drei Millionen Euro klein, intransparent und in der Hand weniger Auktionshäuser und Händler - ein Paradies also für Spekulanten. "Wer ausschließlich Geld verdienen will mit historischen Wertpapieren, Finger weg", warnt Glasemann.Für leidenschaftliche Sammler gilt das selbstverständlich nicht, denn für sie zählt ja ohnehin nur der symbolische Wert der Wertlosen.

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