Managergehälter: Investoren wollen Vergütungsexzesse einschränken

Hochbezahlte Manager
Investoren wollen Vergütungsexzesse einschränken

Pensionsfonds und Anleger gehen verstärkt gegen hohe Managergehälter vor. 2016 wurden Vergütungspläne in den USA und Großbritannien so häufig abgelehnt wie zuletzt vor fünf Jahren. Auch in Deutschland wächst die Kritik.
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DüsseldorfDer Wind dreht sich. Schien es lange so, als wären die Vorstandsetagen abgeschirmt von der Debatte über wachsende globale Ungleichheit, so formiert sich nun Widerstand. Eine Gruppe will jetzt gegen Boni-Exzesse und Rekordvergütungen von Topmanagern vorgehen, die man bislang nicht unbedingt auf der Liste hatte – die gleichzeitig aber umso einflussreicher ist: große Investoren. Das berichtet die Financial Times (FT).

„Man müsste schon den Kopf in den Sand stecken, um nicht die öffentliche Einstellung zur Managervergütung mitzubekommen“, sagte Euan Stirling, Verwaltungschef der britischen Versicherung Standard Life, der FT. Standard Life verwaltet ein Vermögen von 200 Milliarden Euro, investiert es in Unternehmensbeteiligungen, mit den Erträgen werden etwa die Renten von Millionen Kunden bezahlt. Doch bei Standard Life ist man unzufrieden mit den Vorstandsbezügen vieler Firmen, die sich zunehmend unabhängig vom Geschäftserfolg entwickeln. Standard Life hat daher nun strengere Abstimmungsregeln zur Managementvergütung aufgesetzt.

Standard Life steht mit diesem Schritt nicht allein. Auch andere mächtige Versicherungen und Investmentgesellschaften – darunter Fidelity, Aberdeen, Calpers und Henderson – wollen 2017 den Druck auf Unternehmen erhöhen, um Gehaltsexzesse zu unterbinden und die Transparenz zu erhöhen.

Der Trend beschränkt sich nicht auf bloße Ankündigungen: Bereits 2016 lag die Zahl der Investorenproteste laut FT auf dem höchsten Wert seit fünf Jahren. Daten des britischen Informationsdienstes Manifest zeigen, dass sich 2016 zwischen zehn und 20 Prozent aller Anteilseigner weigerten, Vergütungspläne abzusegnen – bei 62 Großunternehmen aus dem US-Index S&P500 sowie bei 18 Firmen aus dem britischen FTSE 100.

Eine ausgewachsene Rebellion, bei der mehr als die Hälfte der Anteilseigner einen Vorschlag zur Managementvergütung ablehnten, gab es bei sieben der größten US-Unternehmen und bei drei britischen. Der Anlegerzorn traf unter anderem den Ölkonzern BP, den Haushaltswarenhersteller Reckitt Benckiser, den Rohstoffkonzern Anglo American, die IT-Firma Oracle und das Medienunternehmen WPP, dessen Chef Martin Sorrell 2016 ganze 70 Millionen Pfund verlangte. Ein Drittel der Anteilseigner votierte dagegen, ähnliches geschah kürzlich beim Reisekonzern Thomas Cook. Der Zigarettenhersteller Imperial Brands musste seinen Vergütungsplan abändern.

Einer der größten Kritiker überhöhter Bezüge ist Dominic Rossi, Chefanlagestratege beim US-Vermögensverwalter Fidelity. Er hat häufig gegen Vergütungspläne votiert. „Ich habe keinen Zweifel, dass die Vermögensverwaltungsbranche zunehmend der Ansicht ist, dass hier ein stärkerer Druck auf Unternehmen ausgeübt werden muss“, sagte Rossi gegenüber der FT. Fidelity beaufsichtigt ein Anlagevermögen von 284 Milliarden Dollar und will 2017 gegen jedes Vergütungsgremium stimmen, wenn der Vergütungsplan des Unternehmens zum zweiten Mal in Folge unakzeptabel erscheint. Andere Pensionsfonds und Vermögensverwalter wollen in Zukunft verstärkt den sogenannten „Quantum“-Wert heranziehen, die Gesamthöhe der Zahlungen an das Topmanagement. Damit soll die „angemessene Gehaltssumme“ abgeschätzt werden.

Nicht zuletzt die politische Kritik am Verhalten von Topmanagern – und dem Absegnen ihrer Bezüge durch die Anteilseigner – hat laut Financial Times zu einem Umdenken geführt. „Es gibt das Gefühl, dass das Big Business aus dicken Katzen besteht, die sich vor allem um sich selbst kümmern. Die Bezahlung ist außer Kontrolle geraten“, zitiert die Zeitung einen Investor.

Auch in Deutschland ist die Debatte angekommen. „Die Vergütungen des Topmanagements werden auf den Hauptversammlungen immer aktiver diskutiert“, sagt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Die Aktionäre entscheiden nicht abgekoppelt von der gesellschaftspolitischen Diskussion.“

Und es wird nicht nur diskutiert – der Widerstand gegen hohe Gehälter nimmt zu. So hat die Zustimmungsrate im Bereich Vorstandsvergütung bei den Dax-30-Unternehmen deutlich abgenommen. Laut einer Erhebung der DSW sind die Neinstimmen zu Vorstandsvergütungssystemen stark angestiegen: Von 3,7 Prozent im Jahr 2014 über 7,2 Prozent 2015 auf ganze 23,8 Prozent im vergangenen Jahr. „Die Aktionäre sind deutlich kritischer geworden. Und das gilt nicht nur für Privatanleger. Auch viele institutionelle Investoren vertreten heute aktiv ihre Stimmrechte“, erklärt Kurz. Früher hätten sie sie oft verfallen lassen, oder gleich unkritisch mit dem Management gestimmt.

Klar ist aber auch: Die Größenordnungen in Deutschland unterscheiden sich von denen in den USA und Großbritannien. Während der bestbezahlte US-Vorstandschef, Robert Iger von Walt Disney, 2016 ein Gehalt von 39,2 Millionen Euro bekam, musste sich der Topverdiener unter den deutschen Konzernlenkern, Dieter Zetsche von Daimler, mit 8,5 Millionen Euro bescheiden.

Vielleicht wirkt der kritische Geist der Aktionäre aber auch bereits: Martin Winterkorn hatte als VW-Chef 15 Millionen Euro kassiert.

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  • Wie sagte doch Nikolaus von Bomhard (mUnich RE) neulich noch: „Die Vorgabe einer Höchstquote wäre ein deutlicher Eingriff in die Eigentümerrechte.“

    Tja, so ein Pech, jetzt kommen die Eigentümer selbst auf die Idee, dass hier etwas nicht stimmt.

    Höchste Zeit für die Aufsichtsräte, sich mal darüber Gedanken zu machen, ob sie als gewählte Aktionärsvertreter wirklich noch die Interessen der Aktionäre vertreten, z. B. durch solche Deals wie mit Christine Hohmann-Dennhardt, Martin Winterkorn, etc.

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