Höheres Risiko bei Dividendenpapieren dürfte künftig belohnt werden
Experten: Aktien schlagen Anleihen

Die eindrucksvolle Rally an den Aktienmärkten kann nicht verwischen, dass Staatsanleihen auf längere Sicht die bessere Anlage waren. Das gilt, wenn die Gelder einmalig investiert wurden. Schuld daran ist die schlechte Performance in den vergangenen Jahren. Sie machte jahrzehntelange Gewinne zunichte. Rückblicke sind aber gerade deshalb verzerrt und können nicht auf die Zukunft projiziert werden.

DÜSSELDORF. „Künftig bekommt man am Anleihemarkt nur das, was man sich heute einkauft, also jährliche Renditen von knapp 4 %. Mit Aktien sind rund 10 % zu gewinnen“, sagt Berndt Fernow von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Er fertigte dazu eine Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Aktien-Researchleiter Kai Franke von der ING BHF-Bank prognostiziert für Aktien künftig 5 % bis 7 %. Rund 8 % sagt Portfoliomanager Jürgen Wunner von Julius Bär voraus.

Selbst auf die vergangenen 30 Jahre bezogen hätte sich der Aktienkauf kaum gelohnt: 7,56 % jährliche Rendite mit Staatsanleihen stehen 7,58 % mit Aktien gegenüber. Das geringe Plus wiegt kaum die höheren Risiken auf. Grund für die ernüchternde Aktien-Bilanz liegt nahe: 2002 war das schlechteste Aktienjahr in der Börsengeschichte: der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor fast die Hälfte seines Wertes. Bereits 2001 ging als das viertschlechteste Jahr seit 1973 in die Geschichte. So eine Negativserie – auch 2000 war ein Minusjahr – hatte es seit Anfang der dreißiger Jahre nicht mehr gegeben.

Wer sein Geld allerdings nicht einmalig in Aktien investiert hat, steht besser da. Der Vergleich rollierender Zeiträume in den letzten drei Jahrzehnten spricht für die Aktie: In 62,5 % aller Quartale schnitten Aktien besser als Renten ab. Bei Zehn- und 15-Jahres-Zeiträumen sind es sogar 80,7 % und 93,7 %. Das bedeutet, mit Aktieninvestments lässt sich mit hoher Sicherheit eine Überrendite erzielen, wenn der Einstieg zeitlich gestreckt wird mit regelmäßigen Einzahlungen. Idealerweise erfolgt auch der Ausstieg mit regelmäßigen Entnahmen. Ein Fondssparplan entspricht diesem Modell.

Einflussgröße ist die Dividendenrendite

Um in die Zukunft zu blicken, hat die LBBW auf Basis vieler Daten aus den vergangenen 30 Jahren einschließlich aktueller volkswirschaftlicher Kennziffern ein Modell für die zu erwartende Fünf-Jahres-Performance des Aktien- und Rentenmarktes erstellt. Anleihe-Investments werden maßgeblich durch den Zinskupon bestimmt. Ausgehend von einer aktuellen Umlaufrendite mit 3,95 % und einem künftig nicht mehr zu erwarteten Zusatzertrag durch Kursgewinne – das Zinsniveau dürfte kaum weiter sinken – prognostizieren die LBBW-Experten eine Performance mit Anleihen von 3,95 % pro Jahr. Voraussetzung ist, dass Anleger Anleihen mit sieben- oder achtjähriger Laufzeit kaufen. Kürzer laufende Anleihen dürften noch weniger abwerfen.

Einflussgrößen für die künftige Aktienperformance sind die Dividendenrendite und volkswirtschaftliche Komponenten wie Marktkapitalisierung, Bruttoinlandsprodukt und Geldmenge. Einfluss nehmen unter anderem das derzeitige Verhältnis von Marktkapitalisierung zur Geldmenge – in Deutschland derzeit 45 % gegenüber einem Mittelwert von 58 % – und zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) – derzeit 33 % gegenüber dem Mittel von 30 %. Der Markt ist demnach leicht unterbewertet. „Geht man davon aus, dass die Relationen zu ihrem historischen Durchschnitt zurückkehren, ist Deutschland gegenüber den USA deutlich niedriger bewertet“, meint LBBW-Stratege Fernow. In den USA ist die Marktkapitalisierung derzeit so hoch wie das BIP – also 100 % gegenüber einem Mittel von 77 %.

Aktien günstiger bewertet als Anleihen

Berücksichtigt man in Deutschland die übrigen Einflussgrößen, wie die derzeitige Dividendenrendite im Dax von 2,25 % – errechnet die LBBW eine erwartete Dax-Performance von 10,5 % pro Jahr in den nächsten fünf Jahren. Das entspräche einem Anstieg auf 5 800 Punkte bis 2008. Das ist das Niveau von 1998 und zugleich 30 % weniger als beim Höchststand im März 2000. Insgesamt bietet der Aktienmarkt nach Ansicht der LBBW-Experten auf die nächsten fünf Jahre bezogen weit bessere Perspektiven als der Rentenmarkt.

„Aktien werden Renten outperformen“, meint auch Jürgen Wunner von Julius Bär. Gründe dafür sieht der Portfoliomanager in der günstigen Bewertung von Aktien gegenüber Anleihen, „die es in der Form seit Jahren nicht mehr gegeben hat“. Zudem neige sich der Zinssenkungs-Zyklus seinem Ende zu. Signale für eine bessere Weltkonjunktur „deuteten auf Inflationsdruck und damit höhere Zinsen in den nächsten Jahren hin, meint Wunner. Das gehe auf Kosten der Anleihen. „Angesichts erwarteter Kursverluste drohen hier in den nächsten Jahren sogar Verluste.“

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