Höhere Bewertung durch Moody’s macht den Weg für neue Investoren frei
Russland rückt in den Fokus der Anleger

Aktienkurse, die sich auf historischem Hoch befinden, dazu eine Rally am Bondmarkt – Russland steht zurzeit bei Investoren hoch im Kurs. Mit der Neueinschätzung der Bonität durch die Ratingagentur Moody’s Investors Service dürfte sich dieser Trend noch verstärken.

DÜSSELDORF. „Es ist ein gutes Signal“, lobt Mauro Toldo, Emerging-Market- Experte der DZ Bank. Völlig unerwartet hatte Moody’s am Mittwoch die Bonitätseinschätzung für Russlands Auslandsschulden um zwei Stufen auf „Baa3“ und damit in die „Investment-Grade“ -Kategorie angehoben. Die Ratingagenturen Standard & Poor’s (S & P) und Fitch bewerten Russland dagegen mit BB bzw. BB+, also um zwei bzw. eine Stufe schlechter. Experten zufolge dürfte eine Anhebung der Bewertungen noch einige Zeit auf sich warten lassen. Ein Grund, warum der Investoren-Zustrom begrenzt sein wird. Denn einige Institutionelle, u.a. konservative Investmentfonds oder Versicherungen, unterliegen Ratingbeschränkungen. Sie haben als Mindeststandard für Engagements die Bewertung Investment-Grade durch zwei Agenturen. Doch für viele andere Anleger ist der Weg nun frei.

Das Moody’s-Rating bedinge zwar keine Neueinschätzung des russischen Kapitalmarkts im Hinblick auf die fundamentale Entwicklung und die Kreditqualität des Landes, aber in der „Aufmerksamkeit, die Investoren dem Schuldner Russland widmen werden“, sagt Michael Discher-Remmlinger, Fondsmanager des DIT, Deutscher Investment- Trust. Und allein die Erwartung, dass weitere Investoren in den Markt kommen werden, könnte einige Anleger, die ohnehin in Russland investiert sind, zu einer Aufstockung ihrer Anlagen veranlassen.

Holger Friedrich, Fondsmanager bei Union-Investment, weist zudem darauf hin, dass sich Russland nun in einer anderen Anlageklasse befindet. Verglichen werde es nun beispielsweise mit Anlagen in Mexiko und Südafrika. Und bei diesem Vergleich „sieht Russland noch relativ günstig aus“. Laut Friedrich waren in Russland bisher die „klassischen Emerging-Market-Investoren“ übergewichtet. Nun könnten aber auch „Crossover-Investoren“ investieren. Das sind Anleger, die überwiegend auf Staats- oder Unternehmensanleihen setzen und Emerging Markets-Papiere nicht in ihrer Benchmark haben.

Der Zustrom neuer Anleger wird aber wohl keine allzu großen Kurssprünge mehr bei den russische Anleihen bringen. „Die große Bewegung liegt hinter uns“, sagt Friedrich. Doch dürfte die „Nachfrage konstant weiter steigen“, so dass sich die Spreads (Risikoprämien) weiter einengen. DIT-Experte Discher-Remmlinger weist zudem darauf hin, dass mit den schrumpfenden Risikoaufschlägen der Einfluss der internationalen Bondmärkte „viel stärker zu spüren sein wird“.

Einen Schub könnte es bei russischen Anleihen noch einmal geben, wenn auch S & P und/oder Fitch ihre Ratingeinstufung heraufsetzen. „Das bringt noch einmal Schwung herein“, sagt Discher-Remmlinger, der damit aber frühestens nach der Parlamentswahl im Dezember rechnet. Wahrscheinlicher sei sogar, dass die Präsidentschaftswahl im März noch abgewartet werde. Eine Schlüsselfrage für ihn ist u.a., wie das künftige Regierungsprogramm aussehen wird. Auch Mauro Toldo geht sicher von einer Höherstufung aus, doch werde diese noch nicht innerhalb der nächsten Monate kommen. Als Unsicherheitsfaktoren nennt auch er die bevorstehenden russischen Wahlen. Dabei wird von keiner Seite an der Wiederwahl Putins gezweifelt.

Einen noch größeren Zeithorizont haben die Experten von JP Morgan. Sie rechnen mit einem Investment-Grade-Rating durch S & P frühestens Ende 2004. Dann würden aber auch amerikanische Crossover-Investoren in Russland einsteigen. „Wir sehen eine gute Nachfrage von dieser Anlegergruppe“, heißt es in einer Analyse. Allerdings werde es noch „etliche Jahre“ dauern, bis die neuen Anleger ihre gewünschte Gewichtung in dem Markt erreichten.

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