Hochfrequenzhändler: Die bösen Buben des Finanzmarktes

Hochfrequenzhändler
Die bösen Buben des Finanzmarktes

Hochfrequenzhändler zocken mit ausgeklügelten Computerprogrammen und Glasfaserleitungen Sekundenbruchteile schneller als die Konkurrenz. In einem Buch wird ihnen Marktmanipulation vorgeworfen. Die Wall Street bebt.
  • 0

New YorkAn der Wall Street liegen die Nerven blank: „Michael und Brad, Schande über euch„, fährt William O'Brien, Chef der expandierenden US-Börse BATS, sein Gegenüber an. „Ihr habt Tausende Leute fälschlicherweise angeschwärzt und möglicherweise Millionen von Anlegern verschreckt, nur um ein Geschäftsmodell zu bewerben.“ Der Attackierte ist der frühere Börsenhändler Brad Katsuyama, der mit gleicher Münze heimzahlt: „Ich bin überzeugt, dass die Märkte manipuliert sind. Ich bin überdies der Meinung, dass Sie bei dieser Manipulation mitmachen.„

Damit ist der Ton für die nächsten 20 Minuten gesetzt. Worüber die Herren in den dunklen Anzügen live auf dem US-Wirtschaftssender CNBC streiten, ist der sogenannte Hochfrequenzhandel. Finanzfirmen versuchen dabei mittels ausgeklügelter Computerprogramme und hochmoderner Datennetze, Sekundenbruchteile schneller zu sein als andere Anleger und eine Aktie ein paar Cent günstiger zu kaufen oder teurer zu verkaufen. Bei Abermillionen Transaktionen läppert sich das zu hübschen Summen.

Wer ist schuld? Die Hochfrequenzhändler

Das Thema Hochfrequenzhandel ist brandheiß und beschäftigt die Börsenaufsicht SEC, die Bundespolizei FBI und die New Yorker Staatsanwaltschaft. Hochfrequenzhändler destabilisieren die Märkte, sagen Kritiker. Sie führen als Beispiel den Flash Crash im Jahr 2010 an. Damals waren die Kurse an der Wall Street ohne ersichtlichen Grund binnen Minuten abgestürzt. Finanzaufseher machten später einen einzelnen fehlerhaften Verkaufsauftrag als Urheber ausfindig, der eine Kettenreaktion ausgelöst habe. Die Computerprogramme liefen quasi Amok.

Ein zu Wochenbeginn erschienenes Buch des Bestseller-Autors Michael Lewis rückt die Branche in ein sehr schlechtes Licht – und führte zu dem Schlagabtausch vor laufenden Fernsehkameras. Lewis bezichtigt in „Flash Boys“ die Hochfrequenzhändler, sich an den Börsen Informationen über die Kaufaufträge anderer Anleger zu verschaffen, um ihnen die Wertpapiere vor der Nase wegzuschnappen und anschließend zu einem höheren Preis an den ursprünglichen Kaufinteressenten zu verkaufen. Lewis nennt dies eine Marktmanipulation auf breiter Front.

„Diese Insider sind schneller als Du“, sagte Lewis am Sonntag in der landesweit viel beachteten CBS-Sendung „60 Minutes“. „Sie sind in der Lage, Deinen Auftrag zu sehen und gegen andere Aufträge auszuspielen auf eine Art und Weise, die Du nicht verstehst. Sie können Deinen Auftrag ausstechen.“ Die Börsenbetreiber, die großen Wall-Street-Banken und die Hochfrequenzhändler würden dabei gemeinsame Sache machen. Den Schaden hätten alle anderen Anleger vom kleinen Privatmann bis zum milliardenschweren Investmentfonds.

Seite 1:

Die bösen Buben des Finanzmarktes

Seite 2:

Mit „Speed Bunps“ die Händler bremsen

Kommentare zu " Hochfrequenzhändler: Die bösen Buben des Finanzmarktes"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%