Hohe Investitionen in Aktien
Großanleger blenden Gefahren aus

Internationale Fondsmanager sehen zwar Risiken an den Märkten. Dennoch halten sie so wenig Bargeld wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren und investieren wieder verstärkt in Aktien. Wie lange kann das noch gutgehen?
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Frankfurt Mohamed El-Erian bringt es auf den Punkt: Nur ein schwerer Schock könne den Risikohunger der Anleger zügeln, sagt der ökonomische Chefberater der Allianz über die Sorglosigkeit der Anleger. Dass die Investoren in der Tat die Risiken an den Märkten weitgehend ausblenden, zeigt die wichtigste monatliche Umfrage unter internationalen Fondsmanagern. Dafür befragt die Bank of America Merrill Lynch (BofA Merrill Lynch) monatlich internationale Großinvestoren. Im Oktober waren es 179 Investoren, die zusammen rund 516 Milliarden Dollar verwalten.

Das erstaunliche Ergebnis in diesem Monat: Mit 4,7 Prozent ihrer Anlagen halten die Investoren so wenig Bargeld und andere liquide Mittel wie zuletzt vor zweieinhalb Jahren. Vor einem Jahr lag die Cash-Quote bei 5,8 Prozent. Noch findet Michael Hartnett, Chefanlagestratege bei der BofA Merill Lynch, die gesunkenen Bargeldbestände nicht bedenklich, da sie immer noch auf einem relativ hohen Niveau liegen. Aber: „Ein weiterer schneller Rückgang im nächsten Jahr wäre ein Verkaufssignal.“ In diesem Fall wären die Anleger seiner Meinung nach endgültig zu sorglos.

Zugegeben: Bislang ist Investoren der Optimismus – bis auf zwischenzeitliche Rückschläge – gut bekommen. Die Aktienmärkte steigen weltweit, die großen Indizes an der Wall Street eilen seit Monaten von Rekord zu Rekord, und auch der Dax hat mit über 13.000 Punkten ein Allzeithoch erreicht. Seit mehr als acht Jahren läuft die Hausse an den Börsen. Und aktuelle Warnzeichen für die Konjunktur gibt es nicht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht zwar die gestiegene Verschuldung mittelfristig als Gefahr. Seine Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft hat der IWF aber gerade erst auf 3,6 Prozent in diesem und auf 3,7 Prozent im nächsten Jahr erhöht.

Auch die befragten Investoren in der weltweit wichtigsten Fondsmanagerumfrage sind mit Blick auf die Wirtschaft wieder zuversichtlicher geworden. Netto rechnen 41 Prozent damit, dass die Wirtschaft noch schneller wächst als erwartet. Netto bedeutet, dass es 41 Prozent mehr Optimisten als Pessimisten mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung gibt. So optimistisch wie derzeit waren die Fondsmanager zuletzt im Mai. Gleichzeitig rechnen netto 36 Prozent damit, dass auch die Gewinne der Unternehmen weiter anziehen.

Doch reicht das Wirtschaftswachstum? El-Erian meint: nein. Die Aussicht auf eine breite Erholung der Weltwirtschaft ist seiner Meinung nach nicht stark genug, um die aktuellen Bewertungen zu rechtfertigen: „Wir haben dieses Niveau wegen der gewaltigen Liquidität erreicht, die die Notenbanken in die Märkte gepumpt haben.“

Die Normalisierung ihrer Geldpolitik hat bislang nur die US-Notenbank Fed eingeleitet. Sie hat den Leitzins seit Dezember 2016 von nahe null Prozent auf ein Band zwischen einem bis 1,25 Prozent erhöht. Die Fed will die Zinsen noch weiter anheben und investiert zudem seit kurzem nicht mehr das Geld aus allen auslaufenden Anleihen aus ihrer Bilanz in neue Bonds.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Leitzins von null Prozent dagegen laut EZB-Chef Mario Draghi noch „weit über die Zeit des laufenden Anleiheprogramms hinaus“ auf dem aktuellen Niveau halten. Wann und wie sie die Anleihekäufe von bislang monatlich 60 Milliarden Euro reduzieren will, wird die EZB bei ihrer nächsten Sitzung am 26. Oktober diskutieren. Die Bank of Japan macht bislang noch gar keine Anstalten zur Eindämmung der Liquiditätsschwemme.

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  • ---@ Herr Helmut Metz

    Nach den mir vorliegenden Informationen werden weltweit von ALLEN Big Boys die Trading Entscheidungen manuell getätigt. Nur die Ausführung der Aufträge übernehmen die Algo's. Das Kaskadieren, wenn Mega-Aufträge gesplittet in den Markt einfließen, oder wenn andere Groß-Absichten in Einzelaufträge umgesetzt werden.

    Trotzdem, die Kern-Entscheidungen treffen Menschen, weil Trading mehr ist, als Maschinen je können werden (evtl aber die Q-Computer).

  • @ Toni Ebert

    Vielleicht sollte man sogar präzisieren: die "Market-Maker" sind gar keine Menschen mehr, sondern Maschinen: nämlich das HFT / Algo-Trading der Big Player.
    Neulich habe ich geschrieben, dass meiner Überzeugung nach gerade diese EMOTIONSLOSIGKEIT der Maschinen den nächsten großen Crash auslösen wird. Die Maschinen analysieren etwa auch nicht, ob eine Aktie zu hoch bewertet ist. Wenn die programmierten Parameter stimmen, kaufen sie selbst dann einfach weiter - bis die Parameter einmal nicht mehr stimmen:
    "Computer sind doof. Hätte man sich einst vorher überlegen müssen, jetzt aber muss man damit leben, dass die Masse der Aktivitäten der großen Adressen nicht von Gehirnen (die manchmal noch Angst bekommen können), sondern von Computern erledigt werden. Die führen nicht die Ideen der Bediener aus, die denken für sie. Und die kennen kein „teuer“ und kein „billig“. Daher wird auch seitens der „Maschinen“ einfach blind weiter gekauft … aber nur, wenn die Parameter dafür passen. Wenn die Kurse jedoch kippen, haben diese „Trading-Maschinen“ kein Problem damit, die Kurse in Grund und Boden zu Shorten. Und das hieße: Crash. Gigantische Long-Positionen würden nicht, wie früher, vorsichtig in den Markt gegeben, sondern einfach wie ein Eimer Eiswasser über die Börsen gekippt, während auf der Kaufseite gähnende Leere herrscht … und das solange, bis die Computer netto Short wären."
    http://www.rottmeyer.de/wann-kommt-der-flash-crash-2-0/2/

  • Sehr geehrte Frau Cünnen,

    ich tue mir schwer, Ihren Gedanken zu folgen. Eine cash-Quote von 5 oder besser doch von 6 %?
    Ich sehe da keinen Unterschied. Reden wir doch einmal von 50 %.

    Was mich weiter stört, ist Ihr Tunnelblick auf den Aktienmarkt. Ist das DAX-KGV von vielleicht 14 wirklich wichtig, wenn das Renten-KGV bei etwa 1000 liegt und die Immobilien in Großstädten zu einem KGV von 30 oder 40 gehandelt werden? Muß ein crash an den Finanzmärkten unbedingt von den Aktien ausgehen?

    Und wenn wir schon über crash-Gefahren reden, liegt es nahe über Schutz zu diskutieren. Da neben Aktien auch die anderen Anlageklassen völlig überteuert, gibt es als crash-Schutz nur Bargeld, Sparbücher, Tagesgeld und Festgeld. Das sind genau die Anlageklassen, bei denen nichts zu verdienen ist, weil sie den Charakter einer Versicherungsprämie haben.

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