Historische Wertpapiere - Wenn Wertloses teuer ersteigert wird
Geldanlage mit Geschichte

Die Fachbezeichnung „Nonvaleurs“ führt in die Irre. Für Anleger, die sich am aktuellen Kurszettel orientieren, sind sie zwar in der Tat so gut wie wertlos – nicht jedoch für Sammler und Historiker.

FRANKFURT/M. Für diese Spezies verkörpern historische Wertpapiere als stumme Zeugen der Zeitgeschichte mehr als nur den symbolischen Wert. Ungültige Wertpapiere von Gesellschaften, die nicht mehr börsennotiert sind, haben die Sammelleidenschaft von Börsianern und historisch interessierten Menschen geweckt.

Vielleicht mag das am Tempo der Globalisierung oder an der allgemeinen Rast- und Ruhelosigkeit der Menschen liegen: Die Sucht nach Nostalgie, die Erinnerung an die ach so gute alte Zeit zieht immer mehr Menschen in ihren Bann. Kleinode wie historische Wertpapiere tragen ihren Teil dazu bei, diese Sehnsucht zu erfüllen. Dass wertlose Wertpapiere inzwischen nicht mehr unter 50 000 Dollar zu haben sind, zeigt die Bedeutung dieses Marktes.

Doch wer den schnellen Euro will, ist bei historischen Wertpapieren fehl am Platz. Selbst in der Hausse Ende der neunziger Jahre ging diese Rechnung bei den Nonvaleurs nicht auf. Dabei fand die Scripophilie – der Fachbegriff für das Sammeln von historischen Wertpapieren – gerade in Zeiten des Börsenbooms viele neue Freunde. Dies waren meist jene Yuppie-Börsianer, die in der Ära des Neuen Marktes in Deutschland mit Aktien „an einem Tag mehr als ein ganzes Haus“ gewannen und dann mal so nebenbei auch 15 000 Euro in alte Wertpapiere steckten. „Diese Käufer hatten aber weder ein wirkliches Interesse an unserem Sammelgebiet, noch die Liebe zum Detail“, sagt Jörg Benecke, Vorstand der AG für Historische Wertpapiere in Wolfenbüttel.

Es habe nicht verwundert, dass das Platzen der Internet-Blase und die Baisse an den Weltbörsen auch die Scripophilie ins Mark traf, sagt Reinhild Tschöpe vom Kaarster Auktionshaus Tschöpe. Die Preise für Nonvaleurs brachen stark ein – „um durchschnittlich fast 50 Prozent“, beklagt Jörg Benecke.

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