Hohe Bewertung, aber gute Konjunkturaussichten
Indiens Börse startet durch

Die indische Volkswirtschaft hat in den vergangenen Wochen für reichlich gute Nachrichten gesorgt. Das Wirtschaftswachstum ist mit 5,8 Prozent im jüngsten Quartal deutlich robuster ausgefallen als es die meisten Experten erwartet haben.

NEU-DELHI. Indiens Unternehmen bewältigen die globale Krise deutlich besser als viele ihrer Konkurrenten in der westlichen Welt. Und schließlich brachte die Parlamentswahl im Mai eine überraschend stabile Regierungsmehrheit für den reformorientierten Premierminister Manmohan Singh.

Die Börse hat dies ausgiebig gefeiert. Der Leitindex Sensex stieg seit dem Tiefststand Anfang März um mehr als 90 Prozent. Die psychologisch wichtige Schwelle von 15 000 Punkten nahm er im Galopp und hat in der abgelaufenen Woche den höchsten Stand seit zehn Monaten erreicht. Damit ist Indien der Aktienmarkt mit dem größten Wertzuwachs in Asien. Aber inzwischen auch einer der teuersten, wie Analysten warnen. Entsprechend hoch ist das Risiko kurzfristiger Gewinnmitnahmen. Viele Börsenexperten warnen, das vorläufige Ende der rauschenden Party stehe bevor. Anleger sollten jetzt nicht mehr einsteigen. Die Anzeichen der Ermüdung sind offenkundig. Während der Sensex noch zulegte, überwogen insgesamt bei den an Börse Bombay gelisteten Unternehmen bereits die Verlierer.

Ein wichtiger Wegweiser für die weitere Entwicklung des indischen Aktienmarkts in den kommenden Wochen wird die Vorlage des ersten Haushalts durch die neue Regierung Anfang Juli sein. Die Märkte erwarten, dass die Regierung über Infrastrukturinvestitionen frisches Geld in die Wirtschaft pumpen wird. Und sie rechnen mit einem klaren Bekenntnis zu wirtschaftspolitischen Reformen von der Privatisierung staatseigener Betriebe bis zur Lockerung der Restriktionen für ausländische Investoren. "Werden diese Erwartungen enttäuscht, rechnen wir mit einer Korrektur um 15 bis 20 Prozent nach unten", warnt Hitesh Agrawal, Chefanalyst des Investmentbrokers Angel Broking in Bombay. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch.

Für langfristig orientierte Anleger indes ist Indien weiterhin attraktiv. Zwar sind die Aktien nach der Rally der vergangenen Monate kein Schnäppchen mehr. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der im Sensex gelisteten Unternehmen liegt inzwischen bei 18, das vierthöchste in Asien nach Japan, China und Taiwan und leicht über dem langjährigen Durchschnitt. Doch angesichts der guten Wachstumsaussichten für Indiens Wirtschaft sieht die breite Mehrheit der Analysten darin keine Überbewertung. Die Chancen stünden gut, dass die Kurse nach einer vorübergehenden Korrektur weiter zulegen, glaubt Agrawal.

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